Adveniat: Wahl in Kolumbien entscheidend für Frieden

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  • Kolumbien - 15.06.2018

Die Stichwahl in Kolumbien am kommenden Sonntag ist nach Einschätzung des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat entscheidend für die Zukunft des Friedensabkommens. Während sich Gustavo Petro von der Bewegung Progresistas/Colombia Humana als ehemaliger Guerillero des Movimiento 19 de Abril klar für die Fortsetzung des Friedensabkommens ausspreche, habe sein Gegenkandidat Iván Duque von der Partei Centro Democrático angekündigt, das Abkommen „in der Luft zu zerreißen“.

„Allerdings gab es auch versöhnliche Töne von ihm“, betonte die Kolumbien-Referentin des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat, Monika Lauer Perez. Duques Kandidatin für das Amt der Vizepräsidentin habe sogar angekündigt, den Vertrag nicht zu verändern.

Immerhin sei die Stichwahl ein Fortschritt für die Demokratie in Kolumbien, so Lauer Perez. „Die Kolumbianer haben zum ersten Mal eine echte Wahl zwischen zwei klar voneinander unterschiedenen politischen Positionen.“ Das sei „sensationell“.

Kolumbien - 11.05.2018

Die Umsetzung des Friedensprozesses in Kolumbien wird nach den Worten von Staatspräsident Juan Manuel Santos noch viele Jahre dauern. Dies gelte insbesondere für die Entschädigung der 8,5 Millionen registrierten Opfer des jahrzehntelangen Bürgerkriegs.


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„Es stehen sich nicht wie in der Vergangenheit zu oft einige Kandidaten der politischen Elite gegenüber, die sich nur in Nuancen voneinander unterscheiden“, betonte die Adveniat-Expertin. Obwohl die Mehrheit der unterlegenen Kandidaten ihren Wählern empfohlen habe, für Iván Duque zu stimmen, stehe das Ergebnis nicht fest. „Da seit 2017 mehr als 150 Menschenrechtsaktivisten im Land ermordet worden sind, engagieren sich gerade auch Nichtregierungsorganisationen sehr stark im Wahlkampf“, so Monika Lauer Perez.

Auch die indigenen Völker Kolumbiens meldeten sich in bislang nicht gekannter Weise zu Wort. Für die Adveniat-Referentin steht fest: „Die Indigenen befürchten, dass eine wirtschaftsfreundliche Regierung internationalen Firmen erlaubt, in ihren Territorien Bodenschätze abzubauen und landwirtschaftliche Produkte im industriellen Stil für den internationalen Markt anzubauen. Auch die Indigenen empfinden die Wahl als eine für sie existentielle Richtungsentscheidung.“

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