Franziskanerkustos hofft auf Einigung mit Israel

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  • Heiliges Land - 01.04.2018

Der oberste Hüter der katholischen Heiligen Stätten im Heiligen Land, Franziskanerkustos Francesco Patton (54), hofft auf eine Einigung zwischen den Kirchen und Israel im Streit über Kircheneigentum und dessen Besteuerung. Er plädiere für einen „offenen und ernsthaften Dialog – mit dem klaren Willen, die Probleme zu lösen“, sagte der Italiener im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Frage: Pater Kustos, viele Pilger haben mit Verunsicherung und Enttäuschung auf die inzwischen wieder beendete Schließung der Grabeskirche in Jerusalem reagiert. Was hat Sie zu diesem Schritt veranlasst?

Francesco Patton: Wir haben die Gründe in unserer Stellungnahme vom Sonntag erläutert: Zum einen geht es um einen Gesetzentwurf zum Kirchenland. Nach unserem Verständnis ist dieser Gesetzentwurf diskriminierend gegen uns und sehr gefährlich für das Leben der Kirche hier im Heiligen Land. Der zweite konkrete feindliche Akt waren Maßnahmen der Stadt zum Einzug der „Arnona“ genannten Grundsteuer. Dies widerspricht dem sogenannten Status quo, der diese Angelegenheiten mit den Kirchen während der osmanischen Zeit, des britischen und des jordanischen Mandats sowie auch in der Gegenwart des Staates Israel regelt. Für uns haben aber nicht ökonomische Gründe dahinter gestanden, sondern die Tatsache, dass wir keine Geschäfte betreiben, sondern für die kleine örtliche christliche Gemeinde arbeiten.

Frage: Wie sieht diese Arbeit aus?

Patton: Ich kann für meine eigene Gemeinschaft sprechen. Wir stellen mehr als 300 Wohnungen für die Christen Jerusalems zur Verfügung und erhalten dafür kein Geld. Das ist ein Weg, die Präsenz der einheimischen Christen zu unterstützen. Wir unterhalten Schulen für die einheimischen Kinder – nicht nur für Christen. Es ist daher leicht verständlich, dass wir soziale Dienste leisten, die den örtlichen Christen und der ganzen Gemeinschaft helfen. Es geht also nicht darum, dass wir keine Steuern zahlen wollen. Aber es ist üblich in dieser Stadt und zugleich Teil des Gewohnheitsrechts, dass wir einige Steuern nicht zahlen müssen. Im Gegenzug leisten wir soziale Dienste für die Gesellschaft sowie insbesondere die christliche Gemeinschaft.

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Frage: Wie hat die Welt auf die Protestaktion reagiert?

Patton: Wir haben mehr Unterstützung als Kritik erfahren. Viele Menschen haben uns ihr Verständnis für unsere Schwierigkeiten mitgeteilt und uns in verschiedener Weise unterstützt, vor allem durch Gebete. Unterstützung kam besonders von der örtlichen christlichen Gemeinschaft in Jerusalem, etwa durch friedliche Demonstrationen. Aber natürlich gab es auch Kritik. Einige Pilger etwa haben die Hintergründe nicht verstanden. Hier haben wir wahrscheinlich nicht ausreichend kommuniziert. Für diejenigen, die diese Tage miterlebt haben, war es eine Gelegenheit, das Leiden zu verstehen, das die örtlichen Christen nicht nur für ein paar Tage, sondern sehr oft erfahren.

Frage: Was sind Ihre Erwartungen, nachdem nun Israel Gesprächsbereitschaft signalisiert hat?

Patton: Die feindlichen Akte wurden gestoppt, das ist sehr wichtig. Wir schätzen die neue Initiative sehr, die wir in unserer Stellungnahme vom Dienstag als konstruktiv bezeichnet haben. Konstruktiv bedeutet aus unserer Sicht: an einem Tisch zu sitzen, einander zu respektieren und die Gründe unserer Gemeinschaft zu verstehen. Wir warten auf das erste Treffen, nachdem wir beurteilen können, ob es möglich sein wird, eine Lösung zu finden. Ich bin aber zuversichtlich, nicht zuletzt aus meiner franziskanischen Spiritualität heraus. Wir sind Menschen der Hoffnung, friedliche Menschen, die nicht gern in Kämpfe verwickelt sind. Nur müssen wir manchmal standhaft sein und Stärke zeigen, so wie wir es in diesem Fall getan haben. Der Weg zur Lösung von Problemen ist aber der offene und ernsthafte Dialog – mit dem klaren Willen, die Probleme zu lösen, nicht neue Probleme zu schaffen.

Frage: Waren sich die Kirchen in ihren Schritten einig, oder hat es Diskussionen unter den verschiedenen Kirchen gegeben?

Patton: Was die Schließung der Grabeskirche betrifft, so war dies eine Diskussion zwischen der griechisch-orthodoxen, der armenischen und der lateinischen Gemeinschaft. Bei den Treffen mit allen Konfessionen haben wir aber gespürt, dass alle sich der Bedeutung dieses Schrittes bewusst waren und uns unterstützten. Es war eine gute Erfahrung der Einheit. Meine Erfahrung in den zwei Jahren in Jerusalem ist, dass wir nicht vereint sein sollten, sondern müssen! Daher versuchen wir, gemeinsame Positionen zu beziehen. Die Erklärungen vor der Schließung der Grabeskirche sind einstimmig erfolgt. Wenn es Probleme gibt, setzen wir uns damit in der Versammlung der Kirchenführer auseinander, bis wir zu einer Einigung kommen. Wir stehen in großer Einigkeit und wissen, dass diese Einheit wesentlich für unser Leben hier ist.