Chinas Heißhunger auf Esel

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  • Afrika/China - 09.01.2018

In Deutschland begegnet man Eseln vornehmlich im Zoo, in Afrika hingegen sichern sie vielen Bauern das Überleben. Ausgerechnet dort werden die Tiere nun immer teurer – schuld daran ist die chinesische Medizin.

Egal, ob man durch Mali, Burkina Faso oder den Niger reist. Überall stehen sie an den Straßenrändern und suchen nach Essbarem, ziehen schwere Karren, werden auf den Feldern vor den Flug gespannt und ersetzen mancherorts sogar die Müllabfuhr. Ein Leben ohne Esel ist in vielen afrikanischen Ländern unvorstellbar.

„Esel sind wichtige Nutztiere für die Menschen im ländlichen Raum. Wer einen Esel besitzt, braucht seine Waren nicht mehr selbst auf dem Kopf transportieren und kann mit Transportdiensten Geld verdienen“, erklärt Sabine Dorlöchter-Sulser, Referentin für ländliche Entwicklung in der Afrika-Abteilung des katholischen Hilfswerks Misereor, die Bedeutung der Tiere. Ihr großer Vorteil gegenüber Pferden und Ochsen: „Esel sind enorm genügsam und anspruchslos.“

So viel zur Rolle des Esels in Afrika. Auch in China sind die Tiere sehr gefragt – allerdings aus einem ganz anderen Grund: Dort sind sie Lieferanten für Fleisch und Gelatine. Letztere gewinnt man, in dem die eingeweichte Haut ausgekocht wird. Dabei entsteht das Luxus-Produkt Ejiao, das in der traditionellen chinesischen Medizin genutzt und mitunter als schwarze Gelatine bezeichnet wird. Seit 2.500 Jahren soll es schon bekannt und begehrt sein. Ein Kilo kann bis zu umgerechnet 320 Euro kosten.

Beliebt ist aber auch das Fleisch. In dieser Woche berichtete die Tageszeitung „China Daily“ über eine Razzia in Hejian, einer Stadt 200 Kilometer südlich von Peking. Dort war offenbar falsches, viel zu günstiges Eselfleisch aufgetaucht. Ein Skandal, ist die Stadt doch seit jeher für ihre „Eselburger“ bekannt.

Die Lust auf Esel kann China schon lange nicht mehr selbst befriedigen. Schätzungen zufolge soll sich der Bestand innerhalb von 20 Jahren halbiert haben und heute bei 5,4 bis 6 Millionen Tieren liegen. Die Eselzucht gilt als langwierig und kompliziert. Vergangenes Jahr berichtete die „China Post“ zwar über ein Zuchtprogramm, das „K-P China Sustainable Donkey Development Programme“ in Pakistan, mit dem Nachwuchs für den chinesischen Markt herangezüchtet werden soll. Doch das reicht nicht aus. Deshalb werden seit 2015 immer häufiger Grautiere in Afrika aufgekauft.

Eine fatale Entwicklung, so Expertin Sabine Dorlöchter-Sulser: „Allein aus Burkina Faso wurden im Zeitraum von sechs Monaten in 2016 etwa 60.000 Häute ausgeführt. Der Schwund des Eselbestands wurde so dramatisch eingeschätzt, dass Mitte 2016 Exportverbote verhängt wurden.“ Inzwischen dürften weder Esel, noch Eselhäute oder ähnliche Produkte aus Burkina Faso exportiert werden. Auf dem ganzen Kontinent folgten sechs weitere Staaten dem Beispiel.

China interessiert das jedoch wenig, im Gegenteil: Zum Jahreswechsel wurden die Einfuhrzölle für Eselhäute von fünf auf zwei Prozent gesenkt. Was afrikanischen Bauern die Zukunft zusätzlich erschwert, soll der chinesischen Wirtschaft helfen. Im Land heißt es, dass Importunternehmen so unterstützt würden. Sie sparen hohe Kosten bei den Einfuhren.

In Afrika müssen sich Bauern mittlerweile aber nicht mehr nur Sorgen machen, dass die Preise für Esel weiter steigen. Mancherorts haben sie sich binnen weniger Wochen verdreifacht. Ein Esel kostet umgerechnet mitunter mehr als 150 Euro. Überall haben außerdem Eseldiebstähle zugenommen. Besonders viele Berichte stammen aus Ostafrika. Der Schwarzmarkt boomt.

Für Sabine Dorlöchter-Sulser ist es deshalb wichtig, dass sich auch andere Länder dem Exportverbot zügig anschließen. Es könne jedoch nur wirksam werden, wenn staatliche Behörden es mit Nachdruck durchsetzten. „Es ist zu hoffen, dass das Verbot mit aller gebotenen Härte umgesetzt wird und alle Zuwiderhandlungen streng geahndet werden“, betont sie. Denn eins ist klar: Das genügsame Grautier wird sich auf dem Kontinent so schnell nicht ersetzen lassen und vor allem für Kleinbauern auch künftig unverzichtbar sein.