Komplexe Themen bei Vollversammlung des ZdK

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  • Zentralkomitee der deutschen Katholiken - 16.11.2017

Komplexe Themen stehen auf der Tagesordnung der Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK). Allen voran Kirchenfinanzen: das Gremium fordert mehr Laien-Beteiligung und einen „Bundeskirchensteuerrat“.

Europäische Asylpolitik, Kirchenfinanzen, deutsch- polnische Beziehungen: Am Freitag und Samstag nächster Woche tagt die Herbstvollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken in Bonn. Dort kommen rund 220 Mitglieder des ZdK zusammen, des höchsten repräsentativen Gremiums des deutschen Laien-Katholizismus. Auf der Tagesordnung stehen außerdem turnusgemäß Wahlen – unter anderem des Präsidiums und des Präsidenten: Thomas Sternberg ist seit zwei Jahren im Amt und der einzige Kandidat.

Einer der Schwerpunkte ist die Debatte über den Umgang mit Finanzen in der katholischen Kirche. Sternberg hatte sich mehrfach für eine Stärkung der überdiözesanen Aufgaben ausgesprochen. Hierzu soll eine Erklärung verabschiedet werden, in der eine langfristige Absicherung der Finanzierung, Transparenz und Beteiligung gefordert werden. Hintergrund ist die Kritik aus den vergangenen Monaten an einem Spar- und Erneuerungsprozess der katholischen Bischöfe.

Im Mittelpunkt steht dabei der Haushalt des Verbands der Diözesen Deutschlands (VDD) mit beabsichtigten Kürzungen von Zuschüssen bis hin zu kompletten Streichungen. Aus diesem Haushalt werden unter anderem gemeinschaftliche Aufgaben der 27 deutschen Bistümer finanziert: etwa Medienaktivitäten, Zuschüsse für kirchliche Verbände oder die Finanzierung der Auslandsseelsorge. Gegen einige der Pläne hatte sich neben dem ZdK etwa auch die Friedensbewegung pax christi positioniert. Beide Organisationen erhalten Kirchensteuermittel über den VDD.

Das ZdK fordert in der Beschlussvorlage, über die in Bonn abgestimmt werden soll, den Gesamtetat nicht weiter zu reduzieren. Auch solle die Regelfinanzierung des VDD in Zukunft prozentual an das Kirchensteueraufkommen gebunden werden. Das ZdK spricht sich in der Vorlage für einen festen Anteil von drei Prozent des Kirchensteueraufkommens in Deutschland als Regelumlage für den VDD-Haushalt aus. Die Laien wollen zudem, dass alle kirchlichen Organisationen und Einrichtungen öffentlich Rechenschaft über ihre Finanzen ablegen und dass auch hinsichtlich der Finanzen des VDD mehr Transparenz geschaffen wird.

Ein anderer wichtiger Punkt ist für das ZdK die Beteiligung von Laien an Finanzentscheidungen im VDD. Deshalb schlägt das Gremium einen gewählten „Bundeskirchensteuerrat“ vor, der Beschlusskompetenzen für den Haushalt erhalten und die Mittelverwendung überprüfen soll. „Hierbei bliebe die Inkraftsetzung der Beschlüsse Aufgabe der Vollversammlung des VDD“, heißt es in der Vorlage.

Für 2016 hatte die Deutsche Bischofskonferenz im Sommer einen neuen Rekord bei den Kirchensteuereinnahmen gemeldet – trotz sinkender Mitgliederzahlen. Die katholische Kirche hatte 6,146 Milliarden Euro erhalten, im Vergleich zu 2015 (6,09 Milliarden Euro) ein Plus von 0,9 Prozent. In Deutschland gab es im vergangenen Jahr 23,58 Millionen Katholiken. Es gab exakt 162.093 Austritte sowie 9.048 Eintritte beziehungsweise Wiederaufnahmen.

Ein anderes Schwerpunktthema ist die europäische Asylpolitik. Dazu will als Gast der Vizepräsident der EU-Kommission, Frans Timmermans, reden. Die ZdK-Vollversammlung will außerdem eine Erklärung zu einer „menschenwürdigen Asylpolitik als Gemeinschaftsaufgabe der EU“ verabschieden. Ebenfalls auf der Tagesordnung steht ein Impuls des Geistlichen Assistenten, Hamburgs Erzbischof Stefan Heße, zum 101. Deutschen Katholikentag vom 9. bis zum 13. Mai in Münster. Auch soll unter dem Motto „Versöhnung als Auftrag“ über den Stand der deutsch- polnischen Beziehungen informiert werden.

Es wird erwartet, dass es an der Spitze des ZdK mit Präsident Sternberg keine Veränderung geben wird. Dasselbe dürfte für die Vizepräsidenten Karin Kortmann, Claudia Lücking-Michel und Christoph Braß gelten. Vize Alois Wolf aus Erfurt dagegen tritt nicht mehr an. Für ihn kandidiert Wolfgang Klose aus Berlin, auf den sich den Angaben zufolge die ostdeutschen Diözesanräte im Vorfeld verständigt haben. Darüber hinaus stehen die turnusgemäßen Wahlen der Sprecher der Sachbereiche sowie des Hauptausschusses und der Gemeinsamen Konferenz an.

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