Katholiken in Israel stellen Migrantenseelsorge neu auf

  • © Bild: KNA
  • Heiliges Land - 02.05.2018

Nicht nur arabische Christen leben in Israel, auch viele Migranten gehören der christlichen Minderheit an, darunter Zehntausende Katholiken. Für sie will die Kirche nun Angebote und Strukturen verbessern.

Mit Zahlen lässt sich Politik machen, nicht nur im Nahen Osten. Seit Jahren versuchten interessierte Kreise durch Hochrechnungen zu belegen, dass in Israel neben den rund 150.000 meist arabischen Christen eine möglicherweise noch größere Zahl nicht-arabischer Christen lebt: Konvertiten, Einwanderer aus Staaten der früheren Sowjetunion und andere Migranten, Flüchtlinge, Asylbewerber. Für die Katholiken unter ihnen bietet das Lateinische Patriarchat eine besondere Betreuung mit spezieller Seelsorge und eigenen kirchlichen Strukturen an – ohne sich damit von irgendeiner Seite politisch vereinnahmen zu lassen.

Nun werden nach dem 2003 errichteten Patriarchal-Vikariat für die rund 1.000 hebräischsprachigen israelischen Christen zu Pfingstsonntag (20. Mai) eine Personalpfarrei zur pastoralen Betreuung von Migranten und Asylsuchenden sowie ein eigenes Bischofsvikariat eingerichtet, um diese Betreuung zu koordinieren. Eine besondere Seelsorge für diese beiden Gruppen – für das „Sankt-Jakobus-Vikariat für hebräischsprachige Katholiken in Israel“ sowie für die Migranten und Flüchtlinge – wird von der lateinischen Kirchenleitung bereits seit Jahren organisiert.

Dossier

Mit ihrem vielfältigen Engagement im Bereich der Flüchtlings- und Migrantenhilfe steht die Kirche an der Seite aller Schutzbedürftigen und Notleidenden: durch Beratung, Seelsorge, materielle Unterstützung und den stetigen Dialog mit Politik und Gesellschaft.


Zum Dossier

Der aus Südafrika stammende Geistliche David Neuhaus, der fließend Hebräisch und Arabisch spricht, leitete beide Bereiche seit etlichen Jahren in Personalunion. Nach dessen Ausscheiden im vergangenen Sommer hat sein Stellvertreter Rafic Nahra die Nachfolge angetreten. Der Geistliche stammt aus dem Libanon und war zuvor in Frankreich eingesetzt.

Damit ändere sich nicht grundsätzlich die bisherige Arbeit, aber die Strukturen und Zuständigkeiten würden rechtlich präzisiert, betont Nahra. Bislang wurde dieser wichtige Dienst des Lateinischen Patriarchats einfach von einem „Koordinator“ geleitet. Nun ist es ein „Bischofsvikar“ – um diese Mission der Kirche zu betonen, die Verantwortung des Bischofs zu unterstreichen und eine bessere Vernetzung mit der lokalen Kirche zu fördern. Von den 200.000 bis 240.000 vor allem christlichen Migranten in Israel dürften etwa 60.000 Katholiken sein. Etwa die Hälfte sind Philippiner, die meist als Pflegekräfte oder Haushaltshilfen tätig sind, gefolgt von Indern, dann Sri-Lanker und Rumänen.

Für sie hatte schon Neuhaus 2014 in Tel Aviv, wo viele der Migranten leben, eine erste eigene Kirche errichtet. Hier werden jeden Sonntag nacheinander acht Messen gefeiert, in verschiedenen Sprachen, alle stets überfüllt. Die Erhebung zur Personalpfarrei erlaubt, dass dort jetzt auch kirchenrechtliche Grundakte wie Taufen und Eheschließungen offiziell verfügt und registriert werden können. Und diese Formalitäten seien oft sehr verschieden von denen der lokalen Katholiken und ließen sich nicht ohne weiteres in einem normalen Pfarrbüro abwickeln.

Die Seelsorge leisten mehrere philippinische Franziskaner von der Jerusalemer Kustodie. Auch ein indischer Ordensmann betreut seine Landsleute, unterstützt von weiteren Geistlichen, ebenso ein Priester aus Eritrea. Für die Zugewanderten aus Sri Lanka wird zu Festen wie Weihnachten oder Ostern ein Priester aus der Heimat eingeflogen. Zu dem regen Gemeindeleben gehören die Vorbereitung zur Erstkommunion, Katechismus-Unterricht oder Camps für Kinder.

Eine enorme Herausforderung bildet die Betreuung von Migrantenkindern. Für sie wird Kommunionunterricht angeboten, zu dem in Tel Aviv inzwischen 100 Kinder kommen. In Jerusalem engagiert sich das Vikariat stärker im Sozialsektor, etwa in after-school-programs. In Abstimmung mit israelischen Einrichtungen sowie mit Nichtregierungsorganisationen kümmert man sich um die Betreuung von Babys – die in Israel privat ist und damit für Migranten unerschwinglich. 60 Säuglinge werden auf diese Weise in Tel Aviv und 30 in Jerusalem betreut – nur ein Tropfen auf den heißen Stein, weiß Nahra.

Für Asylsuchende leistet das Vikariat vor allem moralische Unterstützung. Mehr als Vermittlungen und auch Hilfen bei der Kinderbetreuung könne er nicht bieten, so Nahra. Finanziert wird seine Arbeit fast ausschließlich durch Spenden.

Von Johannes Schidelko (KNA)

© KNA