Amazonas-Synode über Umwelt und Indigenen-Rechte

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  • Vatikan - 11.06.2018

Die Umweltschäden durch Raubbau im Amazonasgebiet und deren soziale Folgen stehen im Mittelpunkt einer von Papst Franziskus einberufenen Bischofssynode. Das geht aus dem am Freitag im Vatikan veröffentlichten Vorbereitungsdokument hervor.

Weiter erörtern die Synodenteilnehmer eine Stärkung der indigenen Bevölkerung, Ämter für Frauen in der Kirche und neue Wege, um einen Zugang der Gläubigen zur Messfeier sicherzustellen. Eine Zulassung verheirateter Männer zum Priesteramt, wie sie im Vorfeld auch von einzelnen Bischöfen ins Spiel gebracht wurde, wird in dem Papier nicht erwähnt.

Das rund 16-seitige Dokument beklagt eine vom Menschen verursachte „schwere Krise“ im Amazonasgebiet mit ökologischen Folgen für den ganzen Planeten. Eine unverhältnismäßig gewachsene Landwirtschaft, Bergbau und Abholzung schädigten den ökologischen Reichtum der Region und hätten negative soziale und kulturelle Folgen. Vor allem nennt das Papier die Ausbeutung von Indigenen, auch durch Menschenhandel und Prostitution. Zudem zerstöre ein als Fortschritt verbrämter „ungezähmter Neokolonialismus“ die Identität der angestammten Kulturen.

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In diesem Dossier werden die Glaubens- und Lebenswelt ausgewählter indigener Völker vorgestellt.


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Besonderes Gewicht will die Synode auf die Situation der rund 390 indigenen Völker Amazoniens legen. Es gelte, das „Recht auf Entwicklung, einschließlich der sozialen und kulturellen Entwicklung“, mit dem Schutz der Identität der angestammten Bewohner und ihrer Gebiete zu verbinden. Themen sollen allgemein auch Ungerechtigkeit, Armut, Ungleichheit, Gewalt, Drogenhandel und Diskriminierung von Migranten und Indigenen sein. Von den Beratungen über Amazonien, ein Gebiet von siebeneinhalb Millionen Quadratkilometern in neun Ländern, erhofft sich der Vatikan Impulse für die gesamte katholische Kirche und die Weltgemeinschaft.

Ein eigenes Augenmerk richtet das Vorbereitungspapier auf Frauen und ihre Gestaltung des gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, religiösen und politischen Wandels. Angesichts ihrer „zentralen Rolle“ im Leben der Kirche müsse sich die Synode mit der Frage befassen, „welche Art von offiziellem Amt der Frau übertragen werden kann“. Es brauche auch „neue Wege, damit das Volk Gottes einen besseren und häufigeren Zugang zur Eucharistie haben kann“. Die Bischöfe werden dazu ausdrücklich um Vorschläge gebeten, welche „Dienste und Ämter mit amazonischem Profil“ geschaffen werden müssten.

Die für Oktober 2019 geplante Bischofssynode trägt den Titel „Amazonien – neue Wege für die Kirche und eine ganzheitliche Ökologie“. Das Gebiet Amazonien entspricht etwa dem Einzugsgebiet des Amazonas-Flusses in den Staaten Brasilien, Peru, Venezuela, Bolivien und Kolumbien. Es bedeckt fast die gesamte nördliche Hälfte des Kontinents Südamerika und zählt zu den wichtigsten Ökosystemen der Welt.

Der Projektabteilungsleiter des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat, Thomas Wieland, kommentierte das Vatikanpapier mit den Worten: „Die Kirche muss sich ändern. Und die Kirche wird sich ändern.“ Es gehe nicht „um ein bisschen Umweltschutz und ein paar kosmetische Veränderungen“. Die Amazonas-Synode bedeute „nicht weniger als einen Kulturwandel in der Kirche“, so der Adveniat-Experte für das Amazonasgebiet. Die Hauptperson der Synode sei die Gruppe der indigenen Völker. Ihre Kultur zu bewahren sei genauso wichtig wie die Bewahrung des Ökosystems. Adveniat fördert nach eigenen Angaben im Amazonasgebiet Projekte an der Basis mit rund drei Millionen Euro.

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