Zuversicht nach Hurrikan Irma

  • Katastrophenhilfe - 07.05.2018

Das Motto der Insel, die durch Hurrikan Irma zerstört wurde, lautet: „Saint Martin will smile again“. Die Bewohner haben den Lebensmut nicht verloren. Der Wiederaufbau läuft, bald werden die Touristen zurückkehren.

Ein kleines Eiland in der Karibik: Saint Martin und Sint Maarten. Die offizielle Bezeichnung von St. Martin lautet „französisches Überseegebiet“. Sint Maarten dagegen gehört zum Königreich der Niederlande, ist aber autonom. Offiziell gibt es 90.000 Bewohner, die alle europäische Pässe haben. Entweder besitzen sie die holländische oder die französische Staatsbürgerschaft. Ein kleines Europa mitten im Atlantik. Beliebt bei Touristen aus aller Welt sind die 37 öffentlichen Strände, die pastellfarbenen Holzhäuschen und die freundlichen Bewohner, die jeden Fremden willkommen heißen.

Vor rund einem Dreivierteljahr ging in diesem Paradies die Welt unter: Am 6. September 2017 raste Hurrikan Irma über die Insel hinweg und hinterließ eine Spur der Verwüstung. Die Bewohner standen vor dem nichts. Acht Monate später ist der Wiederaufbau in vollem Gange, bald schon werden die Touristen, auf die die Insel angewiesen ist, da es weder Industrie noch eine ausgeprägte Landwirtschaft gibt, zurückkehren können.

Das schien zunächst unvorstellbar. „Ich hatte die Hölle vor Augen, als ich im Morgengrauen aus dem Fenster sah“, erinnert sich Stephen Wright an den Tag, als Irma kam. Dann krachte auch schon das Dach seines Hauses ein, eine Wand stürzte zusammen. Gemeinsam mit seiner Frau rannte er barfuß nach draußen. Seit 20 Jahren führt er das Grand Case Beach Hotel, aber einen Hurrikan wie diesen hat er noch nie erlebt. Er deutet auf sein zerstörtes Lebenswerkes. „Irma hat ganze Arbeit geleistet.“

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Durch Naturkatastrophen, kriegerische Konflikte oder Epidemien wie Ebola steigt die Zahl der Menschen, die auf humanitäre Hilfe angewiesen sind, stetig an. Kirchliche Hilfswerke wie Caritas international oder Diakonie Katastrophenhilfe helfen zusammen mit ihren örtlichen Partnern.


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Der Wetterdienst hatte bereits eine Woche zuvor vor dem Hurrikan gewarnt; alles deutete auf einen Sturm ungeheuren Ausmaßes hin. Wright und sein Team waren gerüstet, doch Windgeschwindigkeiten von bis zu 240 Kilometern hatten sie nicht erwartet. „Es war pures Glück, dass wir alle überlebt haben“, sagt der gebürtige Engländer. Inzwischen ist die Renovierung im Gange, im Oktober soll wiedereröffnet werden.

Priester Marcin Karwot von den Steyler Missionaren kam kurz nach dem Orkan auf die Insel. Er hat das ganze Ausmaß der Zerstörung erlebt. „Es war ein fürchterliches Bild“, sagt der Pole. „Die Menschen haben sich zurück ins Leben gekämpft.“ Sie hätten sich nicht entmutigen lassen, dabei habe auch der Glaube, der vielen Menschen auf der Insel sehr wichtig sei, eine Rolle gespielt. Karwot predigt in drei Kirchen; täglich hält er mindestens eine Messe, sonntags bis zu vier. „Bei jedem Gottesdienst sind die Kirchen voll.“

Schlimmer als der Sturm selbst war für viele Menschen das, was danach kam: Plünderungen, oft begangen von den eigenen Nachbarn, mit denen man seit Jahren Seite an Seite lebte. „Noch heute muss viel aufgearbeitet werden“, sagt Karwot. Der Hurrikan werde als Naturkatastrophe verstanden, doch das, was sich die Menschen gegenseitig angetan hätten, sei für viele unbegreiflich. „Es ist nicht leicht, den Stachel des Hasses zu besänftigen, aber wir sind auf einem guten Weg“, sagt er.

Auch den Taxifahrer Philippe Richardson und seine Familie hat Irma mit voller Wucht getroffen. Die Zeit danach sei hart gewesen, das Katastrophenmanagement der Regierung jedoch gut. Und trotz der Plünderungen habe es auch Zusammenhalt gegeben. Er deutet auf eine Bäckerei am Straßenrand. „Die Inhaber haben Mehl und weitere Zutaten vom Staat erhalten, Brot gebacken und es einen Monat lang kostenlos an alle verteilt.“ Heute läuft sein Taxiunternehmen wieder gut. „Das Wichtigste ist, an das Leben zu glauben und nicht zu verzweifeln“, sagt er.

Auch Pastor Karwot spricht von der Zuversicht, die die Menschen nach dem Hurrikan ausgestrahlt hätten. „Trotz des Traumas haben sie gelächelt und waren froh, überlebt zu haben.“ Einige Monate wird es noch dauern, aber dann werden auch die Touristen zurückkehren. Schon jetzt legen Kreuzfahrtschiffe aus aller Welt wieder auf der Insel an. Für einen Tag bringen sie Hunderte von Gästen, die einkaufen, einkehren und damit die Wirtschaft in Schwung bringen. Die meisten Hotels öffnen spätestens im Herbst erneut, viele davon renoviert und schöner als zuvor.

Von Sabine Ludwig (KNA)

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