Das Ökumenische Netzwerk Klimagerechtigkeit stellt sich vor

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  • Klimawandel - 07.08.2018

Ausgetrocknete Flüsse, gelbe Gräser, Bäume, die bereits ihre Blätter abwerfen. Der Klimawandel wird dieser Tage auch bei uns in Deutschland offensichtlich. Dabei sind die Länder des Südens noch stärker von den Folgen der Erderwärmung betroffen. Für mehr Klimagerechtigkeit setzt sich seit April ein neues ökumenisches Netzwerk aus Protestanten und Katholiken ein. Worum es dabei geht, erklärt uns die Koordinatorin des Netzwerks, Monika Maria Schell, im Interview.

Frage: Frau Schell, was motiviert Sie zur neuen Aufgabe als Koordinatorin des Ökumenischen Netzwerks Klimagerechtigkeit (ÖNK)?

Schell: Für mich ist das Thema Klimagerechtigkeit bereits seit meiner Jugend, die ich im kirchlichen Umfeld verbracht habe, ein zentrales Anliegen. Ich empfinde es als ungerecht, dass durch unseren Lebensstil viel CO2 in die Atmosphäre ausgestoßen wird und die Auswirkungen vor allem im globalen Süden zu spüren sind. Es motiviert mich, dieses Thema innerhalb der Kirchen voranzubringen – vor allem in der Ökumene. In Deutschland leben ca. 23,8 Millionen Katholiken und 22,2 Millionen Protestanten, das macht mehr als die Hälfte der rund 80 Millionen Einwohner aus. Wenn wir allein Protestanten und Katholiken bei diesem Thema vernetzen, haben wir eine größere Stärke, diesem Thema begegnen zu können.

Frage: Ist es auch das Ziel, mittels des Netzwerks die beiden Kirchen dazu zu bewegen, geschlossener aufzutreten?

Schell: Bei liturgischen und theologischen Grundsatzfragen gibt es bestimmt einige Unterschiede, aber im Einsatz für die Klimagerechtigkeit sind sich die großen Kirchen in Deutschland einig. Im Ökumenischen Netzwerk Klimagerechtigkeit sollen gute Initiativen und aktive Organisationen miteinander vernetzt werden. Wenn sich davon auch Amtsträgerinnen und Amtsträger mitreißen lassen, hilft das auch in der politischen Arbeit.

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Frage: Was genau war die Initialzündung für den Start dieses Ökumenischen Klimanetzwerks?

Schell: Das Netzwerk hatte einen recht langen Vorlauf. Im Rahmen der Klima-Allianz haben sich kirchliche Mitglieder zur Entwicklungspolitischen Plattform der Kirchen zusammengeschlossen. Damals ging es vor allem um Meinungsbildung, Weiterbildung und erste gemeinsame Initiativen. Von dieser Plattform wurde dann der erste Ökumenische Pilgerweg für Klimagerechtigkeit zum Klimagipfel nach Paris initiiert und bei diesem Projekt ist es gelungen, die ökumenische Zusammenarbeit entlang der ganzen Strecke zu vertiefen. Das sollte auf jeden Fall weitergehen! In der Entwicklungspolitischen Plattform waren zudem nur wenige katholische Akteure vertreten. Die Gründung des neuen Netzwerks bietet Organisationen und Institutionen beider Kirchen die Chance, sich gleichberechtigt mit einzubringen und gemeinsam voranzugehen.

Frage: Können Sie schon zentrale Forderungen nennen, die von dem Netzwerk eingebracht werden?

Schell: Zentrale Forderungen sollen dann gemeinsam von den Mitgliedern erarbeitet werden. Ein Schwerpunkt des Ökumenischen Netzwerks Klimagerechtigkeit ist die Zusammenführung von Gerechtigkeits- und Umweltfragen. Noch immer werden diese beiden Bereiche im kirchlichen Bereich separat bearbeitet. Ein wichtiges Ziel des Netzwerks ist es, eine Brücke zu schlagen zwischen der kirchlichen Eine-Welt-Arbeit und der Umweltarbeit.

Die Koordinatorin des Ökumenischen Netzwerks Klimagerechtigkeit, Monika Maria Schell.

Sabine Mittermeier

Frage: Wo muss die Kirche da noch weiterdenken?

Schell: Wichtig sind eine ökumenische Vernetzung und eine Verankerung des Themas Klimagerechtigkeit in den Organisationen. Ziel muss es sein, dass in wenigen Jahren Klimagerechtigkeit in vielen Gemeinden, Diözesen, Landeskirechen und Verbänden ein wichtiges Thema ist. Wir fangen jetzt damit an, mit den ersten Mitgliedsorganisationen gemeinsame Maßnahmen zu planen.

Frage: In einzelnen Diözesen gibt es ja auch schon Umweltbeauftragte.

Schell: Ja, die Umweltbeauftragten sind auch im Trägerkreis des Netzwerks vertreten. Es ist wichtig, sie und ihre Aufgaben mitzudenken. Die Umweltarbeit von Kirchen hat immer auch eine internationale Dimension, eine Gerechtigkeitsdimension. Das sollte sich auch im Auftrag von Umweltbeauftragten widerspiegeln.

Frage: Warum war die Gründung dieses Ökumenischen Netzwerks in Ihren Augen aktuell so wichtig?

Schell: Wie Professor Hans Joachim Schellnhuber vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung sagt: „Wir müssen das Klimaproblem lösen, alle anderen Probleme sind zweitrangig.“ In den Kirchen gibt es dazu so viele Ideen. Es macht Sinn, sich über diese Plattform zu vernetzen und zu zeigen, wir haben dieses Angebot in dieser Pfarrei oder jenem Bistum. Erstens überzeugt man damit mehr Menschen von einem bewussten Umgang mit dem Thema und kann zugleich sehen, was die anderen machen und was man davon übernehmen kann. Man muss das Rad ja nicht immer neu erfinden. Der Mehrwert des Netzwerks besteht darin, zu kommunizieren, was und wie viel schon läuft im Bereich Klimagerechtigkeit. Kirche macht da ja schon ganz viel und kann Vorreiterin für die Gesamtgesellschaft sein.

Das Interview führte Claudia Zeisel

© weltkirche.katholisch.de

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