Der Vatikan und die Frauenfrage

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  • Vatikan - 05.03.2018

Die Kirche und die Frauen – darüber sind schon ganze Bücher geschrieben worden. Vor dem Weltfrauentag am 8. März ist das Thema gleich in mehrfacher Weise innerhalb und außerhalb der Mauern des Vatikan präsent.

Am vergangenen Donnerstag sorgte das Magazin „Donne, Mondo, Chiesa“ („Frauen, Welt, Kirche“) der Vatikanzeitung „Osservatore Romano“ für Schlagzeilen – bis hin zur New York Times. Grund des Aufsehens ist ein Beitrag, in dem Ordensfrauen erzählen, wie übel ihnen zum Teil in der Kirche mitgespielt wird. Vielfach behandelten Kleriker Ordensfrauen wie niedere Bedienstete, klagen mehrere Schwestern in dem Beitrag. Dahinter stecke oft die Vorstellung, „dass ein Priester alles und eine Nonne nichts ist. Der Klerikalismus tötet die Kirche“, kritisiert eine Ordensfrau.

Einen Tag später dokumentierte der „Osservatore“ ein Vorwort des Papstes für das Buch einer spanischen Sozialwissenschaftlerin. Darin kritisiert Franziskus Machismo, Frauenhandel, Gewalt und Sexismus auch in fortschrittlichen Gesellschaften. Und in der Kirche gleite „die dienende Rolle, zu der jeder Christ aufgerufen ist, für Frauen manchmal in Knechtschaft ab“. Das sagt Franziskus nicht zum ersten Mal. Bereits 2013 verwendete er diese Formulierung in einer Ansprache an den Päpstlichen Laienrat.

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Neu sind weder die Erfahrungen der Ordensfrauen noch ist es die Kritik von Franziskus. Aber wenn kritische Töne zur Benachteiligung von Frauen aus der Männerbastion des Vatikan zu hören sind, sorgt das für Aufmerksamkeit – insbesondere, wenn in wenigen Tagen, am 8. März, der Weltfrauentag ansteht.

„Was die Haltung von Papst Franziskus zu Frauenthemen angeht, steht das Urteil noch aus“, schreibt die indische Feministin und Theologin Astrid Lobo Gajiwala beim Stichwort „Frauen“ in einem am Freitag erschienen „Pope-Francis-Lexicon“, herausgegeben von zwei US-Journalisten. Nicht wegen weitreichender Veränderungen für Frauen, sondern wegen seiner inneren Haltung hält Lobo das katholische Kirchenoberhaupt für grundsätzlich frauenfreundlich.

Sie führt dazu unter anderem „Amoris laetitia“ an, Franziskus' Lehrschreiben zu Ehe und Familie. Darin kritisiere der Papst eine Benachteiligung von Frauen in Familien und verurteile Vergewaltigungen in der Ehe. Ein Vergehen, das in ihrer Heimat Indien noch immer nicht unter Strafe gestellt sei, beklagt Lobo.

Doch das Bild des Reformpapstes bleibt nach Ansicht der feministischen Theologin widersprüchlich. Einerseits spreche sich Franziskus für eine stärkere Rolle von Frauen in der Kirche aus, halte sie andererseits aber von wichtigen Entscheidungen fern. So waren zur Familiensynode 2015 zwar 30 Auditorinnen geladen, hatten aber kein Stimmrecht, was an der rechtlichen Struktur einer Bischofssynode lag.

Ein ähnliches Bild bietet sich bei der Päpstlichen Lateinamerika-Kommission. Ab Dienstag berät das nur aus Kardinälen und Bischöfen bestehende Gremium im Vatikan über „die Frau als Säule der Kirche und Gesellschaft in Lateinamerika“. Immerhin wurden zusätzlich kirchliche und gesellschaftliche Verantwortungsträgerinnen aus der Region eingeladen.

Für Diskussionen sorgt auch eine internationale Konferenz über Frauenrechte. Für das diesjährige Thema mangelnder Geschlechtergerechtigkeit in großen Organisationen wie der katholischen Kirche zieht der Veranstalter „Voices of Faith“ in Gebäude des Jesuitenordens um. „Voices of Faith“ ist eine Initiative der Fidel-Götz-Stiftung, die sich für Frauenrechte einsetzt.

Grund des Ortswechsels ist die Weigerung der zuständigen Vatikanbehörde, drei geplante Referentinnen zu akzeptieren. Was innerhalb des Vatikan gesagt werde, sehe man von außen immer auch als Position des Papstes und der Kirche an, begründete Kardinal Kevin Farrell vom vatikanischen Ministerium für Laien, Familie und Leben die Ausladung. Gleichwohl werde man die Tagung aufmerksam verfolgen, betont er.

Es bleibt der Eindruck, dass es Frauen mit ihren Anliegen im Vatikan immer noch schwer haben. Ob sich daran etwas ändert, hängt freilich nicht allein vom Papst ab. Immerhin habe Franziskus, so das Fazit von Astrid Lobo Gajiwala, von seinem „wohlmeinenden Patriarchat“ aus „mehr dafür getan, Frauen in der Kirche zu beteiligen, als jeder Papst vor ihm“.

Von Roland Juchem (KNA)

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