Bericht zu Amazonasgebiet an Bundesregierung übergeben

  • Indigene Völker - 20.09.2018

Indigene Völker sind in Ländern am Amazonas stark in Bedrängnis. Verschmutzte Landstriche durch staatliche Firmen oder Vertreibungen bedrohen ihr Leben. Hilfswerke zeichnen in einer Studie ein düsteres Bild der Lage.

Umweltverschmutzung, Vertreibung und Gewalt – das sind einige der Aspekte, die nach Einschätzung von Adveniat und Misereor das Leben der indigenen Gemeinschaften im Amazonasgebiet bedrohen. Die beiden katholischen Hilfsorganisationen übergaben dazu am Mittwoch in Berlin einen Bericht an die Bundesregierung, den Rat der Europäischen Bischofskonferenzen COMECE und den Rat der Lateinamerikanischen Bischofskonferenzen CELAM.

Misereor und Adveniat sind Teil von REPAM. Das panamazonische Kirchennetzwerk hat den Bericht erarbeitet, der Fälle von systematischen Menschenrechtsverletzungen in Kolumbien, Brasilien, Ecuador, Peru und Bolivien zusammenträgt.

Erzbischof Barreto - Laudato si' als Ansporn

Pedro Barreto SJ, Erzbischof von Huancayo in Peru, setzt sich in seiner Heimat für die Amazonas-Völker ein.

Claudia Zeisel

Die Bilanz: Indigene können ihre Lebenswelt immer schwerer aufrechterhalten, auch wenn die Bedrohungen in den Ländern unterschiedlich sind. Im Amazonasgebiet kommt es aufgrund großer Vorkommen an Ressourcen immer wieder zu Konflikten. Durch diese Auseinandersetzungen sei ein großer Teil der Urbevölkerung verdrängt, umgebracht, oder in die Sklaverei getrieben worden, schreiben die Autoren. Als Folge von Ölförderung und Bergbau sind Landstriche verschmutzt und Bewohner erkranken.

Für 33 Millionen Menschen, 390 indigene Völker und 140 Völker in selbstgewählter Isolation ist das Amazonasgebiet Heimat. Es erstreckt sich über eine Fläche von 5,5 Millionen Quadratkilometern. Die Verletzung des Rechts auf das eigene Land ist laut Organisationen das größte Problem: Dabei geht es nicht nur um das Recht auf den physischen Raum, sondern auch um den engen Bezug, den die Indigenen zu ihrem Land pflegen. Für viele Völker spielen Flüsse, Pflanzen und Tiere eine wichtige Rolle in ihrem Glauben und Leben.

Ein Beispiel: Die Völker der Tagaeri und Taromenane in Ecuador lebten lange in selbstgewählter Isolation. Sie ziehen als Nomaden auf der Suche nach Nahrung durch ihre Wälder und fangen Fische an Flüssen. Das wurde bis 2013 auch akzeptiert. Dann erklärte die Regierung ihren Lebensraum zum Erdölfördergebiet und damit war es um die Isolation geschehen. Die Indigenen werden vertrieben und so ihrer Lebensgrundlage beraubt. Schutzzonen, die von der Regierung eingeführt wurden, bringen den Autoren zufolge wenig.

Dossier

In diesem Dossier werden die Glaubens- und Lebenswelt ausgewählter indigener Völker vorgestellt.


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Ähnliche Fälle gibt es beim Ressourcenabbau in Brasilien oder Bolivien. „Die Ölförderung ist aus wirtschaftlichen Motiven, mit der die Verletzung sämtlicher Rechte einer Minderheit in Kauf genommen wird, nicht zu rechtfertigen“, heißt es in dem Bericht.

Das gilt etwa für die Chiriaco-Region in Peru. Dort leiden die Einwohner der Awajun unter verschmutztem Wasser, nachdem 3.000 Barrel Erdöl 2016 aus einer staatlichen Pipeline in eine Schlucht liefen. Statt selbst für die Reinigung zu sorgen, beauftragte die staatliche Erdölfirma Kinder und Erwachsene des Volkes mit den Arbeiten – ohne sie angemessen zu schützen. Ärztliche Untersuchungen ergaben hohe Schwermetall-Konzentrationen in ihrem Blut. Sie hatten das verunreinigte Wasser und verseuchte Nahrungsmittel zu sich genommen.

Der Kampf im Amazonasgebiet ist auch ein Anliegen der katholischen Kirche. Der Vatikan will bei einer für Oktober 2019 geplanten Synode unter anderem vom Menschen verursachte Umweltschäden und Folgen für die Bevölkerung in den Blick nehmen. Der Titel der Synode lautet „Amazonien – neue Wege für die Kirche und eine ganzheitliche Ökologie“.

Doch welche konkreten Lösungen gibt es? Das Netzwerk REPAM fordert vor allem, dass sich Regierungen und Unternehmen an internationale Verträge und Gesetze halten. Das gilt etwa für die UN-Konvention für eingeborene und in Stämmen lebende Völker. Sie kritisierten außerdem, dass Erträge aus den Ressourcen nicht den Einwohnern des Amazonasgebiets zu Gute kommen, damit sie ein Leben nach ihren Vorstellungen führen können. Stattdessen flössen die Gelder an Firmen wie die staatliche Erdölfirma Petroperu in Peru oder der Amazonas Energia S.A.C., einer Tochterfirma des in Korruptionsskandale verwickelten brasilianischen Konzerns Andrade Gutierrez.