Katholischer Flüchtlingsgipfel: Seelsorge als zentrale Aufgabe

  • Flucht und Asyl - 07.11.2017

Der katholische Flüchtlingsbeauftragte, Erzbischof Stefan Heße, sieht die Seelsorge für Flüchtlinge als eine der wichtigsten Aufgaben der Kirche. „Wer geflüchtet ist, braucht eine Möglichkeit, um Heilung und Heil zu erfahren“, sagte er am Montag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Köln. Wenn die Betroffenen nicht umsorgt würden, könnten Wunden zurückbleiben. Heße äußerte sich beim dritten Katholischen Flüchtlingsgipfel.

Eine Verantwortung der Kirchen besteht nach den Worten Heßes darin, geflüchteten Christen aus dem Orient, dem Nahen und Mittleren Osten oder afrikanischen Ländern angemessene Seelsorge anzubieten. Die klassischen Missionen, die vor Jahrzehnten für die sogenannten Gastarbeiter aufgebaut wurden, „haben in der Regel kaum Berührungspunkte zu den Herkunftsländern der Geflüchteten“. Dies bedeute sowohl im Bereich der muttersprachlichen als auch der allgemeinen Pastoral neue Herausforderungen.

Zugleich gelte es, Helfern den Rücken zu stärken, so der Hamburger Erzbischof. Sie fühlten sich derzeit „in einem Klima geprägt von Vorurteilen und Feindseligkeiten oft entmutigt“. Die Nöte und Ängste von Flüchtlingen gerieten „allzu leicht aus dem Blick“. Es könne Christen jedoch „nicht gleichgültig sein, wenn Hartherzigkeit an die Stelle von Solidarität tritt“. Er setze auf Begegnung, um Ängste abzubauen. Auch müsse die Kirche nach Wegen suchen, wie man Ressentiments entgegentreten könne.

Die Wiener Theologin Regina Polak sieht in der seelsorglichen Begleitung von Flüchtlingen auch eine Chance für westliche Christen. Von geflüchteten Menschen könnten diese „wieder lernen, was eine in Leben und Kultur selbstverständlich eingebettete, eine 'embedded religion', ist“. Seelsorge müsse außerdem nach den wahren Ursachen von Ängsten im Zusammenhang mit der Flüchtlingsdebatte fragen.

Zudem gelte es, „auf die Geschichte und Geschichten der Anderen zu hören und das Leid der je anderen wahrzunehmen“, so Polak. Teils bringe dies die Erfahrung von „schmerzlicher Fremdheit“ mit sich, etwa im Hinblick auf „Nationalismus, Patriarchat oder Antisemitismus von Christen und Muslimen aus dem Osten“. Die Aufgabe, Verschiedenheit zu lernen, sei zentral für die Seelsorge: „begleitet von den Versuchungen, Verschiedenheit als Störung zu beseitigen; beim gemeinsamen Gebet zu verschleiern; durch zu rasche Taufen einzugemeinden“. Wenn dieser Lernprozess jedoch gelinge, werde die Kirche ein Vorbild für eine „inklusive Migrations-Gesellschaft“.

Etwa 130 Praktiker, Experten und Ehrenamtliche, die sich in der Flüchtlingsarbeit engagieren, berieten auf Einladung der Deutschen Bischofskonferenz über Seelsorge für Flüchtlinge. Das Treffen schloss an den vorangegangenen Gipfel in Frankfurt am Main an.

© KNA