Welttag der Armen

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  • Kirche der Armen - 17.11.2017

Die katholischen Bischöfe und Hilfswerke fordern mehr Einsatz für Menschen in bitterster Armut weltweit. Diese seien oft chancenlos, und um „dies zu ändern, müssen auf nationaler und internationaler Ebene die Entscheidungen und Strukturen in Politik, Wirtschaft und Verwaltung stärker am Gemeinwohl orientiert werden“, heißt es in einer am Mittwoch in Bonn veröffentlichten Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz.

„Frieden, gute Regierungsführung und eine faire Wirtschafts- und Handelspolitik sind zur Armutsbekämpfung unabdingbar“, betonen die Bischöfe weiter mit Blick auf den von Papst Franziskus ausgerufenen ersten Welttag der Armen am Sonntag.

„Es gibt auch in Deutschland viel versteckte Armut, und die Armen schämen sich“, sagte der für Weltkirche zuständige Bamberger Erzbischof Ludwig Schick im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Damit seien „nicht nur finanzielle Nöte verbunden, sondern auch gesundheitliche Beeinträchtigungen, mangelndes Selbstwertgefühl und soziale Ausgrenzung, da mit materieller Armut oft der Verlust an gesellschaftlicher Teilhabe einhergeht“, ergänzten die Vorsitzenden der Pastoralkommission und der Kommission für caritative Fragen, Osnabrücks Bischof Franz-Josef Bode und Freiburgs Erzbischof Stephan Burger, in der Erklärung.

„Wir sehen nicht die Armen neben uns, die bei diesen Temperaturen im Freien schlafen, auf der Straße sitzen und nach Hilfe fragen“, betonte Schick im KNA-Interview. Besonders gefährdet seien auch kinderreiche Familien und ältere Menschen. Hier brauche es zum einen „mehr Kindergeld und Steuerentlastungen“ und zum anderen „gerechtere Löhne, die ausreichende Altersvorsorge ermöglichen, und die bessere Anerkennung von Erziehungszeiten“.

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„Ach, wie sehr möchte ich eine arme Kirche und eine Kirche der Armen!“ – mit diesen programmatischen Worten ruft Papst Franziskus eine Forderung ins Gedächtnis, die im Umfeld des Zweiten Vatikanischen Konzils ihre Wurzeln schlägt.


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Die Bischöfe rufen zudem auf, niemanden, der selbst- oder unverschuldet in Armut geraten ist, gering zu schätzen: „Allzu oft stehen wir dem Armen entweder distanziert oder als generöser Almosenspender gegenüber, statt ihm auf Augenhöhe zu begegnen.“ Stattdessen müssten alle Christen – wie vom Papst gefordert – an die Ränder der Gesellschaft gehen und dort konkret helfen.

Der erste Welttag der Armen, so die Bischöfe weiter, solle dafür sensibilisieren, dass jeder Einzelne sein Bewusstsein und vor allem sein Verhalten ändern müsse: „Wir laden alle ein, diesen Tag zum Anlass zu nehmen, um uns selbst und unsere Konsumgewohnheiten zu überprüfen“, so ihr Appell.

Für Caritas-Präsident Peter Neher ist der Gedenktag „eine Mahnung und Herausforderung an alle politischen und gesellschaftlichen Kräfte, nicht nachzulassen im Kampf gegen Armut und Ausgrenzung“. Armut und Ausgrenzung habe viele Gesichter. Ein Beispiel sei das Schicksal der Rohingya. Die Weltgemeinschaft stehe dieser großen weltweiten Not oftmals hilflos gegenüber. Aber auch in einem reichen Land wie Deutschland gebe es Armut und Ausgrenzung. Er forderte von einer neuen Bundesregierung, die Bekämpfung der Armut von Kindern und Familien sowie die wachsende Altersarmut „ganz oben“ anzusiedeln.