Wer ermordete Kardinal Posadas?

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  • Mexiko - 24.05.2018

Bis heute sind die Umstände der Ermordung von Kardinal Juan Jesus Posadas Ocampo 1993 ungeklärt. Aber die Lebensgefahr für Priester in Mexiko ist heute so groß wie vor 25 Jahren.

Die Wahrheit kennen wohl nur die Mörder selbst. Und vielleicht Mexikos legendärer Drogenbaron Joaquin „El Chapo“ Guzman, der derzeit in den USA auf seinen Prozess wartet. „El Chapo“ ist eine Schlüsselfigur in dem Mordfall von 1993, der die mexikanische Kirche bis heute bewegt.

Am 24. Mai 1993 fährt Kardinal Juan Jesus Posadas Ocampo zum Internationalen Flughafen von Guadalajara. Dort will er eigentlich den päpstlichen Nuntius Girolamo Prigione abholen. Stattdessen gerät Posadas in einen Schusswechsel zweier rivalisierender Banden. Eine Theorie über den Mord ist, dass Rivalen von „El Chapo“ den Kardinal für den Drogenbaron halten, der sich verkleidet habe. Sie eröffnen das Feuer, um „El Chapo“ aus dem Weg zu räumen.

Auftragsmörder des Tijuana-Kartells sollen dahinter gesteckt haben. Später kommt es zu einem Geheimtreffen zwischen Nuntius Prigione und den Brüdern Ramon und Benjamin Arellano Felix, die zur Führungsriege des Kartells zählen. Sie sollen gegenüber Prigione die Verwechslungstheorie gestützt haben.

Kardinal Juan Jesus Posadas Ocampo, Erzbischof von Guadalajara, im Vatikan.

Romano Siciliani/KNA

Eine andere Version lautet: Der Kardinal sei Opfer eines gezielten Mordanschlages geworden. Das erklärte Jahre nach dem Anschlag Posadas Nachfolger als Erzbischof von Guadalajara, Kardinal Juan Sandoval Iniguez. Die ersten Schüsse seien gezielt auf Posadas Wagen abgegeben worden; die weitere Schießerei habe der Schaffung von Verwirrung gedient. Es sei für die Auftragsmörder leicht gewesen, den Kardinal zu identifizieren und eben nicht zu verwechseln, so Sandoval.

Insgesamt starben bei dem Blutbad sechs weitere Menschen. Posadas habe Informationen über die Verwicklung hochrangiger mexikanischer Spitzenpolitiker gehabt und sei daher aus dem Weg geräumt worden, behauptete später der legendäre Zapatistenführer „Marcos“. Es habe Anweisungen aus der mexikanischen Politik gegeben, die Umstände des Mordes zu verdrehen.

Bis heute ist der Mord nicht aufgeklärt. Auch bei den Behörden gab es unterschiedliche Auffassungen. Die Generalstaatsanwaltschaft blieb bei der These, dass der Erzbischof von Guadalajara Opfer einer Verwechslung im Zusammenhang mit Bandenkämpfen von Drogenkartellen geworden sei. Es gebe keinerlei Hinweise auf eine Verschwörung.

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Die Behörden des Bundesstaates Jalisco, die in erster Linie für die Aufklärung der Tat zuständig sind, sprachen dagegen von einem direkten Mordanschlag. Aus nächster Nähe seien 14 Schüsse auf den Wagen des Kardinals abgegeben worden. Andere mexikanische Bischöfe wiesen diese These zurück – und sprachen ebenfalls von einer Verwechslung.

Unterdessen bleibt die Lebensgefahr für Priester in Mexiko so akut wie 1993. Es zählt zu den gefährlichsten Ländern für Priester weltweit. Seit 2012 sind 23 Morde an Priestern und Kirchenvertretern dokumentiert. Viele von ihnen sind Opfer des organisierten Verbrechens.

Auch im aktuellen Wahlkampf kocht das Thema indirekt wieder hoch: Es geht darum, ob Kirchenvertreter mit Repräsentanten der Drogenmafia sprechen sollen, um humanitäre Lösungen für ein Ende des Drogenkriegs zu führen. Die Fragen um den Mord von 1993 sind geblieben, die Gewalt auch.

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