Peru bekommt einen zweiten Kardinal

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  • Vatikan - 25.06.2018

Papst Franziskus nimmt einen seiner Ordensbrüder aus Peru ins Kardinalskollegium auf. Rückendeckung für eine Kirche der Gerechtigkeit und Solidarität. Und auch ein später Ritterschlag für die Befreiungstheologie.

Der Jesuit Pedro Barreto, Erzbischof im peruanischen Huancayo, ist einer der 14 neuen Kardinäle, denen Papst Franziskus am Donnerstag im Vatikan den Purpur verleihen wird. In Peru ist Barreto für seinen Einsatz zur Bewahrung der Umwelt bekannt.

Wenn es einen Moment der ökologischen Umkehr im Leben von Pedro Barreto gibt, dann war es ein Tag im Dezember 2004, als ihn eine Frau in den Straßen von La Oroya unter Tränen ansprach: „Herr Bischof, ich habe 50 Milligramm Blei im Blut, meine Kinder auch. Aber ich möchte nicht, dass meine Enkelkinder auch so enden.“

Wenige Wochen vorher war der Jesuit von Papst Johannes Paul II. (1978-2005) zum Erzbischof der Andenstadt Huancayo ernannt worden. Zu dem Bistum gehört auch die Minenstadt La Oroya auf 3.750 Metern Höhe: „Man musste kein Wissenschaftler sein, um zu erkennen, dass der beißende Geruch der Schmelzöfen und die kahlen, verätzten Berge keine Anzeichen einer gesunden Umwelt waren“, erinnert sich Pedro Barreto 14 Jahre später.

Erzbischof Barreto - Laudato si' als Ansporn

Pedro Barreto SJ, Erzbischof von Huancayo in Peru, setzt sich in seiner Heimat für die Amazonas-Völker ein.

Claudia Zeisel

Die Ansprache der unbekannten Frau sei für ihn ein Anruf Gottes gewesen, tätig zu werden. Er berief einen Runden Tisch zur Lösung der Umweltproblematik ein und veranlasste eine unabhängige Untersuchung der Kinder in La Oroya. 99 Prozent der Kinder wiesen eine zu hohe Bleikonzentration im Blut auf.

Das Engagement der Kirche für die Umwelt in La Oroya stieß auf Widerstand des Minenunternehmens aus den USA. Es schickte seine Arbeiter vor, unter dem Vorwand, eine umweltgerechte Aufrüstung gefährde Arbeitsplätze. Auf dem Höhepunkt des Konflikts trugen die Arbeiter einen Sarg mit der Aufschrift „Pedro Barreto“ durch die Fabrikanlagen. „Aber ich bin immer noch quicklebendig“, kommentiert der künftige Kardinal die Morddrohung von damals.

2012 stellte das Unternehmen seine gesundheitsgefährdende Tätigkeit in La Oroya ein – auch ein Verdienst des langjährigen Kampfes der Kirche. Als Herausforderungen bleiben aber nach wie vor die Schaffung von Arbeitsplätzen in der Region und die Sanierung von Altlasten.

Die Konkurrenz zwischen Bergbau und Landwirtschaft in Peru ist in der Erzdiözese Huancayo besonders deutlich. Von dort kommen nicht nur viele Erze für den Export. Das Tal des Mantaro-Flusses liefert auch das Gemüse für die Zehn-Millionen-Hauptstadt Lima. „Das Wasser des Mantaro-Flusses ist in großem Ausmaß kontaminiert durch den Bergbau“, sagt Erzbischof Barreto. Auch die Agrarprodukte seien daher gefährdet.

Er verweist auf eine Studie, die das deutsche bischöfliche Hilfswerk Misereor in Auftrag gegeben hat. Das Seminar für ländliche Entwicklung der Humboldt-Universität Berlin erhebt darin die Kosten durch die Folgen der Umweltbelastung aus dem Bergbau im Mantaro-Tal und in der nördlichen Anden-Region Cajamarca und stellt sie dem Potenzial der Landwirtschaft gegenüber.

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Das Ergebnis: Die tatsächlichen Folgekosten des Bergbaus relativieren die eigentlich hohe Rentabilität stark. Alle müssten daran arbeiten, dass der Bergbau umweltverträglicher werde und dass wirtschaftliche Alternativen zum Bergbau gefördert werden, kommentiert der künftige Kardinal.

Mit seinem Einsatz für Umweltgerechtigkeit stellt sich Erzbischof Barreto oft in Opposition zum Erzbischof von Lima und Perus bis dato einzigem Kardinal, Jose Luis Cipriani (74). Dass Papst Franziskus nun mit Barreto erstmals einen zweiten Kardinal im Land ernannt hat, darf man als klare Rückendeckung für eine Kirche werten, die sich für Gerechtigkeit und Solidarität einsetzt. Und in gewissem Maß auch als späten Ritterschlag für die Befreiungstheologie, deren peruanischer Mitbegründer Gustavo Gutierrez vor wenigen Tagen in Lima seinen 90. Geburtstag feierte. Barreto war Konzelebrant eines Festgottesdienstes, und Franziskus schickte eine Grußbotschaft.

Barreto ist nicht mehr wirklich jung. Der 74-Jährige hofft inständig, dass ihn nicht mehr die Aufgabe trifft, einst einen neuen Papst wählen zu müssen. Kardinäle verlieren mit 80 Jahren ihr Stimmrecht im Konklave. Stattdessen will er Franziskus beistehen, „den von ihm eingeschlagenen Weg zu festigen“.

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