Misereor: Deutsche Firmen umgehen Steuern in Afrika

  • Steuern - 02.02.2018

Wenn ausländische Konzerne in Deutschland produzieren, aber keine Steuern zahlen, ist die Empörung groß. Doch deutsche Konzerne in Afrika verhalten sich nicht besser, kritisiert das Hilfswerk „Misereor“.

Das katholische Hilfswerk „Misereor“ wirft in Afrika tätigen deutschen Konzernen vor, ihre Steuerlast auf Kosten von Entwicklungsländern zu mindern. „Hiesige Unternehmen entziehen sich häufig dem Fiskus in diesen armen Staaten, indem sie ihr Geld durch Tochtergesellschaften oder Briefkastenfirmen in Steueroasen schaffen, um so die fällige Körperschaftssteuer zu senken“, sagte der Misereor-Referent für „Nachhaltiges Wirtschaften“, Klaus Schilder, am Donnerstag im Gespräch mit katholisch.de.

Der Kapital-Abfluss durch Konzerne aus Deutschland und anderen EU-Staaten hemme die Entwicklung armer Länder erheblich, erklärte Schilder. Internationale Konzerne und wohlhabendende Einheimische, die ihr Geld ins Ausland transferierten, brächten afrikanische Länder insgesamt jährlich um geschätzte 14 Milliarden US-Dollar Steuereinnahmen. Darüber, welche deutschen Unternehmen diese Art der Steuervermeidung praktizieren, liegen Misereor jedoch laut Schilder keine Erkenntnisse vor.

Hilfswerk: Bundesregierung begünstigt Steuervermeidung in armen Ländern

Der Bundesregierung wirft Misereor vor, die Steuervermeidung deutscher Konzerne in Entwicklungsländern durch mangelnde Transparenz im Finanzsektor zu begünstigen. Deutschland habe bislang nur mit wenigen ärmeren Entwicklungsländern Abkommen über einen wechselseitigen Austausch von Finanzinformationen abgeschlossen. Dadurch sei es vielen afrikanischen Staaten nicht möglich, die Kapital-Abflüsse ins Ausland zu kontrollieren, erklärte Schilder. Diese Lücke nutzten nicht nur europäische Unternehmen aus, sondern auch korrupte Angehörige der politischen und wirtschaftlichen Eliten Afrikas. Deutschland sei für sie eines der beliebtesten Zielländer, wenn es um die Verschiebung von Kapital ins Ausland gehe, so Schilder.

Misereor verwies auf den am Montag veröffentlichten Schattenfinanzindex des „Tax Justice Network“ (Netzwerk Steuergerechtigkeit), in dem Deutschland Platz 7 belegt. Das sei ein „Armutszeugnis“, so Schilder. Insgesamt zeige der Index, dass die EU-Länder ein „Eldorado für Steuervermeider und Geldwäsche“ seien. Das Netzwerk Steuergerechtigkeit ist ein Zusammenschluss von Gewerkschaften, Umweltverbänden und wissenschaftlichen Institutionen.

Das katholische Hilfswerk kritisiert insbesondere, dass in Deutschland der Verdacht, Gelder gingen auf Untreue, Erpressung und Vorteilsnahme zurück, nicht automatisch Ermittlungen wegen möglicher Geldwäsche auslöse, wie dies in anderen europäischen Ländern der Fall sei.

Studie: Deutschland ist „Geheimoase für ausländisches Vermögen“

Das Netzwerk Steuergerechtigkeit hatte der Bundesrepublik vorgeworfen, „weiterhin eine Geheimoase für ausländisches Vermögen“ zu sein. Die Pläne zur Bekämpfung von Kapitalflucht als Reaktion auf die Panama-Papers bezeichnete das Netzwerk als „völlig unzureichend“. Für den Schattenfinanz-Index ausgewertet wurden der Umfang des Bankgeheimnisses eines Landes, die Existenz öffentlicher Register und Jahresabschlüsse von Firmen sowie die Bereitschaft von Behörden, Informationen weiterzugeben. Dieser „Geheimhaltungswert“ ergibt zusammen mit dem Anteil am globalen Markt der grenzüberschreitenden Finanzdienstleistungen die Platzierung in dem Ranking. Deutschland hat einen mittleren „Geheimhaltungswert“, aber eine hohe globale Gewichtung. Mehr als fünf Prozent der weltweiten Offshore-Finanzgeschäfte wurden laut dem Netzwerk in Deutschland abgewickelt.

Von Thomas Jansen

© Katholisch.de