Mali vor der Stichwahl

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  • Mali - 08.08.2018

Am Sonntag stehen Amtsinhaber Ibrahim Boubacar Keïta und Oppositionsführer Soumaila Cisse in der Stichwahl um das Präsidentenamt in Mali. Das Ergebnis könnten auch islamische Geistliche beeinflussen.

Am Sonntag sind gut acht Millionen Malier erneut aufgefordert, einen Präsidenten zu wählen. Amtsinhaber Ibrahim Boubacar Keïta (73) war zuvor mit großem Vorsprung in die Stichwahl eingezogen. Er holte offiziellen Ergebnissen zufolge 41,4 Prozent der Stimmen, verfehlte damit aber die absolute Mehrheit. Sein Herausforderer heißt wie schon 2013 Soumaila Cisse (68); er kam auf 17,8 Prozent.

Cisse und 17 weitere Oppositionskandidaten zweifelten das Ergebnis mehrfach an. Er sagte noch am Dienstagabend während eines öffentlichen Protestauftritts, man werde die „Diktatur der Wahlfälschung“ nicht akzeptieren.

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Einen nicht zu unterschätzenden Einfluss haben die religiösen Meinungsführer, die Imame und Vorsitzenden von islamischen Organisationen. 95 Prozent der 18 Millionen Einwohner Malis bekennen sich zum Islam; Christen sind mit nicht mal drei Prozent eine kleine Minderheit. In Mali wie in zahlreichen anderen westafrikanischen Ländern ist es bei Präsidentschaftskandidaten üblich, vor der Wahl mit Religionsvertretern zu sprechen und um Unterstützung zu bitten.

Öffentlich für einen Kandidaten ausgesprochen hat sich etwa Mohamed Ould Bouye Haidara, besser bekannt als Cherif de Nioro. Er ist traditioneller und religiöser Führer in der Region Kayes im Nordwesten Malis und stellte sich vor der Wahl Ende Juli klar hinter den Kandidaten Aliou Diallo. Diallo, Generaldirektor des Bergbauunternehmens Wassoul'or, das im Süden Malis eine Goldmine betreibt, verfehlte mit acht Prozent den Einzug in die Stichwahl. Die Unterstützung des Cherifs de Nioro könnte nun auf Cisse übergehen – und damit bei der Opposition bleiben. Cisse postete am Montagabend überraschend ein gemeinsames Foto auf Twitter.

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So offen positionieren sich andere Imame bei dieser Wahl nicht. Mahmoud Dicko, seit 2008 Präsident des Islamischen Rates in Mali und nach Einschätzung der Zeitschrift „JeuneAfrique“ einer der 50 einflussreichsten Afrikaner, gibt seit Wochen keine Interviews mehr. Cherif Ousmane Madani Haidara, spiritueller Führer der Gemeinschaft Ansar Dine – sie hat nichts mit der gleichnamigen Terrorgruppe zu tun – sprach sich laut malischen Medienberichten für Neutralität aus. Ausgerechnet ihm hatte Präsident Keita noch im Dezember während der Maulid-Feier, dem Geburtstag des Propheten Mohammed, 150 Hektar Grund zum Geschenk gemacht. Dies wurde in Mali als Wahlkampfauftakt gewertet.

Sich für Politiker auszusprechen, findet Lamine Diarra nicht verwerflich. Er ist Imam der Moschee Mariam Plateau-Süd in der Stadt Kayes. „Wenn sich die Imame beraten und einen Kandidaten für geeignet halten, können sie sich auch für ihn aussprechen. Dagegen hat der Islam nichts einzuwenden.“ Allerdings schränkt er ein: „Unsere erste Aufgabe ist es, die Menschen auf die Wahlen aufmerksam zu machen und sie zum Wählen zu animieren. Wichtig ist auch, dass sie das Ergebnis ohne Gewalt akzeptieren.“

Malis katholische Kirchenleitung vertritt eine andere Haltung. Die malische Caritas schulte im Vorfeld eigenen Angaben zufolge mehr als 500 Wahlbeobachter, die im ganzen Land unterwegs sind. In der Hauptstadt Bamako fallen immer wieder Caritas-Banner auf mit dem Spruch: „Ich wähle für den Frieden.“

Theodore Togo, Generalsekretär der Caritas Mali, verweist auf den jüngsten Hirtenbrief der Bischöfe. Darin heißt es, dass „Frieden, Entwicklung und friedliches Miteinander entscheidend“ für den Fortschritt Malis seien. Eine Kandidatenempfehlung ist für ihn aber undenkbar. „Die Bischöfe sind sehr deutlich. Sie wählen für Mali und den Frieden, aber nicht einen bestimmten Kandidaten.“

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