Kardinal Marx in Ecuador

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  • Ecuador - 11.09.2017

An der Peripherie versteht man besser, worauf es ankommt. Zu dieser Erkenntnis ist Kardinal Marx im Rahmen einer Ecuador-Reise gekommen, die er vergangene Woche mit einer Gruppe aus dem Erzbistum München und Freising beging. Die Reise stand ganz im Zeichen der Umwelt- und Sozialenzyklika „Laudato Si‘“ von Papst Franziskus.

„Der Fortschritt muss den Menschen dienen. Er darf nicht nur Kapitalinteressen berücksichtigen. Nicht multinationale Konzerne, sondern die Menschen müssen die Entwicklung eines Landes bestimmen“, sagte der Kardinal beim Besuch von Minenarbeitern in Herradura. „Mir ist durch das, was Sie mir geschildert haben, klar geworden, dass man an der Peripherie, hier bei Ihnen, besser versteht, worauf es ankommt, als wenn man im Zentrum sitzt. Es ist ganz so, wie Papst Franziskus es gesagt hat.“

Thematischer Schwerpunkt der Reise war die Ausbeutung der Bodenschätze in Lateinamerika und deren Folgen für Bevölkerung und Umwelt. Im entlegenen Urwaldgebiet im Süden Ecuadors besuchte Marx eine Goldmine und tauschte sich mit Minenarbeitern, ihren Familien und dem Präfekten der Region aus. Die wirtschaftliche Existenzgrundlage der Minenarbeiter ist bedroht, weil der ecuadorianische Staat die Schürfrechte an einen internationalen Großkonzern vergeben hat und die Behörden ihre Arbeit deshalb als illegal betrachten.

Kardinal Marx mit einer Bergbaufamilie in Ecuador.

EOM/Abt. Weltkirche

Kardinal Marx rief wiederholt dazu auf, die Globalisierung zu gestalten und eine ganzheitliche Fortschrittsidee zu verwirklichen, um mögliche neue kriegerische Konflikte zu verhindern. „Wir müssen etwas tun, das den Menschen dient, besonders den Armen und Schwachen, die es nicht so leicht haben“, sagte der Erzbischof von München und Freising.

Er warnte ausdrücklich vor nationalen Egoismen und Populismus. „Im Augenblick erleben wir eine starke Bewegung in der internationalen Politik, das verstärkte Eintreten der Großen für ihre eigenen nationalen Interessen. Das Weltgemeinwohl ist nicht mehr so stark im Blick.“

Die Delegation reiste auch in die Region Ecuadors, die von dem Erdbeben im April 2016 am stärksten heimgesucht worden war. In der teilweise schwer zerstörten Kathedrale von Portoviejo, die mit finanzieller Hilfe des Erzbistums wiederaufgebaut wird, feierte der Kardinal am Donnerstag, 7. September, einen Gottesdienst. „Wir haben keine Antwort auf ein Erdbeben, das auch noch die Armen und Schwachen trifft, aber wir haben die Hoffnung auf einen Gott, der uns in allem, was uns bedrückt, nicht allein lässt“, sagte Marx den Gläubigen.

Zwischen dem Erzbistum München und Freising und der katholischen Kirche von Ecuador besteht seit 55 Jahren eine lebendige Partnerschaft. Deshalb nahmen an weiten Teilen des Programmes auch führende Vertreter der ecuadorianischen Laienorganisation CELCA teil.

© Erzdiözese München und Freising/cze