Kardinal Gracias Vorsitzender indischer Bischöfe

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  • Indien - 08.02.2018

Der römisch-katholische Erzbischof von Mumbai (Bombay), Kardinal Oswald Gracias (73), übernimmt wieder den Vorsitz der katholischen Bischofskonferenz Indiens. Die mehr als 200 Mitglieder starke Vollversammlung wählte ihn am Donnerstag in Bangalore zum Nachfolger von Kardinal Baselios Cleemis Thottunkal (58), Großerzbischof von Trivandrum. Das teilte die Indische Bischofskonferenz mit. Gracias hatte den Vorsitz bereits von 2011 bis 2014 inne.

Gracias gehört auch als Vertreter Asiens der von Papst Franziskus eingesetzten Kommission aus neun Kardinälen an, die Vorschläge zur Reform der römischen Kurie unterbreiten („K-9-Rat“). Seit 2006 leitet er die westindische Erzdiözese Mumbai, die größte des Landes. Vor seinem Wechsel in die Hafenmetropole mit ihren rund 13 Millionen Einwohnern war er Erzbischof von Agra im nordindischen Bundesstaat Uttar Pradesh. Geboren an Heiligabend 1944 in Bombay, wurde er 1970 zum Priester und 1997 zum Bischof geweiht. Seit 2007 ist er Kardinal.

Der am 15. Juni 1959 geborene Cleemis Tottunkal ist das Oberhaupt der syro-malankarischen Kirche, einer mit Rom verbundenen Ostkirche, die den Papst als Kirchenoberhaupt anerkennt. Der Name geht auf das Hauptsiedlungsgebiet der Gläubigen, Malankara im südindischen Bundesstaat Kerala, sowie ihren westsyrischen Ritus zurück. Daneben gibt es auch noch die ebenfalls mit Rom unierte syro-malabarische Kirche und die lateinische (römisch-katholische) Kirche, der die große Mehrheit der indischen Katholiken angehört.

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Von den etwa 28 Millionen Christen in Indien sind rund 20 Millionen Katholiken in 174 Bistümern. Dominierend sind die Bistümer des lateinischen Ritus, die durch westliche Mission ab dem 15. Jahrhundert entstanden. Die beiden mit Rom unierten Ostkirchen führen ihre Wurzeln auf die Mission des Apostels Thomas im ersten Jahrhundert zurück. Vor allem an der Wende zum 20. Jahrhundert war die syro-malabarische Kirche starkem Latinisierungsdruck ausgesetzt.

In vielen Städten vor allem im Süden Indiens finden sich Bischofssitze aller drei Kirchenzweige. Die lateinischen, syro-malabarischen und syro-malankarischen Bischöfe bilden trotz mancher interner Differenzen zusammen die Indische Bischofskonferenz (CBCI) mit Sitz in der Hauptstadt Neu Delhi.

Indien ist ein Land mit großem Konfliktpotenzial zwischen den Religionen. Das gilt nicht nur für das Verhältnis zwischen Christen und Muslimen, sondern vor allem auch für das der Christen und der Muslime zu den Hindu-Nationalisten.

Von den etwa 1,3 Milliarden Einwohnern Indiens sind rund 80 Prozent Hindus. Die Christen machen lediglich etwa 2 Prozent aus. Dennoch ist der gesellschaftliche Einfluss der Minderheitskirche wesentlich größer als ihr Bevölkerungsanteil.

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