Oscar Romero soll heiliggesprochen werden

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  • Oscar Romero - 07.03.2018

Er ist eine Ikone der Befreiungstheologen, ein Sinnbild der Unterdrückung in Lateinamerika. Die Botschaft Oscar Romeros, der 1980 ermordet wurde, lebt im Gedächtnis der Armen weiter. Nun soll er heiliggesprochen werden.

Oscar Romero (1917-1980), der „Bischof der Armen“ von El Salvador, ist zwar seit 37 Jahren tot – doch seine Botschaft ist in Lateinamerika und darüber hinaus lebendig. In seiner Heimat wird er schon seit langem als Heiliger verehrt. Nun soll er auch offiziell heiliggesprochen werden. Wie die italienische katholische Tageszeitung „Avvenire“ am Mittwoch berichtet, erkannte Papst Franziskus am Dienstag ein Wunder auf Fürsprache Romeros an. Eine Frau mit einer nicht näher bezeichneten lebensbedrohlichen Erkrankung sei „auf wundersame Weise“ geheilt worden.

Oscar Romero starb am 24. März 1980, erschossen am Altar auf Befehl der politisch Mächtigen. Seine Ermordung war ein Fanal im heraufziehenden Bürgerkrieg zwischen Sicherheitskräften, rechten Todesschwadronen und linken Guerillagruppen. Bis 1992 kamen rund 75.000 Menschen ums Leben.

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Er war ein unbequemer Kämpfer für Gerechtigkeit. Sein kompromissloses Eintreten für die Menschen am Rande der Gesellschaft machte Oscar Arnulfo Romero zu einer Symbolfigur für eine Kirche an der Seite der Armen. Der Erzbischof von San Salvador wurde am 24. März 1980 während eines Gottesdienstes von einem Scharfschützen ermordet.


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Romero wusste um die Gefahr, denn er predigte noch unmittelbar vor seinem Tod: „Wer sich davor hütet, die Gefahren des Lebens auf sich zu nehmen, so wie es die Geschichte von uns verlangt, der wird sein Leben verlieren. Wer sich hingegen aus Liebe zu Christus in den Dienst der anderen stellt, der wird wie das Samenkorn, das stirbt, aber in Wirklichkeit lebt.“

Hunderttausende Pilger sowie Staatsspitzen aus ganz Lateinamerika kamen im Mai 2015 zu seiner Seligsprechung in San Salvador. Doch warum hat sich der Prozess so lange hingezogen? Zehn Jahre gingen ins Land, bis er in San Salvador auf lokaler Ebene eröffnet wurde. 1997 kam er dann in Rom bei der zuständigen Heiligsprechungskongregation an. Doch erst nach 17 Jahren Wartezeit, in der Hunderte Zeugen gehört, zahlreiche Predigten Romeros rekonstruiert und Aktenberge gesichtet wurden, war es 2015 soweit.

Der Steyler Missionar Christian Tauchner arbeitete über zwei Jahrzehnte in Lateinamerika. Er sieht einen Grund für die Verzögerung in den parteipolitischen Nachwehen der damaligen Zeit. Andererseits sei in San Salvador der Prozess vom zweiten Nachfolger Romeros, Erzbischof Fernando Saenz Lacalle (85) vom Opus Dei, gebremst worden. Durch ihn sei es zu der „absurden Situation“ gekommen, so Tauchner, dass in der Kathedrale „der Bischof eine trockene, formell richtige Liturgie feierte, ohne von Romero zu reden oder sich auf sein geistliches Erbe zu beziehen“; und in der Unterkirche der Kathedrale hätten die Basisgemeinden jeden Sonntag am Grab Romeros gefeiert: „in Wirklichkeit zwei Kirchen mit gegensätzlichen Ausrichtungen“.

Derzeit allerdings weht der Wind in der Kirche franziskanisch-romerianisch. Der langjährige Weihbischof in San Salvador, Gregorio Rosa Chavez (75), der seit 1982 unter drei Erzbischöfen diente, macht viele Ähnlichkeiten zwischen Romero und Papst Franziskus aus. „Romero ist die Ikone des Hirten, wie Papst Franziskus sie im Sinn hat“, sagt er. „Die Ikone der Kirche, wie Franziskus sie sich vorstellt: eine arme Kirche für die Armen.“ Wie Papst Franziskus verkünde Romero das Evangelium zuerst durch sein Zeugnis, dann durch seinen Lebensstil „und erst an dritter Stelle durch sein Wort“.

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„Wie kann man als Christ, als Christin inmitten von Armut und Ungerechtigkeit leben?“ Dies ist die Ausgangsfrage, aus der in der 1960er und 1970er Jahren eine bedeutende theologische Strömung entsteht, die bis heute weltweiten Einfluss ausübt: die Theologie der Befreiung.


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Franziskus wiederum schätzt den romero-affinen Weihbischof so sehr, dass er ihn in den Kardinalsstand erhob – auch das eine sehr ungewöhnliche Konstellation. Ein genauerer Blick auf die Vorgeschichte zeigt freilich, dass die Papstwahl von 2013 vermutlich nicht der allein entscheidende Punkt für das nun leuchtende Grüne Licht war. Schon Benedikt XVI. (2005-2013) hatte 2007 während seiner Brasilien-Reise erklärt, dass Romero aus seiner Sicht die Seligsprechung verdiene.

Doch das von Fachleuten im Vatikan über viele Jahre immer wieder kolportierte Argument, man könne leider nicht sicher sagen, ob der Mörder und seine Hintermänner Romero aus „Hass gegen den Glauben“ oder doch eher wegen seiner politischen Parteinahmen gegen die Regierung töteten, war nicht leicht auszuräumen.

Nun scheint es jedoch soweit zu sein. Zwar stehe der Termin der Heiligsprechung bislang noch nicht fest. Papst Franziskus werde ihn jedoch voraussichtlich auf einer Kardinalsversammlung, die für die erste Maihälfte erwartet wird, bekanntgeben, berichtet „Avvenire“. Die Zeit zur Neubesinnung auf das Erbe von Oscar Romero ist günstig, ohne dass die Wunden zwischen den einst verfeindeten Lagern wieder aufgerissen werden müssen. Die einstige Guerilla-Bewegung FMLN ist heute eine etablierte politische Partei, und die mutmaßlichen militärischen und politischen Hintermänner der Ermordung sind tot oder im hohen Greisenalter.

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Stationen im Leben und Wirken von Erzbischof Oscar Romero

 

15. August 1917: Geburt in Ciudad Barrios, 100 Kilometer östlich der Hauptstadt San Salvador

 

1937: Theologiestudium in San Salvador, später in Rom

 

1942: Priesterweihe in Rom

 

1944-1967: Seelsorger in der Diözese San Miguel; zahlreiche soziale und karitative Initiativen

 

1967-1974: Generalsekretär der Bischofskonferenz

 

1970: Weihbischof in San Salvador, zudem Herausgeber der Bistumszeitung «Orientacion» und zwischenzeitlich Rektor des Seminars

 

Oktober 1974: Bischof von Santiago de Maria

 

Februar 1977: Erzbischof von San Salvador

 

März 1977: Ermordung seines Jesuiten-Freundes Rutilio Grande

 

1978: Unterredung mit Papst Paul VI. in Rom

 

1978 und 1979: Nominierung für den Friedensnobelpreis

 

April 1979: erstes Gespräch mit Johannes Paul II.

 

Oktober 1979: Staatsstreich in El Salvador

 

Januar 1980: Zweites Gespräch mit Johannes Paul II.

 

23. März 1980: Appell Romeros an die Armee, nicht auf das eigene Volk zu schießen

 

24. März 1980: Ermordung in einer Krankenhauskapelle in San Salvador

 

30. März 1980: Beisetzung

 

1980-1992: Bürgerkrieg in El Salvador

 

1990: Einleitung des Seligsprechungsverfahrens auf Diözesanebene

 

1997: Übermittlung der Akte nach Rom

 

Februar 2015: Romero wird vom Vatikan als Märtyrer anerkannt

 

23. Mai 2015: Seligsprechung in San Salvador

 

7. März 2018: Die katholische Tageszeitung „Avvenire“ berichtet von der bevorstehenden Heiligsprechung Romeros

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