Erzbischof Heße trifft in Sizilien Flüchtlinge und Helfer

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  • Flucht und Asyl - 05.09.2017

Der katholische Flüchtlingsbeauftragte, Erzbischof Stefan Heße, informiert sich bis Freitag auf Sizilien über die Lage von Migranten. Die Reise solle ein Zeichen der Solidarität mit den Flüchtlingen sein und die Leistungen von Helfern würdigen, wie die Deutsche Bischofskonferenz am Dienstag in Bonn mitteilte. So werde der Erzbischof vor Ort Gespräche mit Caritas-Vertretern, privaten Rettungsorganisationen und mit der EU-Grenzschutzagentur Frontex führen.

Heße wird den Angaben nach zudem mit dem bischöflichen Verantwortlichen für die italienische Caritas, Kardinal Francesco Montenegro (Agrigent), dem Präsidenten der Sizilianischen Bischofskonferenz, Erzbischof Salvatore Gristina (Catania) und weiteren Bischöfen aus der Region zusammenkommen. Mit dem Bürgermeister von Catania, Enzo Bianco, werde er die Herausforderungen diskutieren, die süditalienische Kommunen angesichts der großen Zahl von Flüchtlingen zu bestehen haben, hieß es.

Kürzlich hatte Heße die Zahl der Ertrunkenen im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) als skandalös bezeichnet. Er fügte hinzu, er wolle vor der Reise „noch keine abschließende Bewertung abgeben“. Zu Vorwürfen, wonach Seenotretter als Helfershelfer von Schleuserbanden fungieren, sagte der Erzbischof: „Ich weiß nicht, ob es im einen oder anderen Fall eine problematische Kooperation gegeben hat. Aber ich weiß, dass wir die Flüchtlinge nicht ertrinken lassen dürfen.“

Wenn staatliche Rettungsaktionen nicht wirksam genug seien, seien „ergänzende gesellschaftliche Aktivitäten legitim und notwendig“, so Heße weiter. Er ist Erzbischof von Hamburg und seit zwei Jahren Sonderbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für Flüchtlingsfragen.

Die Bischöfe warnen vor einer „Politik der Abschottung“ und verlangen mehr geregelte Zuwanderung nach Europa. „Als Kirche sagen wir: Wer Chaos an den Grenzen und auf den Wanderungsrouten vermeiden will, muss auch vermehrt legale und sichere Zugangswege eröffnen“, forderte Heße. Die Politik tue zwar gut daran, „chaotische Verhältnisse, wie sie 2015 mancherorts geherrscht haben“, zu vermeiden, unterstrich der Erzbischof. „Die derzeitige Gefahr besteht aber darin, dass aus einer Politik des notwendigen Ordnens und Kontrollierens eine Politik der Abschottung wird.“

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