Trappisten in den USA auf neuen Wegen

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  • Ordensgemeinschaften - 05.04.2018

Die Trappisten in den USA haben größere Nachwuchssorgen als andere katholische Orden im Land. Die Mönche leben abgeschieden und werben bislang kaum gezielt um neue Mitglieder. Das könnte sich nun ändern – notgedrungen.

Es war ein trauriger Anlass, zu dem sich die Trappisten in Huntsville im August 2017 um den Altar ihrer Klosterkirche versammelten. Die hochbetagten Mönche mit dem markanten weißen Habit und dem schwarzen Skapulier feierten in ihrer Abtei im US-Bundesstaat Utah noch einmal die Heilige Messe. Danach schloss das Kloster für immer seine Pforten.

Ein ähnliches Schicksal könnte auch die Trappisten von Mepkin in South Carolina ereilen. Und das, obwohl sich das Kloster unter Laien, die für ein paar Tage oder Wochen aus dem hektischen Alltagsleben aussteigen wollen, großer Beliebtheit erfreut. Die Gästezimmer des mehr als 1.000 Hektar umfassenden Naturareals mit seinen Gewässern, dichten Wäldern und fruchtbaren Feldern sind lange im Voraus ausgebucht.

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Bis 2007 produzierten die Mönche hier bis zu 30.000 Eier pro Tag. Danach schwenkten sie wegen einer Kampagne der Tierrechtsorganisation Peta und negativer Berichterstattung in den Medien auf Pilze um. Inzwischen verkaufen sie mehr als eine halbe Tonne pro Woche, vorwiegend an lokale Restaurants und Märkte. „Das ist nicht so eine Knochenarbeit“, erklärt Abt Stan Gumula dem Reporter der „New York Times“, der Zugang zum abgeschiedenen Leben der Gemeinschaft erhielt. Die Zeiten, in denen jüngere und kräftigere Mönche eine Sägemühle sowie eine Großbäckerei betrieben und Vieh züchteten, sind vorbei. Mepkin Abbey ist eine ältere Gemeinde.

Zu ihr gehört auch der 90-jährige Bruder Joseph Swedo. Als Trappist ist er harte körperliche Arbeit gewohnt; doch seine Kräfte schwinden. Die obligatorischen fünf Stunden tägliches Zupacken auf dem Feld, im Stall oder in den Scheunen sind zu viel für ihn. Er will, aber er kann nicht mehr. Kürzlich musste er sich entscheiden: für das Morgengebet um 3.20 Uhr oder die abendliche Komplet um 19.35 Uhr. Beides am selben Tag ging aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr.

Swedo war den Zisterziensern der strengeren Observanz, wie der 1892 entstandene Trappistenorden eigentlich heißt, als 17-jähriger Junge beigetreten. Er entschied sich für ein Leben in Gehorsam, Armut und Ehelosigkeit. Doch im Laufe der Jahre wandelte sich der Klosteralltag. Früher zählte die Gemeinschaft 55 Mönche; heute sind es noch 13. Das Durchschnittsalter lag einst bei 30 Jahren, heute sind es 77. Junge Novizen rücken kaum nach. Das liegt auch daran, dass der Orden die Möglichkeiten der digitalen Kommunikation in den USA bislang kaum für gezielte Nachwuchswerbung nutzt.

„Wir brauchen etwas Neues und Innovatives“, sagt Pater Guerric Heckel. Man wolle verstärkt Männer und auch Frauen ansprechen, die sich nicht auf alle Verpflichtungen des Ordenslebens einlassen wollten. Ein neues Modell für Mepkin sieht daher ein „Mönchsein auf Zeit“ vor. Es gehe darum, „Interesse an einem spirituellen Leben“ zu wecken, erläutert Pater Joe Tedesco – und zwar auch bei jenen, die an institutionellen Formen von Religion nicht interessiert sind.

Für den traditionsreichen Orden, der sich damit vorsichtig aus der selbst gewählten gesellschaftlichen Abgeschiedenheit herauswagt, ist das ein bemerkenswerter Schritt. Hinzu kommt, dass die US-Trappisten langfristig mit einer Zuwanderung von Mönchen aus Übersee planen. In Afrika und Asien sei die Altersstruktur in den katholischen Gemeinschaften schließlich noch gesund.

In Sachen Umweltschutz sind die Trappisten in Mepkin schon jetzt auf der Höhe der Zeit. „Bei allem, was wir tun, versuchen wir, das Land, die Umwelt zu respektieren“, sagt Abt Stan. Das ging so weit, dass der Speisesaal, die Wohn- und Verwaltungsgebäude des Klosters samt der Bibliothek um die alten moosbewachsenen Eichen herum gebaut wurden. Der Abt ist zuversichtlich, dass es weiter Trappisten in dieser Idylle South Carolinas geben wird: „Wir gehen davon aus, noch lange hier zu sein.“

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Zisterzienser und Trappisten

Die Zisterzienser gehören zu den strengsten Orden der katholischen Kirche. Benannt ist der benediktinische Reformorden nach dem 1098 gegründeten Kloster Citeaux bei Dijon. Seit 1892 bilden die „Zisterzienser der Strengeren Observanz“, die Trappisten, einen eigenständigen Orden; ihre Anfänge im französischen La Trappe liegen bereits im 17. Jahrhundert.

Eine hierarchisch-feudale Gliederung unter ein Mutterkloster wie die Reformbenediktiner von Cluny lehnten die Zisterzienser ab; jedes Kloster ist ganz selbstständig. Die Betonung von Handarbeit, Bodenkultur, Rodung und Landwirtschaft gaben dem Orden nicht zuletzt eine große Bedeutung bei der deutschen Ostsiedlung.

Generalabt der Zisterzienser ist seit 2010 der Schweizer Mauro-Giuseppe Lepori (59), Generalabt der Trappisten seit 2008 der Ire Eamon Fitzgerald (72) vom Mount Melleray. Von den Trappisten gab es laut Ordensangaben Ende 2016 weltweit 102 Männer- und 76 Frauenklöster – was mehr als eine Verdoppelung binnen 75 Jahren bedeutet. Zugleich ging allerdings die Zahl der Ordensleute deutlich zurück auf rund 1.800 Trappisten und 1.500 Trappistinnen weltweit.

In Deutschland gibt es in der Eifel ein Männerkloster, Mariawald in Heimbach/Eifel (seit 1486/1864) – das jedoch wegen Überalterung demnächst geschlossen wird – sowie zwei Frauenklöster, Maria Frieden in Dahlem/Eifel (seit 1952) und Gethsemani im nordpfälzischen Dannenfels (seit 1984).

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