Vertrauen und Kontrolle

  • Transparenz - 07.03.2018

Seit 2009 arbeiten verschiedene Missions- und Entwicklungswerke auf Initiative von Transparency Deutschland zusammen mit der Evangelischen Akademie Bad Boll an konkreten Maßnahmen gegen Korruption in der Entwicklungszusammenarbeit. Bei der vierten Tagung „Mut zur Transparenz“, die an diesem Mittwoch endet, sprachen wir mit dem Geschäftsführer Interne Dienstleistungen von Misereor, Thomas Antkowiak.

Frage: Herr Antkowiak, bei der Tagung soll ein innovatives Gesamtkonzept für Korruptionsbekämpfung vorgestellt werden. Gibt es schon vorläufige Ergebnisse?

Antkowiak: Ganz wesentlich ist hier der Austausch über bereits vorhandene Strukturen, Modelle und Vorgehensweisen, die für die Arbeit von Bedeutung sind. Da kann man schon eine recht positive Bilanz ziehen. Natürlich gibt es auch Fragen, die noch in der Behandlung sind. Heute Vormittag ging es etwa um die Frage: Wie können wir unsere Partner mit unseren Richtlinien vertraut machen, ohne sie zu bevormunden? Da gibt es auch kulturelle Unterschiede. Was wir als Korruption bezeichnen, wird vielleicht andernorts gar nicht so gesehen oder nicht als so schwerwiegend ausgemacht. Der Respekt in der Zusammenarbeit mit unseren Partnern bedeutet natürlich auch, dass wir mit ihnen gemeinsam die Dinge weiterentwickeln. Eine weitere Frage, mit der wir uns beschäftigen, ist die Frage der Transparenz über Fälle von Korruption oder Veruntreuung  in der Öffentlichkeit.

Frage: Haben die katholischen Hilfswerke da eine gemeinsame Strategie?

Antkowiak: Die MARMICK-Werke haben sich schon vor längerer Zeit untereinander verständigt. Die Kommission Weltkirche hat diesen Prozess begleitet und uns zu gemeinsamem Vorgehen ermuntert. Gleichzeitig hat jedes Hilfswerk auch seine eigenen Regeln. Misereor hat etwa Leitlinien zu Integrität und Transparenz, in denen wir beschreiben, wie wir mit der Frage der Transparenz einerseits in unserer Projektarbeit umgehen wollen, andererseits, wie wir uns hierzulande verhalten – beim Beschaffungswesen, in der Zusammenarbeit in finanzieller oder auch arbeitsrechtlicher Hinsicht. Hier ist nicht nur die Projektarbeit betroffen. Die Frage nach Integrität und Transparenz geht quer durch alle Aufgabenbereiche, in der internen Organisation oder der Inlandsarbeit.

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Seit Jahren wird in der Gesellschaft der Ruf nach Transparenz lauter. Das zeigt sich nicht zuletzt in der Debatte um die Haushalte deutscher Bistümer. Ebenso wichtig sind Transparenz, Rechenschaft und Vertrauen auch in der weltkirchlichen Projekt- und Partnerschaftsarbeit.


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Frage: Wie aufwändig und personalintensiv ist es für Misereor, sich vor Korruption zu schützen?

Antkowiak: Misereor hat keine eigene Arbeitseinheit dafür wie etwa Brot für die Welt. Bei uns ist das Thema an verschiedenen Stellen verortet. Zum einen bei mir in der Vorstandsebene, weil ich für die internen Angelegenheiten zuständig bin. Wir arbeiten zusammen in einer Arbeitsgruppe, in der die Projektabteilungen, die Auszahlungskontrolle, also der Ort, wo die Verwendungsnachweiskontrolle vorgenommen wird, aber auch Mitarbeitende aus den Bereichen der Arbeitsorganisation und der Öffentlichkeitsarbeit zusammenarbeiten. Die Gruppe dockt also an die praktische Arbeit der gesamten Geschäftsstelle an. Sie beschäftigt sich mit der Umsetzung der Leitlinien, mit der Frage, wie wir unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schulen und für kritische Fälle vorbereiten, wie wir auf unsere Partnerorganisationen zugehen können. Wir wollen eine Atmosphäre schaffen, in der solche Probleme offen angesprochen werden können. Glücklicherweise ist die Zahl der Problemfälle, die wir zu bearbeiten haben, sehr gering. Wir stehen dort bei einem Satz unterhalb von einem Prozent unserer Projekte.

Frage: Wie gehen Sie das Problem der Korruption in Bezug auf Ihre Partner an?

Antkowiak: Wir versuchen, präventiv vorzugehen. Korruption versuchen wir von vorn herein zu verhindern. Das hat etwas zu tun mit integrem Verhalten, Transparenz und Vertrauen. Es kommt darauf an, nicht leichtfertig zu sein. Vertrauen und Kontrolle sind zwei Seiten ein- und derselben Medaille. Wir stehen in der Verantwortung, Rechenschaft unseren Spendern gegenüber abzulegen. Misereor arbeitet in großem Umfang auch mit staatlichen Geldern und hat deshalb Verantwortung gegenüber dem Steuerzahler. Wir versuchen, hierfür Verständnis bei unseren Partnern zu wecken – bei aller Eigenständigkeit, die sie natürlich haben.

Der Geschäftsführer Interne Dienstleistungen von Misereor, Thomas Antkowiak.

Rohl/Misereor

Hat sich das Problem der Korruption in der Entwicklungszusammenarbeit in den vergangenen Jahren verschärft?

Antkowiak: Ich würde nicht sagen, dass es sich verschärft hat. Vor zehn Jahren sind die kirchlichen Hilfswerke noch anders damit umgegangen. Man dachte damals vielleicht: Wir bewegen uns im kirchlichen Raum, da kommen solche Dinge nicht vor. Wir müssen unseren Partnern doch vertrauen. Das hat sich schon gewandelt. Und man hat gemerkt, dass man bei allem sicher auch oft gerechtfertigtem Vertrauen zu den Partnern auch auf die andere Seite der Medaille blicken und sagen muss: Wir müssen die Dinge auch kontrollieren und Transparenz schaffen. Wenn die Partner mit ihren Ideen zu uns kommen und wir im Dialog mit ihnen ihre Vorschläge prüfen und diskutieren, entwickelt sich eine Vertrauensbasis. Trotzdem kann auch etwas schiefgehen. Hier haben wir in den vergangenen Jahren mehr an Sensibilisierung erreicht und wir versuchen, uns weiterzuentwickeln und dazu beizutragen, dass durch Förderung integren Verhaltens und Prävention solche Probleme wie Korruption oder Veruntreuung gar nicht erst entstehen.

Das Interview führte Claudia Zeisel

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