JRS befürchtet weitere Tote im Mittelmeer

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  • Flucht und Asyl - 11.09.2018

Nach den jüngsten Bootsunglücken auf dem Mittelmeer fordert der Jesuiten-Flüchtlingsdienst (JRS) von Europa eine neue Migrationspolitik. Diese müsse das Leben und die Würde der Menschen in den Mittelpunkt stellen, sonst gebe es bald eine „tragischen Serie von Bootsunglücken, über die informiert zu werden immer schwieriger wird“, erklärte der Jesuit Camillo Ripamonti am Dienstag.

Er ist Vorsitzender des Centro Astalli, das in Rom die Arbeit des JRS koordiniert. Weiter fordert er von der EU umgehend „eine angemessene Operation, die all jene rettet, die gezwungen sind, aus einem brennenden Libyen zu fliehen“.

Es müssten umgehend humanitäre Korridore für alle in Europa Asylberechtigten geöffnet werden, heißt es weiter in einer Pressemitteilung des Zentrums. Zudem seien Visa und Einreisequoten nötig, um sichere Migration nach Europa zu gewährleisten.

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Zuvor hatten italienische Medien berichtet, nach einem Bootsunglück vor der libyschen Küste könnten mehr als 100 Migranten ertrunken sein, darunter 20 Kinder und 2 Babys. Die Berichte beriefen sich auf die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF).

Das Unglück ereignete sich den Angaben zufolge bereits Anfang September. Zwei Schlauchboote mit jeweils etwa 160 Menschen an Bord seien in Seenot geraten. Die libysche Küstenwache habe einige Überlebende zurück in das nordafrikanische Land gebracht.

Nach Aussagen der Geretteten hatte eines der Schlauchboote einen Motorschaden, das andere verlor Luft. Italiens Küstenwache sei um Hilfe gerufen worden, aber zu spät eingetroffen.

Italien hat unter der neuen Regierung seine Migrationspolitik verschärft, etwa durch ein Einfuhrverbot italienischer Häfen für Schiffe von Nichtregierungsorganisationen mit aus Seenot geretteten Migranten. Das hatte am Montag auch die neue UN-Menschenrechtshochkommissarin Michelle Bachelet bei ihrer Antrittsrede vor dem UN-Menschenrechtsrat in Genf kritisiert.

Italiens Innenminister Matteo Salvini von der rechtsgerichteten Lega kritisierte daraufhin erneut, die EU habe sein Land in der Migrationsfrage allein gelassen. Laut italienischen Medien sagte er zudem, die UN habe Italien keine Vorhaltungen zu machen; sie sei „voreingenommen, überflüssig teuer und uninformiert“.

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