Schläger in Nicaragua greifen Bischöfe an

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  • Nicaragua - 10.07.2018

In Nicaragua haben regierungsnahe Milizen Managuas Weihbischof angegriffen und verletzt. Selbst ein Kardinal und der Nuntius wurden attackiert. Menschenrechtler prangern das Vorgehen der sandinistischen Regierung an.

In Nicaragua haben regierungsnahe Schläger Managuas Weihbischof Silvio Baez bei einem Angriff auf die Basilika San Sebastian in Diriamba leicht verletzt. Damit haben die schweren Unruhen, die das mittelamerikanische Land seit drei Monaten erschüttern, am Montag eine neue Eskalationsstufe erreicht. Baez teilte auf seinem Twitter-Account mit, er sei geschlagen und bedroht worden, zudem seien ihm die bischöflichen Insignien entrissen worden.

Wenig später zeigte Baez Fotos, die ihn mit blutverschmierter Kleidung zeigen. „Das ist nichts im Vergleich zu dem, was das Volk durchmachen muss“, sagte Baez später laut Medienberichten. Zuletzt hatte die Menschenrechtskommission der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) Schutzmaßnahmen für Baez gefordert, der via Twitter kontinuierlich über Menschenrechtsverletzungen der Regierung berichtet.

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Wie die Erzdiözese Managua in einer Stellungnahme mitteilte, befanden sich unter den attackierten Kirchenvertretern auch Kardinal Leopoldo Brenes und Nuntius Waldemar Sonntag. Sie blieben unverletzt. Bei dem Angriff wurde auch ein Fotograf der Tageszeitung „La Prensa“ und ein Kameramann attackiert. Ihre Ausrüstung wurde zerstört, ein Journalist des Portals „100% Noticias“ wurde verprügelt.

Nach Kirchenangaben befand sich die Delegation in der Region, um nach neuerlichen Angriffen paramilitärischer Banden den Opfern Beistand zu leisten. Die lokale Menschenrechtsorganisation ANPDH berichtet, dass bei den Attacken regierungsnaher Gewalttäter am Wochenende allein neun Menschen ums Leben gekommen sein sollen. Zudem wollten die Bischöfe die Freilassung einer Gruppe von rund zehn Demonstranten erreichen, die in der Basilika Zuflucht gesucht hatten.

Wie die regierungskritische Tageszeitung „La Prensa“ berichtet, verurteilte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) die Attacke: „Nachdem Ortega die Bevölkerung mit Entführungen, Folter und Morden terrorisiert, führt er seine Banden gegen jene, die den Opfern bestehen“, schrieb HRW-Lateinamerika-Direktor Jose Miguel Vicano. Die OAS müsse gegen den Zynismus Ortegas, der zum Dialog aufrufe und die vermittelnden Bischöfe angreife, handeln.

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Auch Amnesty International verurteilte die jüngsten Gewaltausbrüche scharf. „Die Botschaft, die die nicaraguanischen Behörden aussenden, ist die, dass sie bereit sind, jedwedes Mittel anzuwenden, um die Stimmen zum Schweigen zu bringen, die gegen diese Welle der Unterdrückung demonstrieren“, sagte Erika Guevara Rosas, Amerika-Direktorin von Amnesty.

In den sozialen Netzwerken tauchten am Montag ebenfalls Bilder von einer Gruppe regierungsnaher Schlägerbanden auf, die eine Pfarrei stürmten und die Kirche verwüsteten. „Kirche – Terroristen“, riefen einige der Angreifer. Der regierungsnahe Sender Viva Nicaragua berichtete, Grund für den Angriff sei gewesen, dass die Kirche Medikamente aus staatlichen Stellen gestohlen habe – was schwer belegbar sein dürfte.

Seit Wochen gibt es in Nicaragua Massenproteste gegen die sandinistische Regierung Daniel Ortegas. Die Gegner fordern seinen sofortigen Rücktritt und werfen der Regierung systematische Gewalt gegen Demonstranten vor. Die Proteste hatten sich an einer Rentenreform sowie der Unterdrückung der Meinungsfreiheit entzündet.

Ortega macht die Protestbewegung für die Gewalt verantwortlich und lehnt einen Rücktritt ab. Bislang kamen nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen mehr als 320 Menschen bei den Protesten ums Leben. Die interamerikanische Menschenrechtskommission erhob zuletzt schwere Vorwürfe gegen die Regierung und warf Ortega den gezielten Einsatz des Machtapparats zur Unterdrückung der Proteste vor.

Die Kirche versuchte im Rahmen eines „Nationalen Dialogs“ zwischen den beiden Lagern zu vermitteln. Der Dialog wurde allerdings mehrmals unterbrochen. Kirchenvertreter hatten Demonstranten in den Gotteshäusern Rückzugsräume geboten – und erhielten daraufhin Morddrohungen. Den Vorschlag der Bischöfe, die innenpolitische Krise mit vorgezogenen Neuwahlen zu lösen, lehnt Ortega bislang ab.