Migrantenpriester: USA wird teuer für Trump bezahlen

  • Mexiko/USA - 18.09.2017

Harsche Kritik an US-Präsident Donald Trump hat der mexikanische Migrantenpriester Alejandro Solalinde geäußert. Zwar seien Trumps jüngste Signale zu begrüßen, in den USA geborene junge Migranten ohne Ausweispapiere, sogenannte „Dreamer“, nun doch nicht des Landes zu verweisen wie zuvor angekündigt, sagte Solalinde im Interview der Presseagentur Kathpress.

Zugleich habe sich dabei jedoch die enorme Unausgeglichenheit des Präsidenten gezeigt. Offenbar sei der Druck aus dem In- und Ausland zu groß geworden.

„Trump weiß nicht, was er will – was für die Weltpolitik verheerend ist“, so der 72-jährige Menschenrechtsaktivist, der für den Friedensnobelpreis 2017 nominiert wurde. Er sehe den US-Präsidenten als einen „kranken Menschen, der süchtig nach Geld ist“ und ohne Rücksicht auf Menschen nur Macht und Markt im Blick habe. Für seine Wahl an die Staatsspitze werde die USA noch teuer bezahlen müssen: „Das Ansehen der USA in der Welt geht verloren – und auch im Land selbst wird es um den Selbstwert der weißen Bevölkerung künftig schlecht bestellt sein. Denn Trump ist das Gesicht der USA.“

Vor der Grenzmauer zu Mexiko, an deren Errichtung Trump festhält, habe er keine Angst, sagte Solalinde. „Ich lache darüber. Denn es ist zu spät dafür. Er soll die Mauer bauen und sie gut abdichten, damit die Latinos nicht mehr herauskommen – denn es sind schon zu viele.“ Niemand könne die bereits 34 Millionen Mexikaner in den USA hinauswerfen; ihr Anteil in der US-Bevölkerung werde weiter steigen, mit oder ohne Mauer.

Nicht nur die USA, sondern auch Europa wäre aus Sicht Solalindes gut beraten, Ängste vor der Migration abzulegen: „Migration sorgt für bereichernde Vielfalt und kann uns eine große Hilfe sein. Migranten bringen Arbeitskräfte, Jugend, Sinn für das Leben sowie auch Werte und Glauben.“ Heute könne man nicht mehr in Kategorien wie Volk und Kultur denken, betonte Solalinde. „Ranzige Nationalismen, ethnische und kulturelle Säuberungen sowie das damit verbundene Überlegenheitsdenken müssen der Vergangenheit angehören“, forderte er.

Solalinde hat in Mexiko unter anderem ein Netzwerk von Migrantenherbergen geschaffen, in denen Flüchtlinge vorübergehend Zuflucht finden. Wegen seines Engagements, das den in der Region aktiven Menschenhändlern zuwiderläuft, und seiner Kritik auch an den mexikanischen Behörden und den USA erhielt er zahlreiche Morddrohungen.

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