Hoffnung auf Frieden im Südsudan

  • Südsudan - 05.09.2018

Sieben Jahre nach der Unabhängigkeit des Südsudan gibt es Hoffnung auf ein neues Friedensabkommen. Nach jahrelangem grausamem Bürgerkrieg haben Staatspräsident Salva Kiir und Vize-Präsident Riek Machar eine Waffenruhe vereinbart und wollen die Macht teilen. Binnen drei Monaten soll eine Übergangsregierung entstehen. Eine gute Nachricht für alle Südsudanesen, findet Father Anthony Bangoye, Generalvikar der Diözese Tombura-Yambio im Südsudan. Doch die internationale Gemeinschaft muss den Konfliktparteien auf die Finger schauen, fordert er.

Frage: Father Anthony, wie haben Sie auf das Friedensabkommen im Südsudan reagiert, das kürzlich zwischen dem Präsidenten und seinem Rivalen geschlossen wurde? Und was erwarten sie davon?

P. Anthony Bangoye: Es ist für alle Südsudanesen eine große Freude, dass der Präsident Salva Kiir und der Vizepräsident Riek Machar ein Abkommen unterzeichnet haben, das Frieden für den Südsudan bringen soll. Das sind gute Nachrichten für die Südsudanesen, denn danach haben sie sich lange gesehnt und sie haben schon viel für den Frieden für unser Volk gebetet. Jetzt hoffen wir, dass das Friedensabkommen so, wie es unterzeichnet wurde, auch umgesetzt wird. Nicht, dass es wieder missachtet wird.

Frage: Zwischen dem Präsidenten und seinem Vize wird es eine neue Machtaufteilung geben und auch die anderen ethnischen Gruppen werden stärker in den Ministerien vertreten sein. Wie soll das genau aussehen?

P. Anthony: Die Frage der Machtaufteilung zwischen Präsident und Vize war eine der Ursachen für die Kämpfe. Jetzt wollen sich aber beide für den Frieden im Südsudan einsetzen. Deshalb wollen sie die Macht gerechter aufteilen, damit es da nicht mehr zu Konflikten kommt. Das Problem ist aber, dass sie bereits das vorherige Friedensabkommen gebrochen haben. Deshalb rufe ich die internationale Gemeinschaft und die Kirche auch hier in Deutschland dazu auf, den neuen Friedensprozess wachsam zu begleiten. Die neue Machtaufteilung wurde unterzeichnet und muss so umgesetzt werden, damit sie nicht wieder den Krieg auslöst.

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Frage: Im Südsudan gibt es vier Millionen Binnenflüchtlinge, viele Bauern sind geflohen und können ihre Felder nicht mehr bestellen – Ernten fallen aus, es gibt Hungersnöte. Was hoffen Sie für diese Leute?

P. Anthony: Es gibt in der Tat Hungersnöte. Die Menschen sind frustriert, weil sie aufgrund der anhaltenden Gewalt ihre Felder nicht bestellen können. Sie wurden die ganze Zeit herumgescheucht und mussten um ihr Leben rennen. Wir hoffen, dass es den Vertriebenen mit dem neuen Friedensabkommen besser geht und ich ermutige auch unsere Partner, die Flüchtlinge zu unterstützen. Wir müssen diesen Menschen Hoffnung geben, besonders den Bauern. Denn unser Land ist fruchtbar – 70 Prozent könnten für die Landwirtschaft genutzt werden, aber nur fünf Prozent werden aktuell genutzt. Wir müssen die Bauern unterstützen und sie ermutigen, Kooperativen zu gründen, damit viele Menschen dort beitreten können. Dann können sie Geld verdienen und es hören auch die Raubzüge und die Kämpfe auf. Wir müssen den Hunger bekämpfen und unsere Produkte auch in die Nachbarländer verkaufen. Wir sollten nicht immer Dinge von Uganda oder Sudan importieren. Wenn die Länder auch wieder bei uns einkaufen, kurbelt das unsere Wirtschaft an.

Frage: Die Bischöfe des Südsudan sind zurzeit auf Ad-limina-Besuch bei Papst Franziskus in Rom. Was erwarten Sie von dem Besuch und generell an Hilfe der katholischen Kirche im Konflikt im Südsudan?

P. Anthony: Die Bischöfe des Südsudan und auch des Sudan sind zurzeit auf Ad-Limina-Besuch in Rom. Sie haben den Papst bereits getroffen. Ich bin sicher, sie haben ihm die gute Nachricht der Hoffnung auf den Frieden im Südsudan überbracht, dass es in Khartoum nun zur Unterzeichnung des Friedensabkommens kommt. Ich bin sicher, der Papst gibt seine Segenswünsche für den dauerhaften Frieden. Ich hoffe, die Bischöfe laden ihn in den Südsudan ein. Denn der Südsudan ist ebenso wie der Kongo im Herzen des Papstes. Ich bin sicher, Franziskus freut sich über die guten Neuigkeiten, dass es zum Frieden im Südsudan kommen kann.  

Frage: Sie werden in Deutschland mit Unterstützung von Misereor auch Parlamentarier in Berlin treffen. Was erwarten Sie von der deutschen Politik im Bezug auf Südsudan?

P. Anthony: Von der Kirche und der Politik in Deutschland erhoffe ich mir, dass sie diese gute Nachricht in der internationalen Gemeinschaft verbreiten, dass es Hoffnung auf Frieden gibt. Die internationale Gemeinschaft, die Intergovernmental Authority on Development (IGAD) und die UN sollten nicht nur Zuschauer sein, sondern sie sollten diesen Friedensprozess überwachen und aktiv begleiten. Sodass es in keinem Bereich mehr zum Missbrauch des Abkommens kommt.

Das Interview führte Claudia Zeisel

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