Papst beendet Lateinamerika-Reise

  • Peru - 22.01.2018

Zum Abschluss seiner Peru-Reise hat Papst Franziskus am Rand von Lima einen Gottesdienst vor einer gewaltigen Menschenmenge gefeiert. Nach Schätzung der Behörden kamen am Sonntagnachmittag knapp 1,3 Million Menschen auf das Gelände des Luftwaffenstützpunktes Las Palmas. Es war der mit Abstand meistbesuchte Gottesdienst seiner Lateinamerika-Reise. Dabei warnte Franziskus die Menschen davor, mutlos zu werden. Das Evangelium sei ein „Gegenmittel für die Globalisierung der Gleichgültigkeit“, sagte Franziskus.

Am letzten Tag seiner knapp einwöchigen Lateinamerika-Reise hatte der Papst die peruanischen Bischöfe aufgefordert, wagemutiger zu sein und Missstände anzuprangern. Die Jugend mahnte er, den Perfektionismus der digitalen Welt nicht auf Menschen anzuwenden. „Wir können nicht die anderen, die Wirklichkeit noch uns selbst mit Photoshop bearbeiten“, so Franziskus. Ein Schwerpunkt der 22. Auslandsreise des Papstes waren Begegnungen mit indigenen Völkern in Chile und Peru.

Gegenüber den peruanischen Bischöfen stellte Franziskus in seiner Ansprache am Sonntagvormittag (Ortszeit) in Lima einen „Straßenbischof“ als Vorbild dar - den heiligen Toribio von Mogrovejo (1538-1606). Von den 22 Jahren im Bischofsamt habe Toribio 18 Jahre außerhalb seiner Stadt verbracht, „um die Entfernten und Verstreuten zu suchen“, so Franziskus.

Hilfswerke - 19.01.2018

Caritas international sieht durch den Besuch von Papst Franziskus im peruanischen Amazonasgebiet die Bemühungen des Hilfswerks gegen den Klimawandel gewürdigt.


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Ordensfrauen in Lima forderte Franziskus auf, mit ihrem Gebet anderen Menschen „in ihrem Leiden zur Seite zu stehen“. Damit träten sie ein für „Gefangene, Migranten, Flüchtlinge und Verfolgte, verwundete Familien, Arbeitslose, Arme, Kranke und Suchtopfer“.

Am Samstag hatte Papst Franziskus die vielen Fälle von Morden an Frauen auf dem amerikanischen Kontinent kritisiert. Es gelte, gegen die „Plage“ des Femizids zu kämpfen, die den „amerikanischen Kontinent heimsucht“, so der Papst in der nordperuanischen Stadt Trujillo.

Chile - 17.01.2018

Papst Franziskus ist in Chile mit Missbrauchsopfern zusammengetroffen. Die Begegnung fand am Dienstagmittag in „strikt privater Form“ in der Nuntiatur statt, wie Vatikansprecher Greg Burke am Abend in Santiago mitteilte.


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Zu Beginn seiner Peru-Reise hatte Franziskus im Amazonasgebiet die zunehmende Ausbeutung der Region angeprangert. Es gab ein Treffen mit Indigenen. Erst anschließend fand die formelle Begrüßung im Präsidentenpalast in Lima statt. Dort rief Franziskus die Verantwortungsträger auf, mehr gegen Raubbau an der Natur und gegen Menschenhandel zu tun. Zudem prangerte er die Korruption an, die wie ein „Virus“ viele Völker und Demokratien Lateinamerikas befallen habe.

Zuvor hatte der Papst drei Tage lang das Nachbarland Chile besucht. Neben Begegnungen mit führenden Politikern standen Treffen mit Betroffenen von Missbrauch und Angehörigen der Mapuche-Minderheit sowie ein Gespräch mit einem Opfer der Militärdiktatur unter General Augusto Pinochet (1973-1990) auf dem Programm.

Der Besuch in Chile wurde begleitet von Debatten um den wegen eines Missbrauchsskandals kritisierten Bischof Juan Barros. Er wird beschuldigt, sexuelle Vergehen eines Priesters gedeckt zu haben. Belastbare Belege dafür gibt es bislang nicht. Der Papst stellte sich schützend vor ihn, was zu heftiger Kritik führte.

International für Aufsehen sorgte am Donnerstag eine Blitztrauung, die Franziskus bei einem Inlandsflug leitete. Zwei Flugbegleiter gaben sich vor dem Papst noch einmal ihr Ja-Wort; zivil ist das Paar bereits seit acht Jahren verheiratet. Franziskus fragte: „Wollt ihr heiraten? Dann machen wir das jetzt.“

Aus Argentinien, dem Heimatland des Papstes, wurde die neuerliche Lateinamerika-Reise mit Kritik begleitet. Nach seiner Wahl vor knapp fünf Jahren hat Franziskus zwar viele Nachbarländer besucht; in seine Heimat ist er aber seitdem nicht zurückgekehrt.

Nach einer Abschiedszeremonie auf dem Flughafen von Lima trat der Papst am frühen Sonntagabend die Rückreise nach Rom an.

© KNA

Chile - 16.01.2018

Auch Chile hat seinen 11. September erlebt: An jenem Tag griffen Bomber der eigenen Luftwaffe den Präsidentenpalast an, Salvador Allende, das gescheiterte linke Staatsoberhaupt, nahm sich in den brennenden Gemäuern das Leben. Was folgte, war die Diktatur von General Augusto Pinochet. Fast 45 Jahre ist das her, aber das Trauma sitzt tief im Nationalbewusstsein, tiefer vielleicht als die Wende zur Demokratie seit 1989.


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