Freiburger Erzbischof im Heiligen Land und Jordanien

  • Heiliges Land - 19.09.2017

Der Vorsitzende der Caritas-Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, Stephan Burger, ruft nach einem Besuch in jordanischen Lagern Europa zu einer gemeinsamen Flüchtlingspolitik auf. „Die Hilfsbereitschaft der Jordanier ist beeindruckend und macht deutlich, dass auch wir Europäer mehr leisten können und müssen“, sagte der Freiburger Erzbischof am Dienstag in einem Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Statt sich abzuschotten, müssten die europäischen Staaten eine gemeinsame Strategie vereinbaren, so Burger. Wörtlich sagte er: „Dazu gehört auch, mehr in Entwicklungshilfe zu investieren, um die Situation in den Herkunftsländern der Flüchtlinge endlich zu verbessern und Konflikte zu befrieden.“

Burger war mit neunzig Pilgern aus dem Erzbistum Freiburg von Donnerstag bis Sonntag auf einer Reise im Heiligen Land. Stationen der Reise waren unter anderem: Nazareth, Karfarnaum, der See Genezareth, der Berg der Seligpreisungen, die Kirche der Brotvermehrung in Tabgha und die Jordanquellen bei Cäsarea Philippi.

Der Freiburger Erzbischof Stephan Burger beim Besuch im Caritas Baby Hospital in Bethlehem.

Erzbistum Freiburg

Einer der Höhepunkte war der Besuch des Caritas Baby Hospitals in Bethlehem. Erzbischof Stephan Burger nutzte dort die Gelegenheit, um mit der Leitung des Kinderkrankenhauses über die aktuelle Situation zu sprechen. „Dieses Krankenhaus wird dringend gebraucht, um Kindern in existentieller Not zu helfen“, sagte Burger. Als Schirmherr der Trägerorganisation ist er eng mit der Einrichtung verbunden. „Was ich gesehen und gehört habe, bestärkt mich einmal mehr, diese Arbeit zu fördern und zu unterstützen“, sagte Erzbischof Burger nach seinem Besuch. Das Caritas Baby Hospital ist seit 65 Jahren eine Unterstützung für Familien in Bethlehem, unabhängig von Religion, Nationalität oder sozialer Herkunft.

Die Delegation, bestehend aus Erzbischof Stephan Burger, Domkapitular Dr. Peter Birkhofer und Katharina Ebner vom Referat Weltkirche im Ordinariat sowie Oliver Müller, Leiter von Caritas International, besuchte zudem verschiedene Flüchtlingsprojekte der Caritas in Jordanien. Jordanien hat in den vergangenen Jahren eine große Anzahl an Flüchtlingen im Land aufgenommen. An diesem Beispiel zeige sich, wie zwingend notwendig die Flüchtlingsarbeit ist, so Caritas international.

Seine Gespräche mit irakischen Flüchtlingen in Caritas-Projekten im jordanischen Amman hätten deutlich gemacht, dass derzeit fast niemand an eine Rückkehr in die alte Heimat glaube. „Es fehlt die Hoffnung auf eine friedliche Perspektive. Dafür ist der große Wille spürbar, sich rasch eine neue Existenz aufzubauen“, so Burger. Viele Familien seien durch den Krieg und die IS-Herrschaft auseinandergerissen worden. „Die Familien wieder zusammen zu bringen, ist eine zentrale Aufgabe“, so der Erzbischof.

Jordanquellen bei Cäsarea Philippi.

Erzdiözese Freiburg

Beeindruckt zeigte sich Burger davon, dass viele Muslime in den christlichen Hilfsprojekten mitarbeiten, etwa bei einem Gesundheits- und Sozialzentrum in Amman: „Christen und Muslime arbeiten hier auf einer gemeinsamen ethischen Basis und in großem gemeinsamen Respekt, das ist für mich ein echtes Pilotprojekt für interreligiöses Miteinander.“

Der Leiter von Caritas international, Oliver Müller, ergänzte, die jordanische Regierung stoße im Blick auf mehrere Hunderttausend Flüchtlinge aus Irak und Syrien an ihre Belastungsgrenzen, etwa im Blick auf den Zugang zu Kinderbetreuung und Schule. Die Caritas will nach Müllers Worten weiter helfen, sei aber auf mehr Spenden angewiesen.

Knapp ein Drittel der Bevölkerung Jordaniens sind nach Angaben des Erzbistums Freiburg Flüchtlinge, davon etwa 1,3 Millionen Syrer, 200.000 Iraker und 1,5 Millionen Menschen aus Ägypten, Palästina, Libyen, Jemen und weiteren Ländern. Das Erzbistum Freiburg hat die Flüchtlingsarbeit von Caritas international in den vergangenen Jahren mit 1,95 Millionen Euro bereits unterstützt.

© KNA/Erzdiözese Freiburg