Erzbischof in Bangladesch: Mehr Druck auf Myanmar ausüben

  • Myanmar/Bangladesch/Indien - 18.09.2017

In der Rohingya-Krise hat sich der katholische Erzbischof von Chittagong in Bangladesch, Moses Costa, für mehr „diplomatischen Druck“ auf den Nachbarstaat Myanmar ausgesprochen. Man dürfe nicht die Existenz der Rohingya leugnen, die als ethnische Minderheit seit Jahrhunderten in der Region Rakhine im Nordwesten Myanmars lebten, sagte Costa der Zeitung „Dakha Tribune“. Bangladesch müsse auf politischem Weg darauf hinarbeiten, die „humanitäre Krise“ zu beenden.

Zu Angriffen der islamistischen Terrorgruppe Jamaat-ul-Mujahideen auf religiöse Minderheiten in der jüngeren Vergangenheit sagte der Erzbischof, dies sei ein Anlass zur Sorge. Einige Bischöfe hätten in den vergangenen Jahren Todesdrohungen erhalten. Es gebe Warnungen von Sicherheitsbehörden.

Zugleich wies Costa Befürchtungen zurück, Bangladesch könne sich in einen theokratischen islamistischen Staat verwandeln. In der vielsprachigen, multireligiösen und aus unterschiedlichen Ethnien zusammengesetzten Bevölkerung werde der Fanatismus nicht dauerhaft Fuß fassen. Die Bürger sollten an das Motto „Einheit in Verschiedenheit“ glauben, so der Erzbischof.

Nach Aussage Costas wird Papst Franziskus bei seinem Besuch in Bangladesch Ende November an einem interreligiösen Treffen in Dhaka teilnehmen. Dieses sei am 1. Dezember am Sitz des Erzbischofs in der Hauptstadt geplant. Weiter seien an diesem Tag eine Messe und eine Begegnung mit Jugendlichen geplant.

Am ersten Besuchstag, dem 30. November, begibt sich Franziskus laut Costa zum Nationaldenkmal Jatiyo Sriti Shoudho, das an den Unabhängigkeitskrieg des Landes von 1971 erinnert. Am gleichen Tag werde der Papst von Staatspräsident Abdul Hamid empfangen. Im Mittelpunkt des letzten Besuchstags am 2. Dezember stehe eine Begegnung mit Klerikern und Ordensleuten in der Kirche vom Heiligen Rosenkranz im Zentrum Dhakas.

Papst Franziskus besucht vom 30. November bis 2. Dezember Bangladesch. Zuvor reist er vom 27. bis 30. November ins benachbarte Myanmar.

Indien will 40.000 Rohingya abschieben

In Indien verschärft sich unterdessen durch die Rohingya-Krise in Myanmar der religiöse Konflikt zwischen nationalistischen Hindus und Muslimen. Indiens Regierung kämpft vor dem Obersten Gericht des Landes um das Recht, die 40.000 Rohingya-Flüchtlinge in Indien als „Gefahr für die nationale Sicherheit“ nach Myanmar abschieben zu dürfen, wie indische Medien berichteten.

Unterstützung erhalte die hindu-nationalistische Regierung von Premierminister Narendra Modi von der Hindutva-Bewegung. Hindutva bezeichnet das radikale politische Konzept, aus Indien einen hinduistischen Gottesstaat zu machen.

In den vergangenen Tagen hatten in Neu Delhi und in Jammu und Kaschmir Tausende Muslime gegen das gewaltsame Vorgehen der Armee Myanmars gegen die Rohingya demonstriert. Dabei kam es laut indischen Medien zu Zusammenstößen mit Hindus. Jammu und Kaschmir ist ein autonomer indischer Bundesstaat, der einzige landesweit mit einer muslimischen Bevölkerungsmehrheit.

Indiens Innenminister Kiren Rijiju hatte Anfang August dem Parlament mitgeteilt, die Regierung habe „detaillierte Anweisungen zur Deportation illegaler Ausländer, einschließlich der Rohingya“ erteilt. Rohingya-Vertreter haben gegen den Ausweisungsbeschluss geklagt.

Bei seinem offiziellen Besuch in Myanmar in der vergangenen Woche hatte sich Premierminister Modi zu den Rohingya-Flüchtlingen in Indien und der Gewalt gegen die Rohingya an der Grenze zu Bangladesch nur indirekt geäußert. Modi und Staatsrätin Aung San Suu Kyi vereinbarten, gemeinsam gegen Terrorismus vorzugehen. Im offiziellen Sprachgebrauch der Regierung von Myanmar gelten Rohingya seit Ende August als „Terroristen“.

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