Adveniat beklagt „humanitäre Krise“ in Venezuela

  • Venezuela - 20.03.2018

Angesichts einer humanitären Krise in Venezuela fordert das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat zur Unterstützung für die Kirche im Land auf. „Als Weltkirche dürfen wir die venezolanische Kirche nicht allein lassen. Sie braucht unsere bedingungslose Unterstützung, um als letzte funktionierende und glaubwürdige Institution des Landes den Menschen in ihrer unbeschreiblichen Not zu helfen“, appellierte Adveniats Venezuela-Referent Reiner Wilhelm am Dienstag in einer Mitteilung.

Auch die Vereinten Nationen und die Bundesregierung müssten die humanitäre Notlage im Land offiziell anerkennen und Druck auf die venezolanische Regierung machen.

Die katholische Kirche sei die einzige Institution in Venezuela, die noch das Vertrauen der Bevölkerung genieße, so Wilhelm weiter. In den Pfarrgemeinden würden Medikamentenspenden verteilt, in vielen Diözesen seien Suppenküchen entstanden. Gemeindemitglieder selbst spendeten Gemüse, Reis, Nudeln oder Fleisch. „Die venezolanische Kirche von der Basis bis zur Bischofskonferenz lebt Solidarität und sozialen Ausgleich in einem Land, dessen Regierung die Menschen und die Ressourcen gnadenlos ausplündert“, so Wilhelm nach seinem dreiwöchigen Besuch in dem lateinamerikanischen Land.

Nach einer Studie der drei Universitäten in der Hauptstadt Caracas lebten 87 Prozent der Bevölkerung in Armut. „Die Menschen wühlen im Müll nach Essbarem. Medikamente wie Antibiotika oder Insulin gibt es im Land längst nicht mehr zu kaufen. Und für den Mindestlohn mit sämtlichen staatlichen Zulagen, den weite Teile der Angestellten erhalten, kann man gerade einmal ein Kilo Maismehl, ein Kilo Zucker und ein Kilo Fleisch kaufen.“ Wilhelms Fazit: „Die Regierung eines ‚Sozialismus des 21. Jahrhunderts‘ unter den Präsidenten Nicolas Maduro und seinem Vorgänger Hugo Chavez haben Venezuela in das Armenhaus des Kontinents verwandelt“, kritisiert Wilhelm.

Offiziell haben zwei Millionen Venezolaner das Land verlassen – Schätzungen gehen allerdings von der doppelten Zahl aus. „Viele Familien leben in Venezuela von den Dollars und Pesos, die ihnen die Verwandten aus den Nachbarländern schicken“, berichtet Venezuela-Experte Wilhelm von seinen Erfahrungen vor Ort. Auch die Flucht berge Gefahren: „Entlang der Grenze zu Kolumbien sind die Menschen schutzlos der Willkür der Nationalgarde, der Drogen- und Menschenhandels-Mafia sowie den kolumbianischen Guerilleros und Paramilitärs ausgesetzt.“

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