Das Schicksal eines „Dreamers“ in den USA

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  • Mexiko/USA - 20.04.2018

Weil er seinen Aufenthaltsstatus in den USA sichern wollte, ging Marco Villada Garibay ein Risiko ein. Um eine Green Card zu beantragen, reiste der Homosexuelle zurück in sein Geburtsland Mexiko.

Marco Villada Garibay verbrachte 28 seiner 34 Lebensjahre in den Vereinigten Staaten. Seine Eltern brachten ihn als Sechsjährigen aus seiner Heimat Mexiko ohne gültige Papiere über die Grenze. Damit ist er einer der rund 800.000 „Dreamer“ (Träumer) in den USA, die bisher vor einer Abschiebung geschützt sind.

2013 erhielt er als Begünstigter des DACA-Programms (Deferred Action for Childhood Arrivals) eine vorübergehende Aufenthaltserlaubnis. Dank des vom damaligen US-Präsidenten Barack Obama ein Jahr zuvor erlassenen Dekrets hatte er nicht viel zu befürchten. Das änderte sich im September 2017, als der neue Präsident Donald Trump das Ende von DACA ankündigte.

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Villadas Fall ist auch in familiärer Hinsicht speziell: Der Homosexuelle ist mit einem US-amerikanischen Staatsbürger legal verheiratet. Sie nutzten ein Urteil des Obersten Gerichtshofs der USA, das vor einigen Jahren die gleichgeschlechtliche Ehe möglich machte. Kurz nach dem Urteil gaben sich Villada und dessen Lebensgefährte Israel Serrato das Jawort.

Inzwischen gleicht ihre persönliche Situation einem Albtraum. Im Januar reisten die beiden verheirateten Männer in die mexikanische Grenzstadt Ciudad Juarez, um Villadas ungewissen DACA-Aufenthaltsstatus in ein dauerhaftes Bleiberecht umzuwandeln. Denn laut US-Einwanderungsrecht haben ausländische Ehepartner Anspruch auf eine Green Card, wenn der US-amerikanische Ehegatte bürgt. Entsprechend stellte die nationale Einwanderungsbehörde auch in diesem Fall eine unbefristete Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis in Aussicht. Einzige Bedingung: Der Antrag sollte regelkonform im Herkunftsland gestellt werden.

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Villada sah keinerlei Gefahr in dem Prozedere. Doch es kam anders. Am 17. Januar lehnte das US-Konsulat in Ciudad Juarez den Antrag ab. Als Begründung nannte die Behörde einen Mexiko-Besuch aus dem Jahr 2000. Damals hatte der zu diesem Zeitpunkt 17-Jährige wegen des Todes seines Großvaters die alte Heimat aufgesucht. Mit seinem US-Highschool-Ausweis reiste er wieder ein. Die Ausreise ohne gültige Papiere war jedoch rechtlich gesehen ein Fehler. Wer mehr als sechs Monate illegal in den USA lebt, so die Gesetzeslage, und wieder ausreist, der darf für mindestens zehn Jahre nicht wieder einreisen - wenn überhaupt.

Eine Katastrophe für Villada und Serrato, die eigentlich geplant hatten, den Erhalt der Green Card mit einem Festessen zu feiern. Stattdessen verbrachten sie den Abend nach der Ablehnung weinend auf dem Hotelzimmer in Ciudad Juarez. Einige Tage später reiste Serrato zurück in die USA - allein. Doch damit ist die Geschichte nicht zu Ende. Am 10. April reichte ein Anwalt des Paars Klage gegen die Konsulatsentscheidung ein. In der Begründung geben die Männer an, von der Behörde getäuscht worden zu sein.

Angeblich sind derartige Vorkommnisse keine Einzelfälle. Der Anwalt der Kläger behauptet, in jüngster Zeit zahlreiche Verfahren nach dem gleichen Muster erlebt zu haben: Erst hätten die Antragsteller eine Ausreisegenehmigung zwecks Antragstellung erhalten. Anschließend werde die Wiedereinreise verweigert.

Bis zu einem Urteil lebt Villada bei Verwandten in Mexiko, die er kaum kennt. Auch Serratos Alltag gestaltet sich schwierig. Er musste die gemeinsame Wohnung in Los Angeles kündigen und das Mobiliar verkaufen, weil das zweite Einkommen fehlt. Inzwischen hat er bei Freunden eine Behelfsunterkunft gefunden. „Wir sind alle Opfer dieser ungerechten Entscheidung“, klagt Serrato. „Marco gehört hierher. Er gehört zu mir.“

Von Thomas Spang (KNA)

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