Anschläge auf Kirche und Moschee in Zentralafrika

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  • Zentralafrikanische Republik - 02.05.2018

Mindestens 16 Menschen sind bei einer Anschlagsserie auf eine katholische Kirche, eine Moschee und mehrere Krankenhäuser in der zentralafrikanischen Hauptstadt Bangui ums Leben gekommen.

Wie viele Menschen genau bei den Angriffen am Dienstag getötet und verletzt wurden, sei noch unklar, meldete der Informationsdienst Vatican News unter Berufung auf örtliche Quellen. Unter den Toten sei auch ein Priester. Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) in Göttingen sprach von etwa 99 Verletzten.

Nach Angaben von Vatican News warfen die Täter Handgranaten in die Kirche Notre Dame di Fatima, als dort eine Messe stattfand. Ebenfalls seien eine Moschee und Gesundheitseinrichtungen von Bewaffneten mit Sprengsätzen attackiert worden. Die Kirche Notre Dame war bereits im Mai 2014 Ziel eines Anschlags von muslimischen Rebellen geworden. Damals starben rund 15 Gottesdienstbesucher. Christen übten daraufhin Vergeltung an einer Moschee.

Weltkirche-Blog - 27.04.2018

Pater Derenthal über den Besuch des Erzbischofs von Bangui, Dieudonné Kardinal Nzapalainga, und des Präsidenten der muslimischen Gemeinschaft der Zentralafrikanischen Republik, Imam Kobine Lamaya, in Mobaye. Sie gehören zur „Interreligiösen Plattform“ von Bangui.


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Die Menschenrechtler von der GfbV forderten einen wirksameren Schutz der Zivilbevölkerung. „Die UN-Friedensmission Minusca scheint selbst in der Hauptstadt Bangui mit der Sicherung des Friedens überfordert zu sein. Dringend muss ein neues Sicherheitskonzept entwickelt werden, um ein Abgleiten des Landes in einen neuen Bürgerkrieg zu verhindern“, erklärte GfbV-Direktor Ulrich Delius.

„Wieder einmal eskaliert die Gewalt zwischen Christen und Muslimen in der Zentralafrikanischen Republik, obwohl dem Konflikt nicht primär religiöse Spannungen zugrunde liegen“, so Delius. Milizen mobilisierten „entlang der Konfessionen, um sich als christliche oder muslimische Kämpfer auszugeben“. Im Kampf um die Macht und den Zugang zu Diamantenminen werde Religion „von allen Seiten missbraucht“.

Führende katholische Geistliche und muslimische Imame setzen sich nach den Worten der Menschenrechtler seit Jahren für Frieden und Verständigung zwischen den Religionsgemeinschaften ein. Sie wehrten sich zudem gegen den Eindruck, dass der seit 2013 eskalierenden Gewalt ein Glaubenskrieg zugrunde liege.

Der jetzt getötete christliche Geistliche habe sich für ein besseres Zusammenleben mit Muslimen eingesetzt. „Der Pfarrer hatte sich für einen Nicht-Angriffspakt engagiert, der Muslimen im Nachbarviertel Ruhe und Frieden garantierte, solange sie ihre Toten bestatteten“, hieß es.

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