In Brasilien tagen gleich zwei Wasserforen

  • Brasilien - 21.03.2018

Im Umland von Brasilia kämpfen Kleinbauern ums Überleben. Das Wasser wird in der Region knapp; auch in der Hauptstadt muss es rationiert werden. Nun wird in der Metropole über mögliche Lösungen diskutiert.

Noch ist das „Agrofloresta“-Areal von Bauer Silvan Lopes Ribeiro voll kleiner Pflänzchen. Vor wenigen Monaten wurden die Zitronenbäume, Avocados, Cashew-Bäume und Mangos gepflanzt, dazu Salat und Mais. All das scheinbar in einem großen Durcheinander.

Der Clou dieser Waldlandwirtschaft besteht darin, verschiedene Obst- und Gemüsesorten nebeneinander zu pflanzen, um so Monokulturen und Insektizide zu vermeiden. Das kommt auch dem Wald in der Umgebung zugute. „Der Boden verbessert seine Fähigkeit, das Wasser zu binden“, erklärt der Agronom Fabio Miranda von der Landlosenbewegung Movimento dos Sem Terra (MST).

66 Bauernfamilien leben in der MST-Siedlung Canaa in Sichtweite eines Stausees, der das nahe Brasilia mit Trinkwasser versorgt. Der Wasserspiegel ist niedrig, seit drei Jahren leidet die Region unter Dürre. Eine Folge der Abholzungen in der ohnehin schon regenarmen Cerrado-Savanne.

Architektur in Brasilia (Architekt Oscar Niemeyer). Das Foto zeigt das Parlamentsgebäude in der brasilianischen Hauptstadt.

Jürgen Escher / Adveniat

Die industrielle Landwirtschaft mit ihren chemischen Keulen lauge die Böden aus, die Regenwasser nicht mehr binden könnten und schnell unfruchtbar würden, sagt Miranda. „Wir Kleinbauern sind die einzigen, die eine naturfreundliche Landwirtschaft betreiben. Deshalb ist die von uns geforderte Landreform so wichtig.“

Doch die Landlosen sehe man hier nicht gerne. Wenn sie einen Brunnen bohrten, kämen sofort die Behörden, so Miranda. Bei den illegalen Brunnen der vielen Luxuswohnanlagen in der Region drückten die Beamten dagegen beide Augen zu. Den Wohlhabenden fehle weder Wasser zum Trinken noch für ihre Swimmingpools.

Die MST-Bauern behelfen sich mit Zisternen. Bereits die Hälfte der Familien verfügt über einen der 16.000 Liter fassenden Erdtanks. Das Hilfswerk Caritas und ein Fonds der Staatsbank Banco do Brasil haben den Bau finanziert, die Bauern haben mitgebaut. Doch die Zisternen werden mit Regenwasser gefüllt. „Sie nützen wenig, wenn es nicht regnet“, sagt Bauer Flavio do Carmo.

Im schicken Convention Center von Brasilia beraten derweil Experten aus aller Welt, wie die Zukunft mit der knapp werdenden Ressource Wasser aussieht. Damit die Gäste des Weltwasserforums, darunter etliche Staats- und Regierungschefs, nicht ohne Wasser auskommen müssen, wurde die Wasserrationierung im Hotel- und Tagungsviertel ausgesetzt.

Eigentlich sind alle Stadtviertel abwechselnd mit Wassersparen dran. Doch die Realität sehe anders aus, sagt Umweltaktivist Thiago Avila. In den Reichenvierteln werde das Wasser lediglich für ein paar Stunden abgestellt; in den armen Gegenden seien es schon mal bis zu neun Tage.

Avila sitzt im Organisationskomitee des „Alternativen Wasserforums Fama“, das derzeit in einer Halle im Stadtpark von Brasilia tagt. Hier wird eher laut diskutiert; schließlich muss man gegen Trommelklänge und Live-Musik anreden. Es ist ein buntes Treffen der Zivilgesellschaft, die nicht beim offiziellen Weltwasserforum dabei ist.

Die Position der alternativen Versammlung kann man auf Websites und Handzetteln nachlesen. Man akzeptiere nicht, dass Regierungen, Großunternehmen und Lobbyisten darüber entschieden, wem in Zukunft das Wasser gehöre. Der Weltwasserrat, Organisator des offiziellen Forums, wird gern mit dem Fußballverband FIFA verglichen: „null Transparenz“, so der Vorwurf.

Das Problem des Weltwasserforums sei, dass die dringenden Probleme in einzelnen Ländern unter den Tisch fielen, meint Andrea Müller-Frank, Referentin des Hilfswerks „Brot für die Welt“. Die Zivilgesellschaft werde kaum angehört – weshalb sie das alternative Forum geschaffen habe. Zudem seien die Abschlusserklärungen des Weltwasserforums nicht bindend; Selbstverpflichtungen einzelner Länder würden kaum kontrolliert.

Eigentlich sei das Thema Wasser besser bei den Vereinten Nationen aufgehoben, sagt Müller-Frank. Zwar seien die UN beim Weltwasserforum mit mehreren Delegationen vertreten. Doch da seien sie ein Vertreter unter vielen. „Auf UN-Ebene gäbe es dagegen Mechanismen, mit deren Hilfe die Zivilgesellschaft an solchen Verhandlungen teilnehmen könnte“, so die Expertin. Dann kämen auch die zu Wort, die mit ihren Problemen kaum Gehör fänden.

Von Thomas Milz (KNA)

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