„Menschlich wünsche ich dem Gastgeber alles Gute“

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  • Fußball-WM - 14.06.2018

Der Sachse Clemens Pickel (56) leitet seit gut einem Jahr Russlands katholische Bischofskonferenz. Im Interview warnt der Bischof aus Saratow im Südwesten Russlands vor einer Instrumentalisierung der Fußball-Weltmeisterschaft. Wenn ihn kein Fan dazu überrede, werde er kaum zwei Halbzeiten lang vor dem Fernseher aushalten.

Frage: Herr Bischof, momentan leiten Sie in Krasnodar einen Exerzitienkurs ganz in der Nähe des Quartiers der spanischen Nationalmannschaft. Werfen Sie da mal einen Blick auf den Mitfavoriten der WM?

Pickel: Nein. Aber ich habe unsere Leute hier gefragt, die einen haben gehört, dass man die Spieler angeblich beim Training sehen kann, andere meinen, da sei kein Rankommen.

Frage: Welche Chancen geben Sie dem russischen Team?

Pickel: Ich bin kein Kenner der Branche. Menschlich wünsche ich dem Gastgeber alles Gute.

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Frage: Wer ist Ihr Favorit für den Weltmeister-Titel?

Pickel: Island. Nein, fragen Sie mich so etwas besser nicht. Die Hälfte meiner Priester stammt aus Polen. Vielleicht sollte ich das berücksichtigen?

Frage: Was erhoffen Sie sich von der WM?

Pickel: Gestern habe ich in einem Interview mit einem einfachen russischen Passanten die schöne Antwort gehört: „Die Welt soll sehen, dass auch wir ganz normale Menschen sind.“ Anders gesagt: Begegnungen in einer nicht einfachen Zeit.

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Frage: Sollte Bundeskanzlerin Angela Merkel Ihrer Meinung nach ein WM-Spiel besuchen? Unter anderem wegen der russischen Annexion der Krim und dem Konflikt um die Ostukraine wünschen sich einige einen WM-Boykott.

Pickel: Es bringt nichts Gutes, wenn man Sport politisch instrumentalisiert.

Frage: Wie verfolgen Sie das Turnier?

Pickel: Mal sehen. Ich bin viel unterwegs in der nächsten Zeit, auch da, wo gespielt wird. Sechs der zwölf WM-Stadien befinden sich in meinem Bistum. Aber wenn mich kein Fan dazu überredet, werde ich es kaum zwei Halbzeiten lang vor dem Fernseher aushalten.

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