Studie zu Kampf gegen den Hunger

  • Hunger und Armut - 12.10.2017

Enorme Probleme im Welternährungssystem stellt der neueste Welthunger-Index fest. Ein Blick auf die Statistiken zeigt: Die Lücke zwischen Arm und Reich ist gewaltig.

Einige Zahlen zu Beginn: Ende September wurde bekannt, dass das weltweite Netto-Geldvermögen auf die unvorstellbare Summe von 128,5 Billionen Euro angewachsen ist. Dem Boom an den Börsen sei Dank. Wie der Allianz Global Wealth Report weiter festhielt, verfügte 2016 jeder Nordamerikaner im Schnitt über 168.130 Euro, Osteuropäer kamen auf 4.150 Euro, Afrika wurde gar nicht erst erfasst. Und noch eine Zahl: Erstmals nach gut einem Jahrzehnt nahm die Zahl der Hungernden im vergangenen Jahr wieder zu. Sie stieg laut Welternährungsorganisation FAO von 777 auf 815 Millionen Menschen.

Enorme Ungleichheiten offenbart auch der Welthunger-Index, der am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde. Der Eindruck drängt sich auf, dass der Kampf gegen Unterernährung stagniert. In 51 Ländern bleibt die Lage „ernst“ oder „sehr ernst“, in einem weiteren Fall, der Zentralafrikanischen Republik, ist sie sogar „gravierend“. Damit fallen unter diese Kategorien zwei Länder mehr als beim Welthunger-Index 2016. Eine ähnliche Tendenz offenbart auch der globale Indexwert, der die Ausbreitung des Hungers erfasst. Der fiel zwar im Vergleich zum Jahr 2000 um 27 Prozent; im Vorjahr waren es aber noch 29 Prozent.

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Weltweit hungern 815 Millionen Menschen. Dabei gibt es genug Nahrung, um den gesamten Planeten zu ernähren. Daher sagen Christen auf der ganzen Welt dem Hunger den Kampf an.


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Zur Ermittlung des Indexwertes nehmen die Experten vom International Food Policy Research Institute (IFPRI) in Washington vier Bereiche ins Visier: Unterernährung, Auszehrung und Wachstumsverzögerungen bei Kindern sowie Kindersterblichkeit jeweils gemessen am Anteil an der Gesamtbevölkerung beziehungsweise der Mädchen und Jungen unter 5 Jahren. Auf einer 100-Punkte-Skala ist 0 („kein Hunger“) der beste, 100 der schlechteste Wert. Einige einkommensstarke Länder wie Deutschland blieben außen vor, ebenso mehrere Staaten, zu denen kein ausreichendes Zahlenmaterial zur Verfügung stand, wie die Krisenregionen Kongo, Südsudan oder Syrien.

Vorgestellt wird der Index seit 2006 jährlich vom IFPRI, der Welthungerhilfe sowie der irischen Organisation Concern Worldwide. Schlusslicht des diesmal 119 Länder umfassenden Rankings ist die Zentralafrikanische Republik mit einem Indexwert von 50,9. Es folgen mit dem Tschad, Sierra Leone, Madagaskar und Sambia vier weitere Länder in Afrika. Dann kommt der vom Krieg gezeichnete Jemen auf der Arabischen Halbinsel, bevor es mit dem Sudan und Liberia wieder zurück auf den Schwarzen Kontinent geht.

Doch es gibt auch Fortschritte. Insgesamt 14 Ländern bescheinigt der Bericht eine Reduzierung ihres Index-Wertes um 50 Prozent oder mehr im Vergleich zum Jahr 2000. Dazu gehören etwa Brasilien und Peru, Senegal und China. Weitere 72 Länder verbesserten sich um 25 bis 49,9 Prozent. Zu dieser Gruppe gehört Kenia. Das Land verzeichnete in den vergangenen Jahren ein konstantes Wirtschaftswachstum und investierte in die Ernährungssicherheit. Wie fragil die Lage jedoch ist, zeigte sich bei der diesjährigen Dürre in Ostafrika. Sie habe weite Teile Kenias „vor zusätzliche Herausforderungen“ gestellt.

In vielen Ländern kommen Kriege und politische Instabilität hinzu. Zugleich betonen die Autoren des Welthunger-Indexes, dass es auch innerhalb der einzelnen Länder teilweise erhebliche regionale Unterschiede gebe. In Nepal beispielsweise liegt der Anteil von Unter-5-Jährigen mit Wachstumsverzögerungen landesweit bei 37,4 Prozent; in einigen abgelegenen Bergregionen aber schnellte dieser Wert auf über 60 Prozent hoch.

Dies alles deute darauf hin, so fassen die Autoren vorsichtig zusammen, „dass ein standardisiertes 'Universalkonzept' zur Bekämpfung von Hunger und Unterernährung nicht die besten Ergebnisse erzielen würde“. Auch beeinflussten die Aktivitäten von multinationalen Agrar- und Nahrungsunternehmen die landwirtschaftlichen Märkte in Entwicklungsländern. Hier gelte es, im Kampf gegen Hunger verstärkt anzusetzen.

Zum Abschluss noch eine Zahl: In derselben Welt, in der mehr als 800 Millionen Menschen hungern und zwei Milliarden Menschen an unterschiedlichen Formen der Fehlernährung leiden, „ist ein Drittel der erwachsenen Bevölkerung fettleibig“, hält der Welthunger-Index fest. Und ein Drittel aller Nahrungsmittel werde „verschwendet oder vergeudet“.

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