Bildungsinitiative für die globalisierte Welt

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  • Vatikan - 22.09.2017

Ob ökologische Krisen, Globalisierung oder Migration. Solange in der Welt Leid und Elend existieren, kann sich niemand grundsätzlich sicher fühlen, sagt die Kirche. Dagegen setzt sie auf eine andere Bildung und Erziehung.

„Hoffnung globalisieren“, Bildung menschlicher machen. Es sind hehre Ziele, die die katholische Kirche sich setzt. Verwirklichen will sie diese mit einer „Erziehung zu einem solidarischen Humanismus“. So lautet der Titel einer Orientierungshilfe der vatikanischen Kongregation für das Bildungswesen, die der zuständige Kardinal Giuseppe Versaldi am Freitag im Vatikan vorstellte. Damit sowie mit einer neuen Stiftung will die Kirche den Herausforderungen der Globalisierung im 21. Jahrhundert begegnen.

In einer Welt, in der Leid und Elend existierten, könne sich niemand „grundsätzlich sicher fühlen“. Daher müssten die Menschen zu Solidarität, Dialog und Rücksicht auf das Gemeinwohl erzogen und ausgebildet werden. Dafür bedürfe es „eines neuen Schwungs des Denkens“.

Das klingt sehr nach Papst Franziskus, fußt aber auch auf älteren Äußerungen des kirchlichen Lehramtes: Zum einen auf der Erklärung des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65) über christliche Erziehung, mit der die Kirche ihren Bildungsauftrag in der Neuzeit formuliert hat. Deren Namen „Gravissimum educationis“ trägt auch die neue Stiftung, deren Gründung Papst Franziskus bereits im Oktober 2015 verfügte. Die Kirche habe „sowohl den Auftrag als auch die nötige Sachkenntnis, um Wege der Bildung aufzuzeigen, die den derzeitigen Herausforderungen angemessen sind“, heißt es in der neuen Orientierungshilfe.

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Außerdem beruft sich die Initiative auf das päpstliche Rundschreiben „Populorum progressio“ von 1967, in dem Paul VI. (1963-78) den Friedensauftrag der Kirche in einer globalisierten Welt umschrieben hat. Mit ihrem Schlüsselsatz „Entwicklung bedeutet Frieden“ sei die Enzyklika ein „programmatisches Manifest des kirchlichen Sendungsauftrags im Zeitalter der Globalisierung“.

Angesichts vielseitiger Krisen, demagogischer Strömungen, gegenseitigen Hasses und ungerechter Verteilung müsse „Bildung menschlicher werden“, fordert die Kirche. Gegen unterschiedliche ideologische Strömungen müsse die einzelne Person in ihren lebendigen, wechselseitigen Abhängigkeiten zur Gemeinschaft in den Mittelpunkt gestellt werden.

Zudem habe der Mensch paradoxerweise in Naturwissenschaft und Technik zwar wichtige Ziele erreicht; es mangele aber an „Visionen für ein öffentliches Miteinander“. Dafür benennt die Orientierungshilfe, die auf Ostern 2016 datiert ist, aber erst jetzt vorgestellt wurde, verschiedene Punkte. Der Vorrang der Erziehung in der Familie vor anderen Bildungseinrichtungen, die diese unterstützen und respektieren soll, kann durchaus als Spitze gegen manche westliche Bildungspläne gewertet werden.

Eine menschlichere Bildung „erwartet von den Lehrenden nicht nur, dass sie lehren, und von den Lernenden nicht nur, dass sie lernen, sondern spornt jeden an, im Sinne des solidarischen Humanismus zu leben, zu lernen und zu handeln.“ Zwischen den Schulen brauche es Orte der Begegnung, in Freiheit und Gleichheit, um Bürger mit einer angemessenen Dialogkultur heranzubilden.

Auch wenn moderne Gesellschaften die Kirche mitunter für bedeutungslos hielten, habe sie diese mit Werten und Grundsätzen versorgt. Die Kirche habe damit weiter die Verantwortung, mit ihrem spezifischen Erbe an Wahrheit und Werten zum Aufbau eines solidarischen Humanismus beizutragen.

So distanziert sich die Kirche vom Mythos eines „der Vernunft und Freiheit notwendig innewohnenden Fortschritts“. Stattdessen setzt sie in ihrem Glauben und ihrer Hoffnung auf die Liebe: „Hoffnung zu globalisieren ist der spezifische Sendungsauftrag der Erziehung zum solidarischen Humanismus“, heißt es in dem Dokument.

Diese Erziehung soll so inklusiv sein, dass nicht nur die Menschen allerorten auf der Welt die Chance haben, sich am Aufbau der Gesellschaft zu beteiligen. Sie solle auch sowohl künftige Generationen mit einbeziehen – Stichwort Nachhaltigkeit – wie auch frühere Generationen, auf deren Leben das heutige fußt – Stichwort: Geschichts- und Traditionsbewusstsein.

Um all das umzusetzen empfiehlt die Kirche schulische und akademische „Netzwerke der Kooperation“. An diesen seien unter anderem Berufsgruppen, Unternehmen und Künste zu beteiligen. In diesem Sinn richtet sich die jüngste Vatikan-Initiative nicht nur an Verantwortliche in katholischen Bildungseinrichtungen, sondern auch an die Zivilgesellschaft und internationale Organisationen.