Koptisches Kloster in Höxter feiert 25-Jahr-Jubiläum

  • Bedrängte Christen - 01.06.2018

Mit wehendem Gewand stapft der Bischof über die Klosterwiese. Seine Hand deutet auf eine Stelle des weitläufigen Geländes, beschreibt einen Kreis: „Hier hätte ich gerne einen Fischteich!“ Zwischen den Obstbäumen auf der Wiese vor dem Kloster sollen zudem bald Tiere grasen: Schafe vielleicht, oder doch lieber Alpakas? Normalerweise ist die Antwort für einen Bischof klar: Als oberster Hirte ist er natürlich eher für Schäfchen zuständig als für südamerikanische Kamele. Für Anba Damian stellt sich die Frage durchaus.

 

Der Bischof, Gesicht der 12.000 Kopten in Deutschland und Leiter ihres norddeutschen Bistums, ist nicht nur geistlich für sein Kloster in Höxter-Brenkhausen zuständig, wo er mit einem Mitbruder lebt. Auch bei der Gestaltung des Geländes ist seine Verantwortung gefragt. Zwei Landschaftsarchitektinnen, Wissenschaftlerinnen der örtlichen Fachhochschule, unterstützen das Kloster beim Umbau der Außenanlage. Die Pläne zur Aufwertung des Areals kommen zur rechten Zeit: In diesem Jahr feiern die Kopten hier ein Jubiläum.

Anba Damian, Generalbischof der koptisch-orthodoxen Kirche in Deutschland, betet beim Gottesdienst im koptisch-orthodoxen Kloster in Höxter.

Andreas Kühlken/KNA

Seit 25 Jahren ist die Gemeinde im Kloster in Höxter aktiv. Das mittelalterliche Gebäude wurde über die Jahrhunderte von Ordensfrauen der Zisterzienser und Benediktiner bewohnt und bewirtschaftet. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde das Kloster säkularisiert. Mittlerweile im Besitz des Landes Nordrhein-Westfalen, wollte die Landesregierung den verfallenen, denkmalgeschützten Gebäudekomplex zu Beginn der 1990er-Jahre loswerden. Nach einigen Sondierungen war klar, wer den Zuschlag bekommen sollte: Die koptische Gemeinde kaufte drei stark sanierungsbedürftige Flügel des Klosters am 22. Dezember 1993 für den symbolischen Preis von einer Deutschen Mark.

Der vierte Flügel des Klosters beheimatet die katholische Kirche der örtlichen Gemeinde – in guter Nachbarschaft. Auch deshalb muss ein wenig Wiese neben Fischteich und Alpaka-Weide frei bleiben: zum sonntäglichen Fußballspielen nach dem Gottesdienst. Dort treten nämlich nicht nur Kopten vor den Ball. Auch mit den Brenkhausenern ist das Kloster eng verbunden. „Das ist keine Toleranz, sondern echte Liebe“, schwärmt Anba Damian. Die Zuneigung zeigt sich auch ganz handfest: Dorfbewohner haben ehrenamtlich die Zufahrt des Klosters gepflastert – „sogar alte Männer saßen da auf Knien“, erinnert sich der 63-Jährige.

Auf der Wiese vor dem koptisch-orthodoxen Kloster in Höxter.

Andreas Kühlken/KNA

Auch dank der Mithilfe aus dem Ort hat sich in den vergangenen 25 Jahren in Brenkhausen einiges getan. Der Anfang war nicht leicht. „Wir hatten nichts“, erinnert sich Anba Damian. Kaum angekommen, mussten die Kopten nicht nur ihr Kloster renovieren, sondern dabei auch die strengen Auflagen der Denkmalschutzbehörde beachten. Die Gebäude waren unter anderem als Ställe genutzt worden und dementsprechend in schlechtem Zustand. Heute erinnern neben alten Fotos nur noch einige bewusst unrenovierte Stellen im Kloster daran, wie es dort früher einmal ausgesehen hat.

„Wir haben 95 Prozent der Arbeit selbst erledigt“, berichtet Anba Damian stolz. Aus Ägypten wurden eigens koptische Lehmbau-Experten eingeflogen. Der Lehmputz bekam dann einen Kalkanstrich – „mit Quark aus dem Supermarkt“, wie der Bischof erzählt. Türen, Wände, 140 selbstgeschreinerte Sprossenfenster, dazu Leitungen für Wasser, Gas und Strom – all das fehlte noch beim Einzug.

Als große Hilfe sollte sich wieder ein neuer Nachbar aus Brenkhausen erweisen: Der Tischlermeister Anton Beiner ging in den Ruhestand, als die Kopten die symbolische Mark überwiesen. Eine glückliche Fügung, denn der Handwerker hatte noch keine Lust, sein Werkzeug endgültig an den Nagel zu hängen. Beiner ist dem Kloster bis heute verbunden: „Gestern war er noch hier“, freut sich Anba Damian.

Der mittlerweile über 80-Jährige und die anderen Brenkhausener sind besonders herzlich eingeladen, wenn die koptische Gemeinde am Wochenende ihr Jubiläum feiert. Es ist nicht zu erwarten, dass danach auf dem Klostergelände Ruhe einkehrt: Der umtriebige Bischof Anba Damian hat immer neue Pläne für seine Gemeinde. Und erst einmal müssen ja noch die Schafe auf dem Gelände des Hirten einziehen – oder eben Alpakas.