Misereor kritisiert Zustimmung der EU zu Bayer-Monsanto-Fusion

  • Entwicklung - 21.03.2018

In der Zustimmung der EU zur Fusion von Bayer und Monsanto sieht Misereor fatale Folgen für Bauern weltweit. „Die EU hat damit versäumt, die Macht der Agrar-Konzerne stärker zu regulieren und die dringend notwendige Ernährungs- und Agrarwende zu unterstützen“, kritisierte Misereor-Chef Pirmin Spiegel. Auch die mit der Genehmigung verbundenen strengen Auflagen der Behörden könnten die Konzentrations- und Monopolisierungstendenz in der globalen Landwirtschaft nicht aushebeln.

Die Fusion von Bayer und Monsanto sei ein weiterer Schritt in Richtung der Kontrollübernahme weniger Konzerne über die weltweiten Saatgut- und Pestizidmärkte, so Spiegel weiter. Gravierende Folgen wie steigende Preise für Saatgut, Dünger und Pestizide, eine immer geringere Saatgut-Vielfalt und geringere Innovationen im Agrarsektor seien wahrscheinlich. „Durch die Förderung großflächig angebauter Monokulturen wie Soja und Mais werden viele Bäuerinnen und Bauern von ihrem Land vertrieben und haben damit schon heute keine Zukunft mehr. Böden und Grundwasser sind massiv von der industrialisierten Landwirtschaft betroffen, ebenso die Gesundheit von Millionen Menschen in den Anbaugebieten durch den Einsatz giftiger Pestizide.“ Verloren gingen dabei standort- und klimaangepasste Sorten, die überdies dem Klimawandel trotzen könnten. „Diese Entwicklungen bringen uns im nachhaltigen Kampf gegen Hunger und Unterernährung nicht vorwärts“, betonte Spiegel.

Indien - 21.03.2018

Die Bauern Indiens stecken in der Krise. Die moderne Agrarwirtschaft raubt ihnen zunehmend Unabhängigkeit. Viele verschulden sich, greifen in ihrer Hilflosigkeit zum Alkohol oder nehmen sich gar das Leben. Hilfe bekommen sie von einem Misereor-Partner in Indien.


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Rund 500 Millionen bäuerliche Familienbetriebe weltweit versorgen laut Misereor den Großteil der Weltbevölkerung mit Nahrungsmitteln. Das Entwicklungshilfswerk beklagt „ein Welternährungsnarrativ“, das strukturelle Fehler im globalen Ernährungssystem ignoriere: „Bereits heute werden Nahrungsmittel für fast doppelt so viele Menschen produziert, wie auf der Erde leben“, betont Monsignore Spiegel. Es mangele letztlich nicht an Nahrungsmitteln, sondern vor allem an Verteilungsgerechtigkeit, dem Mitspracherecht von Nahrungsmittelproduzenten und dem Willen der Konzerne, eine nachhaltige und diversifizierte Ernährung für alle zu ermöglichen.

© Misereor/cze