Sternsinger überschreiten die Milliarden-Euro-Grenze

  • Hilfswerke - 01.09.2017

Helmut Kohl hat sie regelmäßig im Kanzleramt empfangen, Gerhard Schröder und Angela Merkel ebenfalls. Die Sternsinger haben prominente Unterstützer. In diesem Jahr hat die Aktion die Milliardengrenze überschritten.

Sie bezeichnen sich als weltweit größte Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder. Jährlich beteiligen sich mehr als 300.000 Jungen und Mädchen aus katholischen Kirchengemeinden in Deutschland in der Weihnachtszeit an der Sternsinger-Aktion, ziehen von Haus zu Haus und sammeln für notleidende Altersgenossen. Seit 2015 ist das Sternsingen auch Unesco-Kulturerbe. Die Tradition wurde von der deutschen Kommission in die Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

In diesem Jahr haben die Sternsinger rund 46,8 Millionen Euro und damit 550.000 Euro mehr als im Vorjahr gesammelt. Mit seit 1959 gesammelten 1.040.800.000 Euro haben sie damit die Milliarden-Euro-Grenze überschritten, teilten das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ und der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) als Träger der Aktion am Freitag in Aachen und Düsseldorf mit.

Die Tradition des Dreikönigssingens reicht bis in das Mittelalter zurück. Um den 6. Januar, den Dreikönigstag, verkleiden sich Kinder als Heilige Drei Könige, ziehen von Haus zu Haus, singen Lieder und verteilen Segen. Meist schreiben oder kleben sie auf Haustüren den mit der jeweiligen Jahreszahl verbundenen Segenswunsch „C + M + B“. Die Abkürzung steht für „Christus mansionem benedicat“ (dt. Christus segne dieses Haus). Zugleich weisen die Buchstaben auf die Namen der drei Weisen aus dem Morgenland hin, die sich nach biblischem Bericht an einem neu aufgegangenen Stern orientierten und so nach Bethlehem zum neugeborenen Jesuskind kamen. Im Volksglauben werden sie Caspar, Melchior und Balthasar genannt.

Eine Milliarde Euro für Kinder in Not

Seit dem Start der "Aktion Dreikönigssingen" in Deutschland 1959 habt ihr, liebe Sternsinger, mehr als eine Milliarde Euro gesammelt. Herzlichen Glückwunsch!

Die Sterninger- Kindermissionswerk

1959 gründete sich aus dieser Tradition heraus in Deutschland das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“. Seitdem haben die beteiligten Jugendlichen mit ihrem Engagement rund 71.700 Projekte für benachteiligte Kinder in Afrika, Lateinamerika, Asien, Ozeanien und Osteuropa finanziert.

Ihren großen Erfolg verdanken die Sternsinger auch guter Öffentlichkeitsarbeit: Dem langjährigen Präsident des Kindermissionswerks, Arnold Poll, gelang es während seiner Amtszeit zwischen 1980 und 2000, prominente Unterstützung zu gewinnen. Der damalige Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Egidius Braun, unterstützte die Sternsinger-Aktion ebenso wie Altbundeskanzler Helmut Kohl.

So begann in der Amtszeit Kohls 1984 zunächst in Bonn die Tradition der Sternsingerempfänge im Bundeskanzleramt, die auch Gerhard Schröder (SPD) und Angela Merkel (CDU) in Berlin fortführten. Mittlerweile haben die Sternsinger Zugang zu fast allen Berliner Ministerien und auch den Ministerpräsidenten der Bundesländer. Jahr für Jahr berichten die Medien über Sternsingerempfänge, auch weil sie in der oft nachrichten-ärmeren Weihnachtszeit liegen und die Wiederaufnahme der politischen Arbeit ankündigen. Auch mit dem DFB unterhält das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ bis heute gemeinsame Projekte.

„Die Sternsinger sammeln aber nicht nur Geld“, betonte Poll immer wieder. „Sie bringen den Menschen etwas Wesentliches für ihr Leben – Gottes Segen.“ Ihr mit Kreide an Haustüren geschriebener Segenswunsch antworte „auf eine tiefe Sehnsucht nach Schutz, Geborgenheit und Liebe“.

Auch die heutigen Leiter der Aktion legen großen Wert auf ein geistliches Fundament der Aktion. Der Präsident des Kindermissionswerks „Die Sternsinger“, Klaus Krämer, sagte am Freitag in Aachen: „Rekorde und Superlative sind uns sicherlich nicht wichtig, aber jeder gesammelte Euro, jeder gesammelte Cent ist ein Stück Hilfe für benachteiligte Kinder in der Einen Welt“. Der BDKJ-Bundespräses, Pfarrer Dirk Bingener, sagte, die Sternsinger seien „ein wichtiges Zeichen für eine junge, aktive und lebendige Kirche, die mit einer christlichen Botschaft zu den Menschen unterwegs ist“.