Clara Fey kümmerte sich um Straßenkinder

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  • Orden - 06.02.2018

Die in Aachen geborene Clara Fey wird am 5. Mai seliggesprochen. Das religiös motivierte soziale Engagement der Ordensfrau im Industriezeitalter kann auch heute Maßstäbe setzen.

Das Bild ist mit dem Aachen von heute kaum mehr in Verbindung zu bringen: Hagere Kinder in zerlumpten Kleidern, die auf der Straße ihr Dasein fristen. Was heute in Entwicklungsländern Alltag ist, prägt im Industriezeitalter des 19. Jahrhunderts auch die Stadt an der belgischen und niederländischen Grenze. Die Schicksale lassen einer jungen Frau aus wohlhabendem Haus keine Ruhe: Clara Fey entwickelt sich zu einer Aktivistin gegen die Verelendung – und zur Ordensgründerin. Am 5. Mai wird sie seliggesprochen.

Nicht nur der karolingische Dom, sondern auch Tuchindustrie und Nadelfabriken bestimmen die Stadt zu Claras Kinder- und Jugendzeiten. Von damals stammt der Begriff „Klenkes“, der den verkrümmten kleinen Finger der rechten Hand bezeichnet, der sich bei vielen Einwohnern findet. Ursache der Missbildung ist das monotone „Ausklinken“ fehlerhafter Exemplare bei der Nadel-Produktion.

Immer öfter beginnen Maschinen, die Arbeit der Menschen zu ersetzen. Mit 15 Jahren erlebt Clara Fey, wie Arbeiter sich in einem Aufstand gegen den Job-Verlust wehren. Familien brechen auseinander, Kinderprostitution nimmt zu. Claras Familie selbst besitzt eine Spinnerei und ist gut betucht. Aber was sich rundherum abspielt, lässt ihr keine Ruhe.

Übersicht

Ordensgemeinschaften sind weltweit präsent und untereinander vernetzt – dies macht sie zu einem wichtigen Träger weltkirchlicher Arbeit. Das Internetportal gibt einen Überblick über die rund 120 missionierenden Orden, die von Deutschland aus tätig sind.


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Sie fertigt Mäntel für Bedürftige an. Mit 22 Jahren gewinnt Clara drei Freundinnen für die Idee, „ein Schülchen“ anzufangen. Mit etwas Essen und Kleidung „motivieren“ sie Straßenkinder, Lesen und Handarbeiten zu lernen. Bald wird der angemietete Raum wegen der wachsenden Schülerzahl zu klein, und es folgen mehrere Umzüge. Die Häuser entwickeln sich zu einer Art Waisenhaus.

In dieser Zeit wächst unter den Betreuerinnen der Wunsch, um ihre karitative Arbeit herum auch eine geistliche Gemeinschaft zu gründen. Am 2. Februar 1844 wird die „Kongregation der Schwestern vom Armen Kinde Jesus“ gegründet. In dem fremd klingenden Namen drückt sich ihre Spiritualität aus: Im göttlichen Kind Jesus erkennen die Schwestern die verelendeten Kinder wieder.

Die Gemeinschaft zieht mehr und mehr Frauen an. 1864 verzeichnet sie 25 Häuser. Um die soziale Arbeit zu finanzieren, suchen die Schwestern nach Einnahmequellen. In Stick-Ateliers fertigen sie Messgewänder an, aber auch profane Decken, die selbst beim preußischen Königshaus Anklang finden. Wirtschaftlichen Erfolg haben sie zudem mit Krippenfiguren aus Wachs.

Schwierige Zeiten beginnen für die Kongregation mit dem Kulturkampf im Kaiserreich. Die Schwestern müssen die Schulen schließen und sich außerhalb von Deutschland neue Wirkungsstätten suchen. Das Mutterhaus verlegt Clara aus Aachen in das nahe niederländische Simpelveld. Mit dem Ende des Kulturkampfes kehren die ersten Schwestern 1887 wieder nach Deutschland zurück.

Drei Ordensfrauen der „Schwestern vom armen Kinde Jesus“ laufen durch den Kreuzgang des Klosters Burtscheid in Aachen. Die Kongregation wirkt heute in 12 Ländern.

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Die Ordensgründerin stirbt am 8. Mai 1894 mit 79 Jahren in einem Lehnstuhl in ihrem Zimmer in Simpelveld. Auf dem Klosterfriedhof dort wird sie beigesetzt. Ihr damaliger Wohnraum ist erhalten geblieben und soll in einem Museum zu sehen sein, das am 8. Mai im ehemaligen Kloster eröffnet wird. Inzwischen befindet sich Claras Leichnam aber wieder am Ursprungsort der Ordensgemeinschaft; 2012 wurde der Sarg nach Aachen gebracht – 134 Jahre nach Claras Ausweisung aus Preußen.

450 Schwestern zählt die Kongregation heute, die in zwölf Ländern wirken. Während der Orden in Europa unter Mitgliedermangel leidet, erlebt er in Entwicklungsländern wie Indonesien Zuspruch. Auch heute gebe es viele Sozialwaisen, denen ihre Gemeinschaft eine Heimat bieten wolle, betont die aus Luxemburg stammende Generaloberin Henriette Mensen.

Derzeit richtet sich der Blick des Ordens ganz auf die Seligsprechung. Bereits 1916 wurde der Prozess dazu in Gang gesetzt, die nun am 5. Mai und damit rund um den Todestag von Clara Fey erfolgen soll. Am Tag darauf werden die Gebeine Claras von der Bischofsgruft im Aachener Dom in die Kind-Jesu-Kapelle in der Jakobstraße übertragen. Dort befindet sich das ehemalige Mutterhaus, in dem auch die Generalleitung wieder ihren Sitz hat. Und dort soll Clara ihre endgültige Ruhe finden.