Keïta bleibt Präsident von Mali

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  • Mali - 16.08.2018

In Mali ist Präsident Ibrahim Boubacar Keïta im Amt bestätigt worden. In der Stichwahl gegen Oppositionskandidat Soumaïla Cissé holte er 67,17 Prozent der Stimmen. Keïta steht eine schwierige Amtszeit bevor.

Ibrahim Boubacar Keïta ist die Wiederwahl geglückt. In der Stichwahl am Sonntag holte er offiziellen Angaben zufolge 67,17 Prozent der Stimmen und gewann wie bereits 2013 gegen den Oppositionskandidaten Soumaïla Cissé, der 32,83 Prozent erhielt. Der 73-jährige Keïta bleibt damit fünf weitere Jahre an der Macht – steht aber vor noch größeren Aufgaben als 2013. Damals wurde dem Historiker und Politikwissenschaftler, der in Frankreich und im Senegal studierte, zugetraut, das 18-Millionen-Einwohner-Land aus dem Chaos zu führen.

Mali erlebte zuvor innerhalb eines guten Jahres eine Tuareg-Rebellion, im März 2012 einen Staatsstreich, die Besatzung des Nordens durch islamische Gruppen, den Einmarsch der Franzosen und die Anfänge der UN-Stabilisierungsmission für Mali (Minusma). Mit Keïta, der auf Wahlplakaten stets als großer, starker Mann präsentiert wird, sollte der Neuanfang geschafft werden.

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Fünf Jahre später sind zwar etwa vier- bis fünfmal so viele nationale wie internationale Soldaten im Land. Doch im Norden kommt es mitunter mehrmals pro Woche zu Anschlägen. Die richten sich häufig gegen Blauhelmsoldaten, von denen die Bundeswehr knapp 700 stellt. Seit 2013 sind 169 Minusma-Soldaten ums Leben gekommen. Auch die weitaus schlechter ausgerüsteten und kaum geschützten Soldaten der malischen Armee sind Zielscheiben.

Die Krise dehnt sich längst in Richtung Süden aus. Zwei Tage nach der Wahl wurde ein Armeekonvoi bei Segou überfallen, nur gut 200 Kilometer von Bamako entfernt. Vier Soldaten und acht Angreifer starben. Stärker betroffen ist die Region um Mopti und Sevare, wo Ende Juni das Hauptquartier der G5 Sahel angegriffen wurde, einer im Aufbau befindlichen Einheit der Sahel-Staaten. Dort starben sechs Menschen.

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Zusätzlich wachsen ethnische Spannungen, vor allem zwischen den Dogon – sesshaften Bauern – und den Fulani, die Viehzüchter sind. Aktiv ist dort auch der radikale Prediger Amadou Koufa, der 2015 die Befreiungsfront von Macina (FLM) gründete und Fulani ist. Er hat gute Kontakte zu Iyad Ag Ghaly, Gründer der Bewegung Ansar Dine (Verfechter des Glaubens), die 2012 Timbuktu besetzte. Die Konflikte haben sich längst vermischt.

Hauptaufgabe von Keïta – der zuvor 2002 und 2007 erfolglos als Präsidentschaftskandidat angetreten war – wird bleiben, beide Regionen zu stabilisieren. Zentralmali kommt eine besondere Bedeutung zu, weil es die Achse in den Norden ist und das Nigerbecken als fruchtbar gilt. Für einen Staat, in dem die Landwirtschaft mehr als 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmacht, ein entscheidender Faktor.

Bei einem Bevölkerungswachstum von mehr drei Prozent gilt es auch, die Infrastruktur auszubauen und vor allem für junge Menschen – zwei Drittel der Einwohner sind jünger als 25 Jahre – Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen. Es fehlt an Krankenhäusern, Schulen und Stromversorgung im ländlichen Raum. Die Hauptverkehrsstraße ins Nachbarland Senegal ist beispielsweise eine einzige Schlaglochpiste, was den Handel bremst.

Mali liegt im UN-Entwicklungsindex unverändert auf Platz 175 von 188. Nach Einschätzung der Afrikanischen Entwicklungsbank mit Sitz in Abidjan sinkt das Bruttoinlandsprodukt seit 2015 wieder. Grund dafür sind auch mangelnde Regenfälle und die damit verbundene Nahrungskrise im Sahel. Mitte Juli hat die EU Mali bereits 35 Millionen Euro humanitäre Hilfe zugesagt.

Letztlich wird von Keïta erwartet, die zerstrittene politische Klasse zu einen. Die Anhänger von Oppositionskandidat Soumaïla Cissé werfen der Regierung Manipulation vor und kündigten an, dass Wahlergebnis nur teilweise zu akzeptieren. Nach dem ersten Wahlgang war lange nicht klar, ob Cissé, mit dem Keïta noch in den 90er Jahren gemeinsam in der Regierung von Alpha Oumar Konaré saß, den zweiten möglicherweise boykottieren würde.

Das galt auch für die 18 Millionen Wähler. Keïta holte zwar im ersten Wahlgang mit 41,7 Prozent eine deutliche Mehrheit. Doch die Wahlbeteiligung lag bei gerade mal 42,7 Prozent. Von mehr als acht Millionen eingeschriebenen Wählern stimmen also lediglich knapp 17 Prozent für ihn. Vor fünf Jahren erzielte Keïta in der Stichwahl noch mehr als 77 Prozent.