Caritas warnt vor Eskalation im Kongo

  • Demokratische Republik Kongo - 13.04.2018

Es gibt wenige Länder auf der Erde, die so reich an unberührter Natur und wertvollen Bodenschätzen sind wie der Kongo. Es gibt jedoch auch wenige Länder, die derart von Krieg und Gewalt gezeichnet sind. Und dabei von der Weltöffentlichkeit weitgehend vergessen werden. Hoffnungen richten sich auf die UN-Geberkonferenz an diesem Freitag in Genf.

In zehn von 26 Provinzen der Demokratischen Republik Kongo kämpfen mehr als 70 bewaffnete Gruppen um Einfluss und Macht. Täglich ändern sich die Frontverläufe, vierteljährlich entstehen derzeit neue Krisenherde. Es ist schwer, nicht den Überblick zu verlieren. In weiten Teilen des Landes, das sieben Mal so groß ist wie Deutschland, herrscht Gesetzlosigkeit. Treiber der Konflikte sind immer wieder der natürliche Reichtum und die leicht abbaubaren Bodenschätze des Landes: Gold, Diamanten, Platin, Coltan.

Seit der belgischen Kolonialherrschaft sind Gewalt und Ausbeutung für einen großen Teil der 80 Millionen Kongolesen grausamer Alltag. Die Folgen erschüttern: 13 Millionen Menschen sind mittlerweile auf humanitäre Hilfe angewiesen. Vier Millionen Menschen mussten aufgrund der Gewalt ihre Heimat verlassen und sind innerhalb des Kongo auf der Flucht. Das sind so viele wie in keinem anderen afrikanischen Land. Und 2,2 Millionen Menschen sind stark unterernährt. Auf dem Entwicklungsindex der Vereinten Nationen steht das Land trotz seines Reichtums an Bodenschätzen auf Platz 176 von 188 Ländern.

Seit Monaten warnen Experten eindringlich, dass schnell gehandelt werden müsse, wenn ein massenhaftes Sterben beendet werden soll. Bislang sind die Warnungen ungehört verhallt. Jetzt richten sich die Hoffnungen auf diesen Freitag, den 13. April, wenn in Genf die erste UN-Geberkonferenz für die Demokratische Republik Kongo stattfindet. Um die dringendsten humanitären Bedarfe decken zu können werden nach Angaben der Vereinten Nationen 1,4 Milliarden Euro benötigt.

Demokratische Republik Kongo - 23.02.2018

Kongos Präsident Kabila will der Macht nicht weichen. Seine reguläre Amtszeit endete 2016, bereits zwei Mal wurden die Wahlen verschoben. Der Unmut in der Bevölkerung wächst. Besonders die Katholiken des Landes mobilisieren zum Widerstand.


Artikel lesen

Politische Legitimationskrise feuert den militärischen Konflikt an

Der zerfallende kongolesische Staat ist bei der Befriedung des Landes kein hilfreicher Faktor. Im Gegenteil: Viele sehen die derzeitige Regierung direkt und indirekt als einen der Verantwortlichen der Gewalt und des Leids der Zivilbevölkerung. Deshalb ist es so entscheidend, die Hilfe direkt über lokale Organisationen wie die Caritasverbände zu den Menschen zu bringen.

Präsident Kabila hätte bereits vor zwei Jahren Wahlen abhalten sollen, weigerte sich aber zurückzutreten. Um eine Eskalation zu verhindern, einigte man sich unter Vermittlung der Katholischen Kirche, die 40 Millionen Gläubige im Land vertritt, auf einen Kompromiss. Bis Ende 2017 sollten Wahlen durchgeführt werden. Doch wieder wurde der Prozess verschleppt. Im Kasai brachen außerdem Unruhen aus. Tausende Menschen starben, zwei Millionen sind auf der Flucht. Die Caritas half den Menschen mit lebensnotwendigen Dingen.

Die Bischöfe verurteilten das Vorgehen der Regierung und riefen das Volk dazu auf, ihr Schicksal mit friedlichen Mitteln in die eigenen Hände zu nehmen: „Die Demokratische Republik Kongo gehört all ihren Söhnen und Töchtern“, heißt es in einem Appell an die Internationale Gemeinschaft, den politischen Wandel zu unterstützen. Friedliche Demonstrationen, die die katholische Kirche gegen die Gewalt organisiert hatte, ließ der Präsident Anfang 2018 von der Polizei niederschießen. 20 Menschen wurden getötet, Hunderte verletzt. „Warum müssen wir so viele Tote und Verwundete beklagen. Warum gibt es so viele Verhaftungen, Entführungen, Angriffe auf Kirchengemeinden und religiöse Gemeinschaften, Demütigung, Folter, Einschüchterung, Entweihung von Kirchen, das Verbot zu beten? Welche Verbrechen haben diese Christen und kongolesischen Bürger begangen?“, fragen die Bischöfe des Kongo in ihrem Hilfs-Appell. Die Caritas steht den Menschen im Kongo in vielerorts mit Hilfen zur Seite. Mehr Infos dazu auf www.caritas-international.de.

© Caritas international