Panama im Weltjugendtagsfieber

  • Weltjugendtag - 21.09.2018

In Panama bereiten sich selbst die Ärmsten für die Aufnahme von Gästen zum Weltjugendtag vor. Rund eine Viertelmillion Teilnehmer werden im Januar erwartet – und stellen das Land nicht zuletzt vor logistische Probleme.

In dem abgelegenen Dorf Santa Rosa mitten im Urwald Panamas ist meist nicht viel los. Die belebte Hauptstadt Panama-Stadt liegt über eine Autostunde entfernt. Statt Hochhäusern säumen hier Kaffee- und Bananenbäume die Straße. Doch seit einigen Wochen herrscht Nervosität unter den rund 500 Einwohnern: Zum bevorstehenden Weltjugendtag haben sich Gäste aus dem Ausland angekündigt. Wie viele es sein werden und woher sie kommen, wissen die Dorfbewohner noch nicht. Trotzdem hat sich fast jeder bereiterklärt, Pilger zu beherbergen. „Ich möchte den Leuten unser Dorf zeigen“, sagt Ingris. Die 35-Jährige ist alleinerziehende Mutter von sechs Kindern. Ihr Haus hat gerade einmal zwei Zimmer. „Aber nebenan bei meiner Mutter ist auch noch Platz.“

Der Weltjugendtag, zu dem auch Papst Franziskus erwartet wird, findet Ende Januar erstmals in Mittelamerika statt. Zuerst verbringen die Teilnehmer einige „Tage der Begegnung“ in Gastfamilien in ganz Panama sowie in Costa Rica, Mexiko und El Salvador. Höhepunkt und Abschluss des Welttreffens sind dann die Tage vom 22. bis 27. Januar in Panama-Stadt. Während die Weltjugendtage in europäischen Ländern in der Fülle der Großveranstaltungen oft untergehen, hat die Vorfreude in Panama schon jetzt das ganze Land erfasst. Das blau-rote Logo der Veranstaltung klebt auf vielen Autos und ziert die Flaggen, die vor fast allen Kirchen des Landes gehisst sind. Selbst am Flughafen prangt es auf großflächigen Plakaten: „Te esperamos“ – „Wir erwarten dich“, steht daneben.

Blick auf Panama-Stadt.
Michael Althaus/KNA

Mit dem Treffen geraten zugleich die sozialen Probleme Panamas in den Fokus: Zwar vermittelt die Hauptstadt mit ihren Wolkenkratzern und dem großen Kanalhafen ein Bild von Reichtum und wirtschaftlichem Erfolg. Dennoch lebt ein großer Teil der rund 3,6 Millionen Einwohner des Landes in Armut. Jugendlichen bleibt häufig der Zugang zu Bildung verwehrt, manche rutschen in die Kriminalität ab. Viele können die 250 Dollar für die Teilnahme am Weltjugendtag nicht aufbringen. Laut Veranstalter soll ein Solidaritätsfonds dafür sorgen, dass niemand ausgeschlossen bleibt.

Viele junge Leute in dem stark katholisch geprägten Land freuen sich indes auf die Begegnung mit dem Papst. „Er ist sehr beliebt“, sagt der 26-jährige Yithzak. Der junge Mann hilft bei der Organisation der „Tage der Begegnung“ in der Diözese Colon in einer der ärmsten Gegenden des Landes. „In der aktuellen Situation, in der Papst Franziskus die Missbrauchsfälle zum Vorwurf gemacht werden, wollen wir ihm sagen, dass wir hinter ihm stehen.“ Dennoch sehnten sich auch die panamischen Jugendlichen nach Veränderungen in der Kirche: „Sie muss einen Weg finden, ihre Lehre an die Lebensrealität der Menschen anzupassen.“ Reformbedarf sieht Yithzak vor allem bei der Rolle der Frau und der Sexualmoral.

„Das Treffen wird den jungen Menschen helfen, an ihre Potenziale zu glauben“, ist der Erzbischof von Panama-Stadt, Jose Domingo Ulloa, überzeugt. „Papst Franziskus hat bewusst Zentralamerika als Veranstaltungsort für den Weltjugendtag ausgewählt, weil er an die Ränder der Gesellschaft gehen will“, sagt er nicht ohne Stolz.

Die Vorbereitungen sieht Ulloa auf gutem Weg. Rund 209.000 Pilger haben sich bereits angemeldet, davon die meisten aus Lateinamerika, aber auch gut 2.200 aus Deutschland, deutlich mehr als hierzulande erwartet. Insgesamt rechnen die Veranstalter mit einer Viertelmillion Teilnehmer. Zum Weltjugendtag in Rio de Janeiro im Jahr 2013 waren trotz deutlich niedrigerer Anmeldezahlen am Ende rund 1,5 Millionen Menschen gekommen. Dort hatten unter anderem die kurzfristige Verlegung des Abschlussgottesdienstes und ein Ausfall der U-Bahn für chaotische Zustände gesorgt. Auch für Panama-Stadt mit seinem chronisch überlasteten Verkehrsnetz wird die Großveranstaltung eine Herausforderung. Eine zweite Metrolinie sowie ein neues Flughafen-Terminal für den Transport der Pilger sind derzeit noch im Bau.

Erzbischof Ulloa gibt sich dennoch gelassen: „Es sind die Erwachsenen, die immer und überall Schwierigkeiten sehen, für die Jugendlichen ist das alles kein Problem.“ Und auch Ingris im gut 50 Kilometer entfernten Santa Rosa hat derzeit andere Sorgen: Bis die Gäste eintreffen, will sie auf jeden Fall noch einen Großputz machen und das Haus aufräumen.