Kolumbiens Präsident: Kirche maßgeblich für Frieden

  • Kolumbien - 06.09.2017

Zum Beginn der Papstreise nach Kolumbien hat Staatspräsident Juan Manuel Santos die Kirche für ihr Engagement beim Friedensprozess gelobt. Der Ruf der Kirche, Hass und Gewalt zu überwinden, sei maßgeblich für das Friedensabkommen mit der FARC-Guerilla gewesen, sagte der Friedensnobelpreisträger im Interview der italienischen Tageszeitung „Messaggero“. Nach der Beilegung des 53 Jahre dauernden Konflikts im Vorjahr spiele die Kirche nun auch eine „grundlegende Rolle“ bei der Verwirklichung der Friedenspläne.

Franziskus hatte einen Kolumbienbesuch zugesagt, wenn der Friedensprozess mit den FARC-Rebellen zu einem guten Ende käme. Das entsprechende Abkommen ging Ende November 2016 durch das Parlament; der Papst beginnt seine Reise ins Land an diesem Mittwoch. Im Mittelpunkt steht der Versöhnungsprozess im Land nach Jahrzehnten des blutigen Konflikts.

Santos betonte, Papst Franziskus habe das Land immer ermutigt, weiter für Frieden zu kämpfen. „Ich war überrascht, als er mir sagte, ich sei der Präsident, für den er derzeit am meisten gebetet habe, aufgrund der enormen Verantwortung, die ich hatte“, erinnert sich Santos.

Kolumbien - 05.09.2017

13.732 abgegebene Waffen, rund 6.000 Rebellen auf dem Weg in ein ziviles Leben: Die erste Phase der Umsetzung des Abkommens mit der Guerrillaorganisation FARC ist abgeschlossen – und die katholische Kirche spielte dabei eine nicht unwichtige Rolle.


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Aus Sicht des Vorsitzenden der Kolumbianischen Bischofskonferenz, Erzbischof Oscar Urbina Ortega, ist der Papstbesuch im Land maßgeblich für die weitere Stabilität des noch jungen Friedensschlusses. Das mit der FARC geschlossene Abkommen sei in der Anfangsphase; zudem gelte es, eine ähnliche Einigung auch mit der marxistischen ELN-Guerilla zu erlangen, sagte der Erzbischof von Villavicencio der italienischen Tageszeitung „Avvenire“. Santos und die ELN hatten sich erst unmittelbar vor dem Papstbesuch auf eine mehrmonatige Waffenruhe geeinigt.

„Es ist eine gemeinsame Anstrengung von Kirche, Staat, verschiedenen Vereinigungen, Laien und Ordensleuten, von allen Kolumbianern und Kolumbianerinnen, sowie allen Menschen guten Willens nötig, um einen echten Versöhnungsprozess zu beginnen“, so Erzbischof Ortega. Papst Franziskus sei in der Lage, Brücken zwischen den gegensätzlichen Positionen zu schlagen, die Kolumbien viel zu lange blockiert hätten.

Bei seiner fünftägigen Kolumbienreise wird der Papst am Freitag einen ermordeten katholischen Priester und einen Bischof als Märtyrer seligsprechen. Neben großen Gottesdiensten in der Hauptstadt Bogota, in Villavicencio, Medellin und Cartagena sind auch Begegnungen mit den Spitzen des Staates sowie mit Vertretern der Kirche Lateinamerikas geplant.

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