Afrikatag: Versöhnung in Ruanda

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Beim Afrikatag 2017 nimmt Missio die Versöhnungsarbeit in Ruanda in den Blick. 22 Jahre nach dem Völkermord der Hutu an der Tutsi-Minderheit, dem mehr als 800.000 Menschen zum Opfer fielen, sind besonders die einheimischen Priester gefragt. Sie wollen bei der Aufarbeitung der schmerzlichen Vergangenheit helfen und Wege der Versöhnung finden. Wie in Ruanda sind Priester an vielen Orten in Afrika Hoffnungsträger. Um wirksam zu helfen, brauchen sie aber eine gute Ausbildung und eine umfassende Vorbereitung auf ihre schwierigen Aufgaben. Die Kollekte zum Afrikatag leistet dazu einen wichtigen Beitrag.

Zum Afrikatag 2017 unter dem Motto „Bereitet dem Herrn den Weg“ organisiert Missio zwischen dem 1. und 15. Januar Kollekten in den jeweiligen Diözesen.

Unterstützung der Witwen des Genozids

Im Nordwesten von Ruanda an der Grenze zum Kongo unterstützt Missio München Frauen, die im Bürgerkrieg ihren Ehemann verloren haben. Die Witwen des Genozids haben es in der Gesellschaft besonders schwer. Für viele ist die Prostitution der einzige Weg, ihre Kinder zu ernähren. Die katholische Kirche hilft diesen Frauen, neue Einkommensmöglichkeiten zu finden und die schwierige Vergangenheit zu verarbeiten.

„Es gibt viele gute Nachrichten aus Afrika“

„Ich wünsche mir, dass wir trotz aller Krisen und Konflikte nicht den Blick auf die positiven Entwicklungen verlieren, besonders wenn wir auf Afrika schauen“, sagt Gundula Gause, Schirmherrin des Afrikatags. Als diese hat sie mit Missio Länder wie Südafrika, Senegal und Kenia besucht. „Es gibt viele gute Nachrichten aus Afrika“, erklärt die Fernseh-Moderatorin und nennt drei positive Beispiele. „Die Zahl der hungernden Menschen konnte seit 1990 um 216 Millionen reduziert werden.“ Erfolge sieht Gundula Gause auch im Kampf gegen das HI-Virus. „Die Zahl der Neuinfektionen ging laut UN-AIDS in den vergangenen 15 Jahren von 3,2 auf 2,1 Millionen zurück. Dabei haben die Aufklärungsprogramme der katholischen Kirche einen wichtigen Beitrag geleistet.“ Gleichzeitig sei Afrika ein Hoffnungskontinent für den christlichen Glauben. „Während wir in Deutschland über leere Kirche klagen, stieg die Zahl der Katholiken, die zwischen Kapstadt und Kairo leben, von rund 88 Millionen im Jahre 1990 auf inzwischen rund 214 Millionen Gläubige.“

Dieser große Zuspruch der katholischen Kirche in Afrika zeigt nach Einschätzung von Prälat Klaus Krämer, Präsident von Missio in Aachen, wie wichtig die Förderung einheimischer Priester im Rahmen des Afrikatags ist. Die Spenden kommen Priestern wie Pfarrer Joseph Nayigiziki aus Ruanda zugute. „Als Elfjähriger hat er selbst die Hölle des Völkermordes miterlebt, inzwischen engagiert er sich als Seelsorger für eine nachhaltige Friedens- und Versöhnungsarbeit.“ Durch die Kollekte zum vergangenen Afrikatag konnte Missio über 1,1 Millionen Euro für die Ausbildung von Priestern in Afrika weiterleiten.

Bei Missio Aachen und Missio München finden Sie die genauen Kollekte-Termine in Ihrer Diözese sowie weitere Hintergrundinformationen.

Der Afrikatag und seine Geschichte

Im Jahr 1890 ist Afrika ein Schauplatz grausamer Menschenjagden. Menschen werden aus ihren Dörfern verschleppt und wie Vieh angeboten und versteigert. Dieser „fluchwürdigen Pest der Sklaverei“ hat Papst Leo XIII. den Kampf angesagt. Er schreibt Briefe, ruft seine Bischöfe zum Handeln auf, empfängt freigekaufte Sklaven. Doch es fehlen die Mittel, den Einsatz der Missionare zur Befreiung der Sklaven ausreichend zu unterstützen. In seiner Enzyklika Catholicae Ecclesiae wendet sich Leo XIII. schließlich an  die Katholiken und bittet um Hilfe. Alle sollen mithelfen, den „Schandfleck dieses unmenschlichen Handelns zu tilgen“ und ist die Gabe auch noch so klein.

Mehr als 125 Jahre sind seit dem päpstlichen Aufschrei über den Schandfleck des unmenschlichen Handelns vergangen. Heute kommt die Kollekte der Ausbildung kirchlicher Mitarbeiter zugute und rüstet sie aus für ihre Aufgaben an der Seite der Armen. In Afrika setzen sich die Frauen und Männer gegen moderne Formen der Sklaverei ein. Sie machen Hoffnung, wo Unterdrückung, Ausbeutung und Gewalt herrschen. Und sie begleiten die Menschen ein Stück auf ihrem Weg hin zu einem selbstbestimmten Leben. Insgesamt unterstützt Missio München derzeit 716 Projekte in 28 afrikanischen Ländern.

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