Misereor: Millionen Menschen könnten ihr Leben verlieren

  • © Bild: KNA
  • Klimawandel - 08.10.2018

Nach der Veröffentlichung des Sonderberichts des Weltklimarats IPCC haben kirchliche Organisationen mehr Engagement für den Klimaschutz gefordert. „Der Bericht zeigt, dass wir an einem Scheideweg stehen. Seine Botschaft ist klar: Noch können wir eine lebensfeindlichere Zukunft verhindern“ sagte der Hauptgeschäftsführer des Hilfswerks Misereor, Pirmin Spiegel, am Montag in Aachen. Entweder gelinge binnen weniger Jahre ein Kulturwandel hin zu einer tiefgreifenden Umkehr der Lebens- und Wirtschaftsweise, „oder wir werden uns in einem Klimasystem wiederfinden, in dem Millionen Menschen weltweit ihre Heimat, ihre Lebensgrundlagen oder gar ihr Leben verlieren“.

Konkrete Optionen, um Emissionen zu reduzieren und Entwicklung und Fortschritt anders zu definieren, lägen längst auf dem Tisch, so Spiegel weiter. Beispielhaft nannte er das Ende fossiler Rohstoffe als Energieträger, das Umlenken von Finanzströmen hin zu erneuerbaren Technologien, emissionsarme Mobilität und die Reduzierung des Fleischkonsums. „So erhalten wir die Lebensgrundlagen und Chancen für Millionen von Menschen, sich aus ihrer Armut zu befreien, statt in weitere Katastrophen zu stürzen“, sagte Spiegel.

Weltklimarat drängt auf Begrenzung der Erderwärmung

Der Weltklimarat drängt in seinem am Montag im südkoreanischen Incheon vorgestellten Bericht darauf, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Diese Begrenzung sei technisch noch machbar, sie könne aber nur durch rasches Handeln auf allen Feldern erreicht werden. „Die globale Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, erfordert rasche, weitreichende und beispiellose Veränderungen in sämtlichen Bereichen der Gesellschaft“, hieß es in einer Mitteilung des IPCC.

Der globale Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) müsste demnach von 2010 bis 2030 um 45 Prozent fallen und im Jahr 2050 Null erreichen. „Eine der Kernaussagen des Berichts ist: Wir sehen derzeit bereits die Konsequenzen von einem Grad Erderwärmung wie mehr Extremwetter, steigende Meeresspiegel, schwindendes arktisches Meereis und andere Veränderungen“, sagte der Co-Vorsitzende einer IPCC-Arbeitsgruppe, Panmao Zhai. Im Klimaabkommen von Paris hatte sich die Staatengemeinschaft Ende 2015 darauf geeinigt, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad, wenn möglich sogar auf 1,5 Grad zu begrenzen; letzteres hatten vor allem die kleinen Inselstaaten gefordert.

Brot für die Welt betont volkswirtschaftliche Kosten des Klimawandels

Das evangelische Hilfswerk Brot für die Welt und die Entwicklungsorgansation Germanwatch bezeichneten die Ergebnisse des IPCC-Berichts am Montag in Berlin als „starkes Signal für deutlich ambitionierteren Klimaschutz“. Dieser „wichtige Wegweiser aus der Klimakrise“ zeige, dass ab einer Erwärmung über 1,5 Grad die Risiken und volkswirtschaftlichen Kosten des Klimawandels massiv steigen würden. „Die gute Nachricht ist: Die Begrenzung der Erwärmung auf dieses Limit ist bei zügigem und entschiedenem Handeln machbar“, hieß es.

„Der Weltklimarat geht davon aus, dass sich klimabedingte Migration und Vertreibung bei einer Erwärmung von 1,5 Grad – und umso mehr bei 2 Grad Erwärmung – verstärken werden“, erklärte die Präsidentin von Brot für die Welt, Cornelia Füllkrug-Weitzel. Doch die Menschen, die vor steigendem Meeresspiegel, Dürren und Stürmen fliehen müssten, seien bislang weitestgehend rechtlos. Sie forderte schnellstmögliche Regelungen und finanzielle Hilfen von der internationalen Gemeinschaft. (stz)

© katholisch.de