„Die Indigenen Mexikos werden immer präsenter“

  • Mexiko - 12.01.2018

Erzbischof Felipe Arizmendi Esquivel leitete 17 Jahre lang die Diözese San Cristobal de las Casas im mexikanischen Bundesstaat Chiapas. In dem ärmsten Bundesstaat des mittelamerikanischen Landes leben mehrheitlich Indigene. Im November ernannte Papst Franziskus Rodrigo Aguilar Martínez zu seinem Nachfolger. Im Interview blickt der Dominikaner auf sein Amt zurück und spricht über die zunehmende Bedeutung der Indigenen für die Kirche und Gesellschaft Mexikos.

Frage: Herr Erzbischof, welche Folgen hatte der Papstbesuch 2016 für die Indigenen in Chiapas?

Arizmendi: Das Wichtigste war, dass die Indigenen sich als wichtiger Teil der Gesellschaft und der Kirche fühlten und er ihnen auch ihre Würde zurückgegeben hat. Und er hat ihnen gezeigt, dass sie auch ganz wichtig sind für die Kirche mit ihren eigenen Ausdrucksformen und ihren Formen zu leben. Das war ein sehr nachhaltiges Ergebnis.

Frage: Im September 2017 hat Papst Franziskus ein Dekret erlassen, mit dem er die Übersetzung der liturgischen Texte der Indigenen in die Hand der örtlichen Bischofskonferenzen legt. Wie hat man das hier aufgenommen?

Arizmendi: Das neue Dekret ist ganz wichtig, weil der Papst uns damit die Verantwortung gegeben hat, eine Dezentralisierung hat stattgefunden: Er übergibt dieses wichtige Thema der Inkulturation den lokalen Bischofskonferenzen. Denn sie wissen, wie mit den indigenen Sprachen und Kulturen umzugehen ist; sie haben die Experten. Es ist ein Zeichen, dass er uns das Vertrauen gibt, diese Inkulturation in den verschiedenen Sprachen und Kulturen richtig umzusetzen.

Indigene Völker - 12.01.2018

Papst Franziskus begegnet bei seinen Lateinamerika-Reisen immer wieder Indigenen und spricht sich für ihre Rechte aus. So auch in Mexiko, wo er 2016 in San Cristobal im Bundesstaat Chiapas eine Messe mit den Nachfahren der Maya feierte. Wie ergeht es den Indigenen heute? Claudia Zeisel hat eine Dorfgemeinschaft der Tzeltal-Maya in Chiapas besucht.


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Zum Tag der Toten hat Erzbischof Arizmendi im Bischofshaus ein Bild seiner verstorbenen Eltern auf einem Altar aufgestellt.

Claudia Zeisel

Frage: Die Indigenen in Mexiko emanzipieren sich in vielen Bereichen: Es gibt indigene Abgeordnete, Priester. Wie fasst das die mexikanische Kirche auf?

Arizmendi: Wir sehen es wirklich als eine Gnade Gottes, dass die Indigenen in der Kirche und der Gesellschaft viel präsenter sind. In der Gesellschaft ist es so: Sie benutzen alle modernen Medien, sogar im Urwald finden sie die Verbindung zu Social Media, haben Satelliten. Sie besuchen auch Universitäten, sie sind stärker in der Gesellschaft und der Politik vertreten. Und wir sehen auch ganz stark, dass sie in der Kirche aktiv sind. Die meisten unserer Katecheten und Diakone sind Indigene und auch im Priesterseminar sind über die Hälfte der jungen Männer, die Priester werden wollen, indigener Abstammung.

Frage: Im November hat Papst Franziskus einen neuen Bischof von San Cristobal de las Casas benannt, Rodrigo Aguilar Martínez. Wie blicken Sie auf ihre Aufgabe zurück?

Arizmendi: Ich habe als Bischof in Chiapas insgesamt 26 Jahre gearbeitet, erst in einer Nachbardiözese und dann 17 Jahre hier in San Cristobal. Ich bin sehr dankbar, dass ich hier sein durfte. Und ich freue mich, dass mein Nachfolger ein Bischof ist, der den Kontakt zu den Menschen sucht und – was die wichtigste Voraussetzung war – den Kontakt zu den Indigenen sucht. So kann er ein würdiger Nachfolger von Bischof Samuel Ruiz werden.

Das Interview führte Claudia Zeisel.

© weltkirche.katholisch.de

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In diesem Dossier werden die Glaubens- und Lebenswelt ausgewählter indigener Völker vorgestellt.


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