Gewalt gegen Ureinwohner hält an

  • Indigene Völker - 28.09.2018

Die Gewalt gegen Brasiliens indigene Urbevölkerung hat sich auch 2017 fortgesetzt. Zu diesem Schluss kommt der am Donnerstag vom katholischen Indio-Missionsrat (Cimi) vorgestellte Jahresbericht. So wurden demnach in 2017 insgesamt 110 Indigene ermordet, zudem 27 versuchte Morde sowie 14 Morddrohungen registriert; 128 Indigene begangen Selbstmord. Aufgrund der mangelhaften Datenlage sei jedoch mit einer hohen Dunkelziffer zu rechnen, so Cimi.

Seit 2014 hat die Zahl der ermordeten Indigenen laut der Analyse rasant zugenommen. Wurden 2013 noch landesweit 53 Morde gezählt, waren es im Folgejahr 138. Seitdem hält sich die Zahl bei über einhundert. Gegenüber 2016 nahm die Zahl der Ermordeten nun um 8 Fälle ab. Die Daten wurden von der staatlichen Indigenen-Gesundheitsbehörde Sesai gesammelt. Auch sie verweist auf eine mangelhafte Informationslage über die konkreten Ursachen und Motive.

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Cimi kritisiert zudem den Stillstand bei der Überschreibung von Land an indigene Völker. Laut der Verfassung von 1988 sollte dieser Prozess bis 1993 abgeschlossen sein. Doch bisher sind 64 Prozent der indigenen Landforderungen immer noch offen. Unter der konservativen Regierung von Präsident Michel Temer, der seit Mai 2016 regiert, wurde kein einziges Indigenengebiet offiziell anerkannt. Bereits unter seiner Vorgängerin Dilma Rousseff (2011-16) von der linken Arbeiterpartei PT waren die Landüberschreibungen mit lediglich 21 rückläufig gewesen.

Cimi wirft der aktuellen Regierung vor, zugunsten wirtschaftlicher Akteure nicht ihren Pflichten zum Schutz der indigenen Völker nachzukommen. Immer häufiger würden indigene Schutzgebiete verletzt und dort Bodenschätze illegal abgebaut. Auch die medizinische Versorgung der Indigenen sei weiterhin mangelhaft. So seien 702 gestorbene Kleinkinder (bis 5 Jahre) registriert.

© KNA