Schick: Frage nach Islam-Zugehörigkeit bringt nichts

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  • Interreligiöser Dialog - 11.05.2018

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick lehnt die Frage „Gehört der Islam zu Deutschland?“ ab. „Solche Fragen bringen nichts und schaden eher“, sagte Schick am Freitag beim Katholikentag in Münster. Besser seien Fragen wie: „Was bestimmt eigentlich Deutschland und was soll es bestimmen?“. Schick erklärte, bei solchen Formulierungen fingen die Menschen an nachzudenken, etwa über die Verfassung und die Zehn Gebote, und dann würde ein Zukunftskonsens vielleicht möglich.

Schick äußerte sich bei einer Diskussion zum Thema Populismus. „Wir müssen darüber nachdenken, wie der Populismus zurückgefahren werden kann, wir müssen mehr miteinander sprechen.“ Der Erzbischof zitierte auch die Bibel: „'Hütet eure Zunge' steht da mehrfach drin.“ Man müsse erst das Gehirn einschalten und dann die Zunge bewegen.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) ergänzte, Stimmungsmache über das Internet sei in jede Richtung möglich. Wo Stimmung gemacht werde, solle man die eigene Stimme erheben. Dabei solle man nicht selbst populistisch werden, sondern mit Fakten dagegenhalten. „Das Internet ist nur ein Medium. Was wir mit dem Internet machen, ist unsere Sache.“

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Ähnlich äußerte sich Anetta Kahane, Vorsitzende der Amadeu-Antonio-Stiftung, die sich gegen Rechtsextremismus engagiert. Sie appellierte: „Ich bitte Sie alle, ins Netz zu gehen, damit da auch die zivile Gesellschaft vertreten ist und nicht nur die Idioten.“

Jörg Schönenborn, Moderator und Fernsehdirektor des Westdeutschen Rundfunks (WDR), fügte hinzu, Politiker, Journalisten und das auch Publikum liebten die Zuspitzung. „Seien wir ehrlich: Was erzählen wir selbst weiter? Zuzuspitzen, ein bisschen zu fantasieren, das ist menschlich.“ Jeder solle sich in Sachen Populismus an die eigene Nase fassen, zumal die Algorithmen der sozialen Netzwerke an diese menschliche Eigenheit anknüpften. „Wahrheit kann nie die Verdichtung auf einen Satz sein, sondern ist eine komplexe Diskussion.“ Populismus sei ein Wesenszug politischer Debatte – Verzerrung aber sei gefährlich.

Schönenborn warnte in diesem Zusammenhang vor „moralischer Überheblichkeit“ gegenüber bestimmten Sorgen, etwa vor unbegrenzter Zuwanderung. Dem entgegnete Kahane, es sei nicht überheblich, wenn man sich auf Demokratie, Grundgesetz und Menschenrechte beziehe.

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