Schick und Müller zu globalen Zukunftsfragen

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  • Entwicklung - 31.08.2017

Mit der Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht sprach der Bamberger Erzbischof Schick im Mai über Gerechtigkeit. Nun diskutierte er mit dem CSU-Mann Gerd Müller zum Thema „Unfair?!“.

Politiker trifft Kirchenmann – und beide übertreffen sich in gegenseitigen Bekundungen des Dankes und der Wertschätzung. Ein denkwürdiger Schulterschluss gelang Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) und dem Bamberger Erzbischof Ludwig Schick am Mittwochabend bei einer Diskussionsveranstaltung zum Thema „Unfair?!“ in der Nürnberger Akademie Caritas-Pirckheimer-Haus. Bei Themen wie Hunger, Bevölkerungswachstum, Familienplanung, Klimaschutz, Ressourcengerechtigkeit, Bildungsnotstand, Handel und Wirtschaft herrschte eindeutig Einigkeit.

Zumal aus Sicht des Bundesministers die Entwicklungspolitik nicht zuletzt wegen der Flüchtlingskrise und der Frage nach den Fluchtursachen ihr Nischendasein verlassen und „Stärke gefunden“ hat. Und weil Schick, als Vorsitzender der Kommission Weltkirche so etwas wie der Außenminister der Deutschen Bischofskonferenz, die katholische Kirche ohnehin als den „längsten global player“ bezeichnete. Müller zeigte sich beeindruckt vom Einsatz der Kirche für die Ärmsten in Afrika, Asien und Lateinamerika: „Das können wir von den staatlichen Stellen aus nicht.“

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Zu dem Vortrag von Minister Müller hat der Erzbischof sechs Themen hinzugefügt, die die Kirche seines Erachtens besonders in die Entwicklungsarbeit einbringen kann und muss.

 


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Den bekennenden Christen Müller treibt etwa der Skandal um, dass täglich bis zu 10.000 Kinder verhungern. Dabei wäre es doch möglich, diese Katastrophe zu verhindern und eine Welt ohne Hunger zu schaffen, so seine Überzeugung. Dabei nahm der Minister vor allem Afrika in den Blick, dessen Bevölkerung sich den Prognosen nach bis 2050 verdoppeln wird. Die Konsequenz daraus dürfe aber nicht lauten „Zäune um Europa“, sondern „Bildung und Gleichberechtigung der Frauen“.

Als einen weiteren „Schlüssel zur Entwicklung“ führte Müller den Klimaschutz an: „Wir müssen die Grundlagen für erneuerbare Energien schaffen, die Sonne der Sahara nutzen.“ Doch die Großkonzerne hätten daran kein Interesse, beklagte der CSU-Politiker. Und nahm sich gleich die nächsten bösen Buben vor: Die Modeketten. Diese ließen zu unmenschlichen Bedingungen und für Sklavenlohn die Textilarbeiterinnen in Bangladesch „unsere Jeans“ nähen und verkauften sie teuer im Westen.

Um die globalen Herausforderungen anpacken zu können, braucht es nach Worten des Ministers die Privatwirtschaft und neue Rahmenbedingungen zur Risikoabsicherung von Investitionen. Ein weiterer, wohl kaum mehrheitsfähiger Vorschlag betrifft die Maghreb-Staaten und Ägypten: Diesen Mittelmeeranrainern möchte Müller den vollen Zugang zum europäischen Wirtschaftsraum eröffnen. Wie die Osterweiterung vor 25 Jahren „wäre das eine Win-Win-Situation“.

Schick ergänzte die Aussagen seines Diskussionspartners meist nur und nannte als „größten Entwicklungshemmer“ den Krieg. Dieser zerstöre die Lebensgrundlagen und sei zumeist die Ursache für Hunger und Flucht. Vorrangige Aufgabe der Kirche müsse es deshalb sein, Frieden und Versöhnung zu schaffen. Erzbischof Schick war erst vergangene Woche von einer Reise in die Zentralafrikanische Republik zurückgekehrt, wo die bewaffnete Gewalt zwischen den Rebellengruppen wieder zunimmt.

Von Marion Krüger-Hundrup (KNA)

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